Einen raketenhaften Aufstieg hat das Brüderpaar Disclosure schon jetzt hinter sich. 2010 erschien die erste Single von Guy und Howard Lawrence, „Offline Dexterity“, heute stehen die 21- und 18jährigen Brüder bei PMR, Labelheimat von unter anderem Jessie Ware unter Vertrag. Groove-Chefredakteur Heiko Hoffmann sah sie in Ausgabe 140 zu Beginn dieses Jahres als eine der Hoffnungen für 2013, da sie in ihren von UK-Garage beeinflussten Produktionen „gekonnt Clubtauglichkeit mit Popappeal“ verknüpften. Dies macht sie jetzt zu den Titelhelden unserer neuen Ausgabe, die am 25. April erscheint. Felix Hüther sprach schon im Vorfeld mit Disclosure über das mit Spannung erwartetete Debütalbum.

 

Was steckte hinter der Idee, jetzt ein Album zu veröffentlichen und besitzt das Album ein Konzept?

Howard: Nein, ein Konzept gibt es nicht wirklich.
Guy: Das Album erzählt keine Geschichte oder so. Es ist im Prinzip eine Auswahl an Tracks, die unseren derzeitigen musikalischen Output repräsentiert. Ich denke, wir sind noch nicht alt und gut genug um ein wirkliches Konzeptalbum auf die Beine zu stellen. Dafür muss man viel mehr Zeit und Arbeit investieren. Wir haben die Tracks für das Album ja teilweise schon geschrieben und fertiggestellt, bevor wir wussten, das sie Teil eines Albums werden.
Howard: Ich denke, die nächstliegende Referenz ist die „Face“-EP. Das Album ist im Prinzip eine Extended Version davon.

Gibt es wesentliche stilistische Änderungen gegenüber euren älteren Sachen?

Guy: Es ist eine Kombination aus sehr vocallastigen Tracks mit Popstrukturen auf der einen und basslastigen, samplebasierten Instrumentalstücken auf der anderen Seite. Wir wollten sicher gehen, dass das Album diese Balance zwischen poppigeren Stücken und dem Underground-Zeug hat. Die „Face“-EP besaß ja noch verstärkt Breaks und viel höhere BPM-Werte. Viele Tracks auf dem Album bewegen sich hingegen zwischen 110 und 120 BPM und sind auch viel housiger. Als die „Face“-EP auf Greco-Roman herauskam, haben wir noch viel Dubstep gehört und Sachen von James Blake oder Mount Kimbie. Inzwischen hören wir mehr Detroit-House, Techno, UK-Garage und 2Step. Das ist einer der ausschlaggebenden Punkte für die Veränderungen in unserem Sound und kein intentionelles Ding, um das zu machen was die Leute gerade hören wollen. Wir vergessen unsere Wurzeln nicht und wollen ein ausgewogenes Verhältnis behalten.

Welche Produzenten findet ihr gerade gut?

Guy: Derzeit mögen wir Vieles aus der House-Szene. Die Dirtybird Crew finden wir gut, Shadow Shild ist ein guter Freund und Justin Martin ist cool. Neben House hören wir viel alten HipHop aus den Neunzigern, J Dilla, Slum Village, Gang Starr. Da holen wir uns auch eine Menge Inspiration für unsere eigenen Produktionen, vor allem für die Gestaltung der Drums und Synths.

Wie heißt das Album und wie seid ihr auf den Namen gekommen?

Howard: Das Album heißt „Settle!“.
Guy: Das kommt von der Redewendung „Settle Down!“ und meint soviel wie „Halt den Mund!“ Das war lange Zeit so eine Art Witz, den wir mit unseren Managern hatten, wenn es um den ganzen Trubel ging, der um uns gemacht wird. So nach dem Motto, „ihr seid der Anfang einer weltweiten Revolution im Garage-Bereich“. Dann war unser Kommentar dazu immer nur so viel wie settle down mate!, also bleib locker. Wir sind bloß zwei Jungs, die Musik machen die uns gefällt.

Wie viel Output hattet ihr für das Album, wie viel Material stand euch schlussendlich zum Auswählen zur Verfügung?

Guy: Das ging alles so schnell los für uns. Ich meine, der erste Track, den wir überhaupt produziert haben, war dann auch gleich unsere erste Single. Wir hatten das niemals alles so geplant, wie es jetzt gekommen ist. Für eine Band dauert es meistens ewig, ihr erstes Album fertigzustellen und das Zweite schreiben sie dann mal eben auf Tour. Wir haben unser erstes Album direkt auf Tour geschrieben (lacht). Es war echt hart und wir hatten viel weniger Zeit, um mit allem klarzukommen. Wir sind nicht solche Produzenten mit einem riesigen Output, die einfach unzählige Tracks fertigstellen und dann die Besten davon auswählen. Wir haben das immer so im Gefühl, ob die Idee jetzt gut wird oder eher nicht so toll und dann machen wir das Stück entweder komplett fertig oder lassen es gleich ganz. Erst wenn der Track abgeschlossen ist, fangen wir etwas Neues an.

Mit welchem besonderen Künstler würdet ihr gerne mal ein Feature machen?

Howard: Michael Jackson.
Guy: Q Tip. Ich denke, ein Feature mit irgendeinem großen Rapper wäre sehr interessant, Kendrick Lamar zum Beispiel. Einer unserer größten Vorbilder ist D’Angelo, aber keine Ahnung ob wir ihm sowas jemals vorschlagen würden, denn er ist einfach so ein unglaublicher Künstler.
Howard: Ein Sprichwort sagt ja, treffe am Besten niemals deine Helden.

Interview: Felix Hüther

 

Das Album Settle erscheint am 3. Juni auf PMR erscheinen.

 

Ein ausführliches Feature wird in unserer kommenden Ausgabe erscheinen, die ab 25. April am Kiosk erhältlich ist.