Die apokalyptischen Fernsehbilder der Naturkatastrophe, die Japan jüngst heimsuchte, brannten sich wohl den meisten durch die Netzhaut ins mitfühlende Herz, während das innere Bedürfnis, Hilfe zu leisten, angesichts einer täglich wachsenden Häufung von Hiobsbotschaften wuchs. Auch in den Breitengraden, in denen unsereins gerne umhertänzelt, ist die Anteilnahme groß, was sich nun unter anderem in diesen zwei massiven Digital-Compilations manifestiert, deren Erlös ausnahmslos nach Japan gehen soll. Auf der einen Seite stehen die Musikvertriebe Word And Sound und Rush Hour samt verbandelter Labels, die zusammen mit den japanischen Freunden vom <i>Posivision</i>-Magazin und clubberia.com glatte einhundert Tracks unter dem title <i>Japanease</i> versammelt haben. Unter den Stücken von scheinbar unendlich vielen Qualitätskünstlern vom Schlage eines Nicolas Jaar, Steve Bug oder Nathan Fake finden sich auch hie und da einige exklusive Perlen, die bislang noch nie dem schwarzen Licht des Clubs ausgesetzt waren. Außerdem positiv zu vermerken ist, dass sämtliche am Japanease-Projekt Beteiligte – egal ob Vertrieb, Label, Künstler oder Mastering – ihren Beitrag zur Compilation für lau geliefert haben, auf dass auch ordentlich Gewinn für die Krisenregion zusammenkomme.
Auf der anderen Seite, ebenfalls ganz und gar unentgeltlich, haben die Beitragenden zu einer von der Snuff Crew initiierten Benefiz-Compilation namens <i>Snuff Trax For Japan</i> zusammengefunden, die bereits seit Ende März in den einschlägigen Download-Portalen zu haben ist. Nahezu alle der hier versammelten 45 Tracks sind bislang unveröffentlicht und bergen sagenhafte Schätze führender Old-School-Aficionados wie Legowelt, Dance Disorder oder Laurent Garnier. Der Vorteil dieser Sammlung liegt in der vergleichsweise stimmigen Stückauswahl (Detroit-Chicago-Amsterdam), die zweifellos dem Umstand geschuldet ist, dass die Snuff Crew eben Künstlerfreunde aus dem eigenen musikalischen Umfeld mobilisierte, während die oben genannten Vertriebe auf ein deutlich breiteres, dadurch allerdings weniger homogenes Spektrum elektronischer Spielarten zugreifen konnten, was im Hinblick auf Vielfalt ja auch als Vorteil verstanden werden kann. Sei es drum, wer sich an diesen Compilations gütlich tut, bekommt nicht nur höchste Qualität auf die Ohren, dem winken obendrein auch Karmapunkte noch und nöcher. Am Ende steht schließlich nicht nur die Erkenntnis, dass die Welt immer einen Schritt voraus ist, während sich unsereins – Informationen mit Wissen verwechselnd – in trügerischer Sicherheit wägt, sondern auch, dass die vielgescholtene digitale Revolution der Plattenindustrie wenigstens ein Gutes hat, nämlich spontan und unbürokratisch auf Ereignisse wie dieses reagieren zu können. In diesem Sinne gilt: Techno hören, Gutes tun.

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