Sie sagen sich los von linearer Bewegung, schieben Effizienzdenken lässig beiseite. Weil sie Zielstrebigkeit gegen Ziellosigkeit tauschen, bremsen sie die urbane Wuseligkeit gnadenlos aus. Die Rede ist von den „Mäanderthalern“. Als solche verstehen sich Dan Tyler und Conrad McConnell von den popjut Boys sowie Rune Lindbæk, der in den frühen Neunzigern auf dem 4Hero-Label Reinforced begann und einige Jahre später als Teil des Projekts Those Norwegians Pionierarbeit für die inzwischen ein wenig klischeehaft wirkende Disco-Szene leistete. Bereits vor über zehn Jahren hatten sich die Wege der drei Meanderthals in London gekreuzt. Seitdem blieb man in engem Kontakt. Bei Bear Funk erschien 2006 eine erste Zusammenarbeit – auf dem popjut-Boys-Track „Laisn“ gab Rune Lindæk ein Gastspiel als Vokalist. Desire Lines, das erste gemeinsame Album der Herren Tyler, McConnell und Lindbæk, wird jetzt mit einiger Verspätung auch hierzulande veröffentlicht. Dem Bandnamen entsprechend haben sie das Mäandern zum Grundprinzip ihrer Musik erhoben – wobei nicht ganz klar ist, wie man den jeweiligen Beitrag der drei einschätzen soll, lebt die Musik doch vor allem von den Musikern, die in London und Oslo mit ihnen im Studio waren, darunter die alten popjut-Boys-Mitstreiter Pete Z und Raj Gupta. Wie ausufernd die dem Album zugrunde liegenden Jamsessions waren, kann man noch erahnen. Der Grundton ist balearisch-fusselbärtig, und dieser Umstand ist gleichermaßen Fluch wie Segen der sieben Stücke: Sie hängen überaus entspannt – und zuweilen lepoper völlig antriebslos – zwischen Westcoast-Softrock, Dub, karibischen Steeldrums, Zeitlupen-Disco-Basslines, Jazz, Psychedelic und Krautfunk ab. Doch immer, wenn man vollends wegzudämmern droht, packen einen die Meanderthals – mit Charme und Liebe zum Detail.

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