Sehr erwachsen klingt sie, die vierte Langspielplatte von Fujiya & Miyagi, die trotz innerer Vielheit und exponierter Experimentierfreude ein stimmiges Ganzes bildet. Die Ästhetik hat zu einer festen Form gefunden, verschiebt nur die Apostrophierung von Kraut’n’Roll mit unterschwelligen Disco-Anleihen zu Funk zu Soul zu Pop. Dark Pop allerdings, denn trotz humorvollen Songwritings gibt es eine Art neue Ernsthaftigkeit, die in der durchgängigen Schwere der Synthie-Sounds liegt und gerade in Kombination mit den kleinen Schräglagen die phänotypische Coolness der Band ausmacht. Ein paar nervöse Synths und kleinere Noise-Einlagen reichen da schon aus, Gefälligkeiten zu umschiffen und das Moment des Besonderen nicht aus den Augen zu verlieren. „Pills“ macht dann mit seinem ungeniert glatten Popappeal allerdings doch etwas Angst, Fujiya & Miyagi könnten sich irgendwann in Franz Ferdinand verwandeln. Dann doch lieber eine Suppe vom Leibhaftigen, serviert als Krautrockp-Psychedelik in „Minestrone“ oder als subtiler Glamour bei „Tinsel & Glitter“. Ganz gleich jedoch, welches Stück im Fokus steht, das verbindende Element des Longplayers zeigt sich in einer selbstbewussten Stilgewissheit, die man durchaus auf die sichere Hand des neuen Produzenten Thom Monahan zurückführen darf, der bereits Au Revoir Simone und Devendra Banhart die Richtung wies. Nun also: avancierter Kraut-Funk mit zeitlosem Sexappeal. Unmöglich, da nein zu sagen.