Das Leben muss sich gut anfühlen momentan für Kevin Martin. Seit Ewigkeiten schon beharrt der alte Knurrkopf darauf, dass Dub nicht nur tiefgründige Abhängmusik ist, sondern auch etwas Wüstes, Schroffes, dystopisch Wummerndes sein kann. Und plötzlich, tadaa, fangen all diese Jungspunde an, Dub genau so zu interpretieren, sie nennen es „Dubstep“, es ist der heiße Scheiß – und Kevin Martin weiß, dass er all die Jahre richtig lag. Er hat diese Soundästhetik schon seit den frühen Neunzigern verfolgt, oft zusammen mit seinem Kumpel, dem Ex-Napalm-Death-Mitglied Justin K. Broadrick, unter Namen wie Techno Animal, Ice, God oder Curse Of The Golden Vampire und für Labels wie Wordsound, Mille Plateaux oder Digital Hardcore. Auf seinem neuen Album als The Bug macht er nun im Grunde dasselbe wie auf dessen Vorläufer Pressure, der 2003 bei Rephlex erschienen ist: maschinell-stoische Riddims, die man heute „Dubstep“ nennen könnte, über die dann Dancehall-MCs toben dürfen. Die Vorgänger-Truppe mit Tikiman oder Daddy Freddy wurde dabei komplett ausgetauscht, dafür sind jetzt Leute wie Flowdan von der Roll Deep Crew, Warrior Queen sowie die alten Helden Ricky Ranking und Tippa Irie an Bord. Im Vorfeld hatte Martin seine The-Bug-Tracks schon von Kode 9, Skream und Loefah remixen lassen, er selber veröffentlicht derweil properen Dubstep als Pressure oder King Midas Sound für Tempa, Soul Jazz und Hyperdub. Für ihn laufen gerade einige Fäden zusammen. Und das muss sich wirklich gut anfühlen.