Diáne Zillmer über die Ausstellung „Island of Time” in Berliner Silent Green und die Arbeit der Miller-Zillmer Foundation: „Musik ist zugleich Zeitzeuge und Archiv” 

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Das silent green in Berlin und die Miller-Zillmer Foundation präsentieren im Berliner Kulturquartier eine Ausstellung von Niccolò Masini über Erinnerung, geografische Zugehörigkeit und Zeit. Die Ausstellung „Islands of Time“ eröffnet am 06.08. um 18 Uhr ihre Pforten und wird dort bis zum 16.08. in den Ateliers 2 und 3 zu sehen sein. Begleitet wird die Schau von einem Konzertabend mit Pole, JakoJako (mit Tänzer Rubén Nsue Mbese), Sunroof (Daniel Miller und Gareth Jones) und Nicolas Bougaïeff in der Kuppelhalle.

Wir haben mit Diáne Zillmer, Mitgründerin der von ihr und Mute-Gründer Daniel Miller betriebenen Miller-Zillmer Foundation, über die Kooperation mit Silent Green gesprochen. Außerdem haben wir sie gefragt, wie sich aus ihrem ersten Stiftungsprojekt eine international ausgerichtete Arbeit entwickelt hat, die von der Beschäftigung mit Körperbildern über Kunstresidenzen indigener Kunstschaffender bis zur Archivierung elektronischer Instrumente reicht.

GROOVE: Silent Green und die Miller-Zillmer Foundation präsentieren gemeinsam „Islands of Time” – eine Ausstellung von Niccolò Masini zu den Themen Gedächtnis, geografische Zugehörigkeit und Zeit, mit einem Abend mit vier musikalischen Acts. Wie ist diese Kooperation entstanden, und wie verbinden sich Ausstellung und Konzertabend inhaltlich miteinander?

Diáne Zillmer: Die Zusammenarbeit mit Silent Green ist aus einem gemeinsamen Interesse an einer Kollaboration entstanden. Die Ausstellung „Islands of Time” handelt von kultureller Identität auf den Spuren von Zeit und Zugehörigkeit. Niccolò Masini stellt die Frage, wie persönliche und kollektive Erinnerungen von Zugehörigkeit gespeichert, verändert und weitergegeben werden und welche Rolle dabei Ort und Raum spielen. Der Konzertabend erweitert diese Fragestellung. Jede und jeder von uns erlebt seine kulturelle Identität auf individuelle Weise. Das spiegelt sich in jedem künstlerischen Prozess wider, ob visuell oder akustisch.

Der Tänzer Rubén Nsue Mbese oberkörperfrei und voller Farbe.
Der Tänzer Rubén Nsue Mbese tritt im Rahmen eins Konzertabends mit JakoJako auf (Foto: Presse)

Mit JakoJako, Pole, Nicolas Bougaïeff und Sunroof wollten wir bewusst sehr unterschiedliche Positionen zusammenbringen. Musik ist Zeitzeugin und zugleich Archiv – sie bewahrt Emotionen, kulturelle Erfahrungen und historische Zusammenhänge. Unsere Stiftung legt ihren Fokus auf den interdisziplinären Austausch. In diesem Sinne sind Ausstellung und Konzert keine getrennten Formate, sondern ein integrativer Zugang, der künstlerische und soziale Perspektiven zusammenführt. Uns interessiert dabei das Zusammenspiel – wie Bilder, Klänge und Räume miteinander in Beziehung treten und daraus womöglich neue Formen des Verständnisses entstehen.

Euer erstes Stiftungsprojekt war „Mein Leben, Mein Körper, Meine Entscheidung” – eine fotografische Arbeit mit jungen Frauen zu Körper und Identität. Warum beginnt eure Arbeit mit diesem Medium? 

Zum Zeitpunkt der Gründung der Stiftung arbeitete ich mit einem Berliner Jugendhilfeträger an diesem Projekt. Diese Arbeit stieß auf das Interesse der Middlesex University in London. Daraus entstand ein Austausch darüber, wie das Medium Fotografie als Schnittstelle für digitale Kompetenz und visuelle Wahrnehmung eingesetzt werden kann. Die visuelle Bildung – neben der auditiven und audiovisuellen – ist ein unmittelbarer Ausgangspunkt unserer Stiftungsarbeit. Das Projekt „Mein Leben, Mein Körper, Meine Entscheidung” gab jungen Frauen Raum, ihre Perspektiven auf Körper, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Erwartungen zu formulieren und selbst zu gestalten.

„Berlin ist ein wichtiger Ausgangspunkt unserer Arbeit, aber viele Fragen – etwa Völkerverständigung, neue Formen des Austauschs, Bildung, kulturelle Gesinnung – lassen sich besser mit einer globalen Perspektive beantworten.”

Was hat die Ausstellung mit der Gründung der Stiftung zu tun?

Die Arbeit stand von Beginn an sinnbildlich für die Werte der Stiftung. Es geht uns darum, Stimmen hörbar zu machen, die häufig nicht im Mittelpunkt stehen, und Kunst als Medium des Dialogs zu verstehen. Das Projekt war in diesem Sinne unser erstes innerhalb der Stiftungsarbeit und bildet die Grundlage unseres Selbstverständnisses.

Ihr unterstützt das Projekt „AIRE” – Art with Indigenous People in Electronic Residencies – bei der es um die Zusammenarbeit zwischen indigenen und nicht-indigenen Künstler:innen geht. Wie hat sich der Fokus der Stiftung geografisch und thematisch erweitert?

Wir waren von Beginn an international aufgestellt. Berlin ist ein wichtiger Ausgangspunkt unserer Arbeit, aber viele Fragen – etwa Völkerverständigung, neue Formen des Austauschs, Bildung, kulturelle Gesinnung – lassen sich besser mit einer globalen Perspektive beantworten.

Das Projekt AIRE ist den mutigen Schritt gegangen, indigene und nicht-indigene Gemeinschaften aus Brasilien, Argentinien, Chile, Kolumbien, Ecuador und Bolivien zusammenzuführen – und das mitten in der Corona-Zeit. Es war ein außergewöhnlicher Prozess. Die Werke regen zum Dialog und zur Reflexion über unsere Verbindung zur Geschichte, zur Natur und zu unserem Verhältnis zum Planeten an. Uns interessiert nicht nur das fertige Kunstwerk, sondern vor allem der Prozess des Austauschs.

Das Duo Sunroof vor mehreren Synthesizern.
Modularsynthesizer sind auch der Wirkungsbereich von Sunroof (Foto: Marta Ruly)

Ihr sammelt Modularsynthesizer und audiovisuelle Werke, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Warum ist die Konservierung künstlerischer Werkzeuge Teil eurer Mission?

Archive sind nicht als statische Orte, sondern als lebendige Räume zu verstehen. Elektronische Instrumente, Kameras und Videoformate erzählen viel über die Entwicklung künstlerischer Praktiken und sind immer auch an eine Zeit gebunden.

Die Bewahrung dieser Materialien ist uns wichtig, um sie auch künftigen Generationen zugänglich zu machen. Es geht nicht allein darum, Objekte zu sammeln, sondern Wissen, Erfahrungen und Arbeitsweisen weiterzugeben. Ein Archiv kann Inspirationsquelle, Forschungsort und Begegnungsraum zugleich sein.

Welche neuen Projekte und Regionen plant ihr, um die Stiftungsarbeit zu erweitern? 

Wir setzen in unserer Arbeit auf Langfristigkeit – das gilt für unser Netzwerk, unsere Kooperationen und die von uns geförderten Projekte. Wir sind international aufgestellt: Neue Regionen erschließen sich über die Projekte, die wir fördern, und wir sind gespannt, welche neuen Räume sich daraus ergeben werden. Wir haben außerdem neue Initiativen auf dem Weg, die sich beispielsweise mit Zensur in der Kunst, Wegen der freien Meinungsäußerung und der Reflexion aktueller kultureller Ereignisse beschäftigen. Es bleibt spannend.

Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Die Fünf-Jahres-Frage ist in diesen Zeiten ein Konstrukt, das schwer zu beantworten ist. Ich kann aber versichern, dass wir unsere Arbeit gemeinsam mit unserem Netzwerk, dem wir sehr dankbar sind, fortführen und vertiefen werden. Wir haben in den vergangenen sieben Jahren mehr erreicht, als wir uns bei der Gründung der Stiftung hätten vorstellen können. Es braucht immer eine Vision. Unsere ist es, neue Räume zu schaffen, in denen Erinnerung bewahrt und Wissen über künstlerische Formen neu geteilt und entwickelt wird – das haben wir getan und werden es weiter tun.

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