Sexpositive Partys stehen für sexuelle Selbstbestimmung, gegenseitigen Respekt und Freiräume jenseits gesellschaftlicher Normen. Wie sicher diese Orte tatsächlich sind, untersuchen Autor:innen Nastassja von der Weiden und Jessica Ramczik im vierteiligen ARD-Podcast „Die Party ist vorbei“, der von Studio Soma produziert wurde.
Anhand beklemmender Erfahrungsberichte beleuchtet der Podcast sexualisierte Übergriffe in der Sexpositiv-Szene und nimmt dabei die Verantwortung von Veranstaltenden sowie die Hürden innerhalb der Justiz ins Visier.
Im Fokus steht Mittzwanziger Hanna, die gemeinsam mit Freund:innen eine sexpositive Party besucht. Die Atmosphäre beschreibt sie zunächst als schön, sie gibt ihr das „Gefühl eines Bienenschwarms“. Was zunächst wie ein ausgelassener Abend wirkt, endet mit einem sexuellem Übergriff auf dem Rückweg von der Toilette und einer Untersuchung in der Gewaltschutzambulanz.

Zwei Jahre später begegnet Hanna dem mutmaßlichen Täter erneut – vor Gericht. „Mein größter Albtraum von diesem Prozess ist jetzt hier wahr geworden – und zwar, dass wir hier alle sehr nah beieinander sitzen“, beschreibt sie die Situation. Die Autor:innen begleiten Hanna bis zum Urteil durch die juristische Aufarbeitung und geben Einblicke in einen Prozess, der ein kritisches Licht auf das deutsche Sexualstrafrecht wirft.
Dabei beschränken sich von der Weiden und Ramczik nicht auf Hannas Geschichte. Auch Fine, die Hanna am Abend des Übergriffs zur Seite stand und zuvor nicht kannte, kommt zu Wort und sitzt als Zeugin mit im Gerichtssaal.
Weitere Betroffene wie Wiebke und Mara berichten von eigenen Erfahrungen mit sexualisierten Übergriffen auf derselben Partyreihe: Wiebke bemerkt beim Tanzen, dass ein fremder Mann unter ihren Rock greift. Mara wiederum berichtet von einem deutlich älteren Besucher, der sie trotz ihrer Ablehnung auf der Tanzfläche hochhebt und mit Zunge küsst. Damals war sie erst 17 Jahre alt – der Club versäumte es, am Einlass ihr Alter festzustellen.
Neben den Betroffenen kommen auch ehemalige Mitarbeiter:innen des Awareness-Teams zu Wort. Caro, die zwischen 2022 und 2024 in dem Club arbeitete und das Awareness-Konzept eigeninitiativ entwickelte, berichtet von fehlenden Verhaltensregeln, allgemeiner Überforderung und mangelnder Unterstützung durch den Veranstalter.
Auch Rabea, die ebenfalls im Team tätig war, schildert Situationen, in denen sie ohne klare Richtlinien entscheiden musste, wie sie auf beobachtete Grenzüberschreitungen reagierte.
Welche besonderen Fähigkeiten erforderlich sind, um auch blinde Flecken in Clubs zu berücksichtigen, erklärt Saskia, Sozialarbeiterin im Opferschutz und aktives Mitglied eines Awareness-Teams in einem anderen Club.
Eine Psychologin aus einer Fachberatungsstelle für sexualisierte Gewalt kommt ebenfalls zu Wort. Sie bietet Sprechstunden an und betreut auch die Betroffenen Hanna, Wiebke und Mara. Scham, die psychischen Folgen von Übergriffen und der gesellschaftliche Mythos, dass Besuchende sich auf sexpositiven Partys mit ungewollten sexuellen Annäherungen arrangieren müssten, seien Kernthemen ihrer Sprechstunden.

Die Veranstaltenden Jan Ehret und Sarah Woods der Sexpositiv-Partyreihe „Kinky Galore“ stellen als Kontrast ihr eigenes Konzept vor, das je nach Veranstaltungsgröße 14 bis 18 geschulte Awareness-Teammitglieder umfasst.
Eine weitere Ebene eröffnet das Gespräch mit einer Juristin des Deutschen Jurist:innenbundes. Sie erläutert, welche Schwierigkeiten das deutsche Sexualstrafrecht bei der Bewertung sexualisierter Gewalt mit sich bringt und warum Vorstellungen über den Tatort, die Kleidung oder das Verhalten Betroffener in solchen Verfahren problematisch werden können.
Der Podcast von Nastassja von der Weiden und Jessica Ramczik versteht sich ausdrücklich nicht als Warnung vor Sexpositiven-Partys, sondern als Anstoß, genauer hinzusehen: Welche Awareness-Strukturen gibt es? Wie werden Grenzen kommuniziert? Und wer übernimmt Verantwortung, wenn etwas passiert?
Die vier Folgen von „Die Party ist vorbei“ gibt es ab heute bei ARD Sounds zu hören.
Das GROOVE-Interview von Nastassja von der Weiden und Jessica Ramczik findet ihr hier.







