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Marc Feldmann & Dominik André (Kauz Klub) – GROOVE Resident Podcast 70

„Everything goes, aber mit Stil” – dafür steht der Zürcher Kauz Klub laut Marc Feldmann und Dominik André seit über zwölf Jahren. Die beiden müssen es wissen, schließlich bewegen sie sich ebenfalls seit geraumer Zeit in der Clubkultur der größten Stadt der Schweiz. Für unsere Resident-Podcast-Reihe haben die beiden einen Mix aufgenommen, der diese Haltung widerspiegelt.

Wie es abseits des musikalisch variablen Schmuckkästchens um die Clubkultur in der Schweiz bestellt ist, wieso ein abwechslungsreiches Programm in Zürich Pflicht ist und was für die beiden zukünftig ansteht, lest ihr im Interview.

Der Kauz Klub wirbt mit dem Slogan „Kleiner Zürcher Klub mit grossen Parties”. Wie groß ist der Club? Seit wann gibt es ihn? Wie ist er ausgestattet?

Der Kauz ist seit über zwölf Jahren ein wichtiger Ort in Zürich, blieb aber lange ein Geheimtipp. Bekannt ist er einerseits für sein einzigartiges Interieur mit hunderten rot-orangenen, lampionähnlichen Lampen und andererseits für ausschweifende Partys, die auch mal mehrere Tage dauern können. Eine dieser Partys trägt passenderweise den Namen Neverending und dauert von Samstag bis Montag. In den Club passen etwas mehr als 200 Leute, und er ist mit einer KV2-Anlage ausgestattet. Wegen der relativ niedrigen Deckenhöhe und des verwinkelten Raums im Untergeschoss sind viele kleine Speaker im Raum verteilt. Das führt dazu, dass man – egal, wo man sich befindet – von Sound umgeben ist.

Das Programm des Kauz Klub scheint musikalisch breit gefächert: In den letzten Jahren spielten dort Acts wie Moritz von Oswald, Fantastic Man, Judith van Waterkant oder Vera Logdanidi. Gibt es so etwas wie einen alltäglichen, regulären Betrieb überhaupt? Welche Rolle spielt ihr als Residents dabei?

Der Kauz arbeitet nicht mit einem klassischen Resident-System, wie man es von anderen Clubs kennt, bei dem Artists als Residents angekündigt werden. Im Kauz geht es etwas familiärer zu, und es hängt auch von den Veranstalter:innen ab. Deshalb ist das Programm auch sehr breit gefächert. In einer Stadt mit knapp einer halben Million Einwohner:innen ist ein zu nischiges und zu genre-spezifisches Programm ohnehin kaum möglich.

Marc und ich gehören zum erweiterten Freundeskreis und legen seit vielen Jahren auf unterschiedlichen Partys auf. Mit meinem Label Subject To Restrictions Discs hoste ich zudem eigene Labelnächte, bei denen ich versuche, dem Zürcher Ausgehpublikum im Spirit des Labels Clubmusik mit Ecken und Kanten näherzubringen. So haben wir unter anderem Alicia Carrera, Gamma Intel sowie die Sound Metaphors DJs Nemo und Castro in den Kauz gebracht.

Man bekommt sehr viel Vertrauen vonseiten des Clubs, und es wird einem nicht gesagt, was man tun oder lassen soll – weder als DJ noch als Veranstalter:in. Diese Haltung ermöglicht, dass alle etwas zum Club beitragen können.

Die Zukunft in Zürich, lange die zentrale Anlaufstelle für Clubkultur, gibt es seit letztem Jahr nicht mehr. Wie sieht das Zürcher Nachtleben inzwischen aus und wo verortet sich der Kauz Klub darin? Und wo wir schon dabei sind: In welchem Zustand befindet sich das Schweizer Nachtleben eurer Ansicht nach?

Der Kauz macht seit einigen Jahren sein eigenes Ding und ist in dieser Hinsicht ziemlich einzigartig im Zürcher Nachtleben. Das Team hinter dem Club ist inzwischen ganzjährig aktiv und bei diversen Gastroprojekten, Festivals oder clubübergreifenden Partys involviert. Ich würde deshalb sagen, dass der Kauz – auch wenn nicht immer unter diesem Namen – einen enorm wichtigen Einfluss auf Zürich und sein Nachtleben hat.

Was das Nachtleben der Stadt allgemein betrifft, ist es nach wie vor sehr fragmentiert und bildet sich oft um einzelne Clubs herum. Obwohl sich alle irgendwie kennen, gibt es kaum Situationen, in denen alle gemeinsam am selben Ort feiern. Wenn wir auf nationaler Ebene herauszoomen, ist es sehr schwierig, etwas Allgemeines zu sagen. Es ist sehr unterschiedlich, was in den jeweiligen Regionen des Landes passiert, und leider ist man nicht so gut vernetzt, wie man von außen vielleicht denken würde – gerade für ein so kleines Land wie die Schweiz.

Ich würde aber sagen, dass im ganzen Land extrem viele talentierte DJs und Produzent:innen am Werk sind und wir, was Clubs und Musik betrifft, ein sehr hohes Niveau haben. Ich persönlich schaue gerne in die Romandie, weil dort in der Regel sehr geschmackssicher und im Vergleich zum Rest der Schweiz mutiger programmiert wird.

Nun zu euch: Wie habt ihr euch kennengelernt? Wie seid ihr zu Residents des Clubs geworden?

Eine romantische Kennenlernstory gibt es leider nicht. Marc ist als DJ und Produzent schon sehr lange fester Bestandteil der elektronischen Musik in der Schweiz. Früher in Bern und inzwischen seit über zehn Jahren in Zürich. Unsere Wege kreuzen sich schon seit Langem immer wieder, und in den letzten Jahren hat sich diese Freundschaft verdichtet, bis wir entschieden haben, dass wir uns doch mal bei Marc im Studio treffen sollten, um ein bisschen mit Synthesizern und Ableton rumzudaddeln. Eigentlich wollte mir Marc etwas mehr übers Produzieren beibringen. Dass dabei gleich eine präsentable EP entsteht, hätten wir uns beide nicht gedacht.

Rund ums Release sind nun einige Events geplant. So kommen wir im Mai nach Berlin und spielen bei Sound Metaphors TV, und am 8. Mai findet wieder eine Subject-To-Restrictions-Discs-Labelnacht im Sameheads statt. Dazu kommen die Trancesetters of Westphalia aus Düsseldorf und Blanche Biau aus Zürich, die ein Konzert spielen wird.

Zuletzt: Was habt ihr euch beim Mix gedacht? Wie spiegelt er den Klang des Kauz Klubs wider und wie repräsentiert er euch als DJs?

Den Kauz besuche ich schon seit über zehn Jahren, und gerade die Anfangsjahre des Clubs haben mich sehr geprägt. Er lud schon immer dazu ein, zu spielen, was man will – ohne Restriktionen: Everything goes, aber mit Stil. Diese Attitüde habe ich dann, als ich selbst begann regelmäßig aufzulegen, auch in andere Clubs getragen.

Das Aufnehmen des Mixes war eine tolle Erfahrung, weil es das erste Mal überhaupt war, dass wir zusammen aufgelegt haben. Es fühlte sich dann aber gleich ein bisschen an wie im Studio: Wir kamen sofort in einen Flow, und das Ding war beim ersten Anlauf im Kasten.

Tracklist:

MA-D-MF – Zwöiti Häufti [Straßmann Studios]
Djfix & Jek – An Iconic Small Gathering [Lagunas]
Alex Barbu – Living Without Ego [Digital Finesse]
Prophecy 47 – Los Tiempos De Muerte [Subspace]
Timo Maas – Der Schieber [Hope Recordings]
Marc Feldmann & Dominik André – Natural Oscillation [Subject To Restrictions Discs]
Third Son x Baldo – This Is Your Brain On Music [Permanent Vacation]
Mirko Felicioli – Zigos [Loud Enough]
Marc Feldmann & Dominik André – A Breeze of Mistral [Subject To Restrictions Discs]
Boudi & Boy Boogie – Keep it Coming [Space Bunny Records]
Jack U. Rebels – The Edge Of Forever [Timeplan]
Electric Nature – The Electric Nature [Ultra-x Records]
Awex – It’s Our Future (Timewriter Remix) [Plastic City UK]
Chaotik Ramses – Pollution Part II [Calme Records]

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