Fotos: Presse (Levon Vinecent). Interview: Tama Sumo. Zuerst erschienen in Groove 170 (Januar/Februar 2018).

Levon Vincent ist Produzent, DJ und Betreiber von Novel Sound. 2008 erlangte der Amerikaner internationale Aufmerksamkeit. Seitdem ist er eine feste Größe in der elektronischen Musikszene und reist mit seinem ansteckenden House-Sound rund um den Globus. Es ist ein frischer Sound mit einer einzigartigen Handschrift. Ich habe Levon 2009 kennengelernt, als ich ihn wegen eines Tracks für meine Panorama-Bar-Mix-CD kontaktiert hatte. 2010 spielten wir dann zusammen in New York und Levon hat mir bei der Gelegenheit noch einige Ecken der Stadt gezeigt. Er hat damals sehr leidenschaftlich von New York erzählt und trägt diese Begeisterung für die Stadt immer noch in sich, wie in diesem Interview deutlich wird.

 


 

Wann hast du angefangen zu produzieren und aufzulegen?
Meine ersten Erfahrungen als Produzent habe ich mit 13 oder 14 Jahren gemacht. Sogenannte Tape Edits waren damals sehr angesagt und es war ziemlich aufregend, damit zu experimentieren. Ich hatte ein paar VHS-Rekorder, einen Plattenspieler und ein Doppelkassettendeck. Damit konnte ich recht abgefahrene Sachen machen – zum Beispiel habe ich Filmausschnitte mit Musik kombiniert. Etwa zur selben Zeit habe ich auch das Auflegen entdeckt. Aufmerksam wurde ich durch die Breakdance-Bewegung und Arthur-Baker-Platten. Ich war damals mit Zwillingen befreundet und deren älterer Bruder war DJ und hat uns die Grundlagen beigebracht. Mit 15 habe ich in einem Club, dem CBGB, als Tellerwäscher gearbeitet. Dort gab es viel queeres Publikum und eine monatliche Party, Sugar Baby, die damals in NY ziemlich bekannt war. Die Deee-Lite-Crew hat dort gearbeitet und ist durch den Laden berühmt geworden. Ich war ehrgeizig, wollte da mitmachen. Der Resident-DJ hat das gemerkt und mich manchmal gegen Ende der Nacht ein paar Tracks auflegen lassen. Da war es dann um mich geschehen.

Das war ein ziemlich früher Start. Hat dich dein Umfeld damals dann weiter an die Hand genommen?
Ich hatte ziemlich Glück, dass ich in meinem Umfeld Leute hatte, die mich unter ihre Fittiche genommen und mir eine Welt gezeigt haben, die großen Einfluss darauf hatte, wie ich mein Leben gestalten wollte. Zu der Zeit bin ich als Teenager oft allein durch Downtown Manhattan gestromert – ein bisschen wie ein verlorener Hund. Und Lower Manhattan war das Areal der Queer-Community. Das waren meine Leute, die haben sich um mich gekümmert. Es war so hilfreich, all diese hervorragenden Künstler, einfach großartige Leute, kennenzulernen. Eine der größten Einflüsse in meinem Leben war die Stylistin Patricia Field. Ich habe mehrere Jahre in ihrer Boutique gearbeitet. Im Verkauf arbeiteten Dragqueens, ich habe im Keller die Kleidung ausgepreist und sie dann nach oben gebracht. Durch diesen Job habe ich Leute wie Joey Arias und Debby Harry, viele aus der New Yorker Szene, kennengelernt. Ich habe damals Luftsprünge gemacht vor Freude. Dimitri von Deee-Lite kam manchmal vorbei und wir haben uns unterhalten, während ich gearbeitet habe. Er hat mich sehr beeinflusst. Wir haben über Platten und die Szene geplaudert. Ich habe da meine Idole kennengelernt und konnte mich mit ihnen austauschen. In vieler Hinsicht bin ich das Produkt dieser ganz besonderen Umgebung. Diese Menschen waren sehr richtungsweisend für mich.

Inwiefern richtungsweisend? In Bezug auf deine Musik oder eher in Bezug auf das soziale Umfeld im Nachtleben?
Es ging vor allem um das Aufnehmen in die Clubfamilie. Clubleben war damals alles für mich und deshalb war ich auch so begeistert, davon ein Teil sein zu können. Was in den Clubs passierte, hatte für mich durchaus eine soziale und fast politische Komponente. Wir kamen ja gerade aus der Crack- und Aids-Ära – einer recht deprimierenden Zeit – und plötzlich gab es Bands wie Deee-Lite. Das fühlte sich an, als würde die Sonne aufgehen. Ich bin bis heute noch ziemlich in dieser Zeit verhaftet.

Du sagtest, da waren Leute, die dich unter ihre Fittiche genommen haben. Waren die auch so etwas wie deine musikalischen Lehrer?
Ja, auch. Gleichzeitig habe ich aber schon früh in Plattenläden gearbeitet – sogar als ich Tellerwäscher im Club war. Außerdem war ich in Bezug auf Musik immer neugierig und habe Leute ständig mit Fragen gelöchert und darüber dann viel gelernt. Fragen stellen ist generell das Wichtigste. Frag alles, was du wissen willst, und verschaff dir Gehör! Hol dir, was du brauchst, um deine Vision umzusetzen!

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