David Grellier aus dem französischen Nantes ist Teil des Electroclash-Duos Sexy Sushi. Sein Solo-Projekt heißt College. Für Grellier handelt College von der Erinnerung an die Popmusik, das Fernsehen und die Konsumartikel seiner Kindheit in den achtziger Jahren. Auf dem ersten Album, Secret Diary, machte er kaum mehr, als Synthesizer-Riffs zu simplen Groove-Pattern laufen zu lassen. Obwohl oder gerade weil die Tracks richtungslos und opak wirken, lassen sie sehr spezifische Momente zwischen Synthi-Pop, Ambient, Electro und Soundtrack aufscheinen. Die konkrete Erinnerung an eine Situation ist längst verblichen; es bleibt nur das Gefühl, das sie ausgelöst hat. Um Nostalgiekitsch zu sein, sind die Tracks zu elektronisch und zu abstrakt. Dieser Verfremdungseffekt geht auf Grelliers zweitem Album, Nothern Council, verloren. Jetzt baut er vollständige Synthi-Pop-Songs nach, deren Vergangenheitsbesessenheit beklemmend wirkt. Aus dieser Phase stammt auch das ironische „A Real Hero“, das im Soundtrack von Nicolas Winding Refns Drive ganz und gar unironisch eingesetzt wurde. Auf dem dritten Album Heritage zeigt Grellier, dass er seine Pop-Fetische mittlerweile absolut perfekt nachbauen kann. Das Bewusstsein der Nichteinholbarkeit der Vergangenheit hatte Grelliers Projekt Spannung verliehen. Jetzt fallen das Einst und das Jetzt zusammen.

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