Es war schon amüsant mit anzuschauen, wie sich Gonzales vor einigen Jahren in Berlin als schlecht angezogener Brusttoupet-Träger und HipHop-Macho vorstellig machte, anschließend seine feinsinnigen, in früheren Leben erlernten Piano-Künste aus dem Sack ließ, nur um den Berlinern alsbald wieder den Rücken zu kehren und an der Seine der reizenden Feist als Pop-Produzent zum Durchbruch zu verhelfen: ereignisreiche Jahre im Leben des diabolisch grinsenden Kanadiers. Auf zwei DVDs werden sie nun zusammengefasst. Wer lernen will, wie man mit nichts als zwei Händen und einer Tastatur ganze Theatersäle fesselt, kann sich die „Masterclass“ anschauen (und darüber lachen, wie Gonzo in Filzpantoffeln die mangelnde rhythmische Tightness des Daft-Punk-Roboters vorführt); wer Gonzales’ Hände genauer unter die Lupe nehmen will, erhält dazu in der von der Künstlerin Ninja Pleasure entwickelten „Pianovision“-Perspektive Gelegenheit. Diese DVD zeigt: Zwischen weißen und schwarzen Tasten, zwischen Dur und Moll, ist viel Raum für Melancholie, Ernsthaftigkeit und Flachserein mit arglosen Fans. Höhepunkt ist jedoch nicht Gonzales als Solist, sondern eine gemeinsame Session mit Jamie Lpopell, Mocky und Feist: Für wenige Minuten verschmelzen die vier zu der besten Live-Band, die man sich vorstellen kann.

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