Keine Redaktionszeit, keine Office Charts – klar. Über das Feiertagsbingo der letzten Wochen haben wir den Bürosoundtrack etwas schleifen lassen, jetzt aber versorgt uns Review-Redakteur Thilo Schneider wieder mit den besten Tunes für diesen durchwachsenen Frühling. Dem wankelmütigen Wetter entgegnen wir vor allem House. Tee Mango, Simple Symmetry, Honey Dijon, Matthew Herbert und Special Request sowie Aleksi Perälä versorgen uns mit der wöchentlichen Dosis Feel-Good.

5. Tee Mango – #1 (Aus Music)

Der Brite Tee Mango produziert nicht nur schmucke T-Shirts und Sweatshirts (u.a. auch zusammen mit anderen Labels wie International Feel) auf seinem Label Millionhands, sondern veröffentlicht darauf auch – bisher exklusiv – Disco- und Soul-infizierte House-Tracks, die sich gut gelaunt zwischen der guten alten Theo Parrish- und Moodymann-Schule positionieren. Mit #1 kommt seiner erste Platte auf Aus Music heraus. Alle drei Tracks (der vierte, „Reprise“, ist nur eine kurze Skizze zum Ausklang) machen deutlich, warum DJs wie Gerd Janson, Axel Boman oder Gilles Peterson Tee Mangos Tracks spielen – vor allem „Of All The Places Left To Dance“ ist das einschmeichelndste Stück Sample-schwerer House Music seit langem. Perfekt für die frühen Morgenstunden.

4. Simple Symmetry – Plane Goes East (Disco Halal)

Simple Symmetry sind die zwei russischen Brüder Sasha und Sergey Lipsky aus Moskau, die mit Plane Goes East den Katalog von Moscomans Disco Halal Label beeindruckend konsequent ergänzen. „Plane Goes East (OST)“ klingt mit orientalisch anmutenden Synth-Flächen und einem spät einsetzenden Slow House-Gerüst wie der Soundtrack zu einer fantastischen 70er-Jahre-Märchensendung, während die Dance-Version mit stampfenden Discobeat, Schellen und allerlei Oriental-Rave-Ornamentik daherkommt. „Voodoo Your Ex“ schließlich ist ein Yello-inspirierter Clubtune, der seine Vocal-Mantras äußerst effektiv einsetzt. Remixes sind angekündigt.

3. Honey Dijon feat. Charles McCloud – Personal Slave (Classic)

Als DJ bewegt sich die in New York und Berlin lebende Honey Dijon mühelos zwischen Clubs wie der Panorama Bar oder dem Robert Johnson und Hochglanz-Fashionevents vom Kaliber Luis Vuitton – ohne sich für das ein oder andere künstlerisch korrumpieren zu müssen. Ihr eklektischer und mit absolut überzeugender Begeisterung ausgeführte DJ-Stil bringt das Beste aus Chicago, New York und europäischen Dance-Spielarten der vergangenen 30 Jahre auf hohem Energielevel zusammen, kaum jemand verkörpert diese Art von wissenden Hedonismus besser als sie. Als Produzentin konnte sie sich bisher noch kein vergleichbares Profil zulegen. Das könnte sich nun ändern. War ihre letzte, mit Seven Davis Jr. produzierte Single Houze bereits ganz gelungen, ist das nun gemeinsam mit Matrixxman produzierte „Personal Slave“ auf den Punkt und warpt den entfremdeten, außerweltlichen Techfunk eines Green Velvets mit ordentlich Sexdrive in die Jetztzeit.

2. Matthew Herbert – Brand New Love (Hypercolour)

Er kann es einfach immer noch. Matthew Herbert, der ewige Anführer (und gleichzeitiger Außenseiter) britischer House-Exzentrik zeigt mit der Brand New Love EP auf Hypercolour wieder einmal sein ganzes Können. „Brand New Love“ ist ein bittersüßer Downbeat-Song mit verschachteltem Rhythmus, geisterhaften Synths und der einnehmenden Stimme der Sängerin Zilla, die das Ganze zu einem sehr modernen House-R’n’B-Hybrid wachsen lässt: catchy und anspruchsvoll zugleich. Neben zwei weiteren House-Schubern, von denen vor allem „The Peacock“ durch ein ausgesprochen heiteres Sample-Arsenal auffällt, gibt es noch zwei Special Request-Remixes (einmal mit, einmal ohne Vocals), die „Brand New Love“ zu einem fantastischen Drum’n’Bass Track mit jeder Menge Backspins und einer überaus emotionalen Strings-Sektion transformieren. Super!

1. Aleksi Perälä – Colundi Sequence Vol. 2 (DUB)

Der Finne Aleksi Perälä hat auf seinem eigenen Label AP Music innerhalb zwei Jahren ganze 16 Alben (ausschließlich digital) veröffentlicht, ein Mammutprojekt mit philosophischem Überbau. Clone veröffentlichte nun dankbarer Weise den zweiten Teil einer Zusammenfassung auf ihrem DUB-Sublabel. Legte der Vol. 1 noch den Fokus auf Peräläs Dancefloor-orientierterem Material, kommt Colundi Sequence Vol. 2 mit 16 fantastischen Minimal-Miniaturen, die Referenzen an den ambienten Aphex Twin, Mika Vainio, Brian Eno oder Philip Glass aufweisen und den direkten Vergleich nicht scheuen müssen. Dass man es hier quasi mit einer Compilation zu tun hat, ist an keiner Stelle dieses absolut empfehlenswertem Album zu hören.