Foto: Screenshot (Tempers/Rem Koolhas)

Dass Konsum und Shopping eine zu große Rolle in unserem Alltag spielen, weiß jedes Kind. Dass diese Erkenntnis uns noch nicht dazu befähigt, aus dem Konsumrausch auszusteigen, hat Tempers aus New York zu einem anderen Ansatz inspiriert. Statt auf Entschleunigung und Aussteigerphantasien zu setzen, heizen sie die Mühlen des Kapitalismus an. Aus dieser Dynamik heraus haben sie auf ihrem Album Junkspace eine Shopping Mall in ihre Bestandteile zerlegt. Ein Song heißt „Fake Palm Tree“, ein anderer „Water Fountain“. Die fluffigen elektronischen Klänge von Edward Cooper und Jasmine Golestanehs fragile Stimme öffnen sich den Einkaufswelten so unmittelbar, dass jeglicher Fokus verloren geht. Wie in dem Post-Internet-Art-Video zu „Love At The Mall“ ziehen die einzelnen Bestandteile der Einkaufswelt von der Rolltreppe bis zum Flamingo an uns vorbei und werden als das erkennbar, was sie sind: sinnloser Trash. Umso greller scheint der im aggressiveren “Dead Mall Remix” durch das Duo selbst.


Video: Tempers feat. Rem Koolhas – Love at the Mall (Tempers Dead Mall Remix)

Für Goethe war Architektur gefrorene Musik. Die Tempers gehen den entgegengesetzten Weg. Statt einzufrieren tauen sie auf, die Klänge funktionieren dabei als akustische Mikrowelle. Dieser hintersinnige Ansatz funktioniert auch deshalb so gut, weil die Band hochkarätige Partner an Bord hat. Als besonderen Twist binden sie auf dem Album Architekturtheoriker Rem Koolhaas nicht nur als Ideengeber ein, sondern lassen ihn auch zwischen den Songs zu Wort kommen. Mit seinem holländischen Akzent und seiner ironischen Diktion unterstreicht er die Doppelbödigkeit des Ansatzes. Nicht weniger wichtig für das Album war Katja Eichinger, die mit dem Duo das gesamte klangliche und visuelle Konzept entwickelte und nicht zuletzt den jungen MusikerInnen die Portion Selbstvertrauen einimpfte, die man für ein so außergewöhnliches Projekt braucht. Natürlich möchte sie die Band auch dem deutschen Publikum vorstellen. Deshalb habt ihr im Januar und Februar die seltene Gelegenheit, die Tempers auf ihrer Deutschlandtournee zu erleben.

Tempers auf Tour
29.01 Café Glocksee, Hannover, GER
30.01 Hafenklang, Hamburg, GER
31.01 Kantine am Berghain, BERLIN, GER
02.02 Supersonic, Paris, FR
04.02 The Waiting Room, London, UK
06.02 Zukunft, Zurich, CH
07.02 ISC club, Bern, CH
08.02 Vera, Groningen, NL
09.02 Grauzone Festival, The Hague, NL
13.02 DK Luksus, Wroclaw, PL
14.02 Dom, Lodz, PL
15.02 Chmury Club, Warsaw, PL
16.02 Control Club, Bucharest, RO
17.02 Cluj-Napoca, RO
19.02 Café v Lesse, Prague, CZ
20.02 Rote Sonne, Munich, GER
21.02 Scheune, Dresden, GER
22.02 Nachtleben, Frankfurt, GER
23.02 Tsunami Club, Cologne, GER

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine Medienpartnerschaft.

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