Die schönen Dinge dauern leider meistens zu kurz, so auch das GROOVE-Praktikum von Johann Florin. Johann kam als vergleichsweise unbeschriebenes Blatt zu uns. Anders als die meisten Praktikant*innen in unserer Redaktion hatte er weder ein Studium absolviert, noch war er vorher im Journalismus oder im Musikgeschäft tätig. Dass er aber ein ausgeprägtes musisches Empfinden hat, spürten wir an dem Einfühlungsvermögen, mit dem er sich den unterschiedlichsten Spielarten der elektronischen Musik näherte und diverse Trackpremieren verfasste. Erste Feature-Gehversuche unternahm er mit seinem DJ’s DJ über Kruder & Dorfmeister, sein Gesellenstück ist ein Feature über Jeff-Mills-Zögling Byron the Aquarius.

Nach zwei Monaten verließ uns Johann schon, um im Winter sein Soziologie-Studium beginnen. Aber man sieht sich im Leben immer zweimal – bei Johann fand die Wiederbegegnung mit der Groove schon erfreulich bald statt. Er kehrte nach dem ersten Semester zurück in die Redaktion, um den dritten Monat seines Praktikums zu absolvieren.

Mit der Routine des Senior-Praktikanten verfasste er komplizierte Advertorials schulterte die übliche News-Last spielend. Für seinen Abschieds-Roundtable hat er eine Reihe höchst origineller Platten ausgewählt. Und es gibt noch einen anderen Beitrag von Johann, auf den ihr euch freuen könnt: Am 14. Mai erscheint sein Feature über Galcher Lustwerk, für das er Galcher im Chat interviewte.

Ajukaja & Ats – Signal EP (MIDA)

„Signal”

Alexis: Es fängt ganz gut an: Fluffig produzierter Halftime-Minimal House mit reduzierten Pads. Mit wem haben wir es bei Ajukaja & Ats zu tun, Johann? 

Max: Erzähl’ uns dazu mal ein wenig. Mir weitestgehend unbekannt, der Act.

Johann: Ajukaja heißt mit bürgerlichem Namen Raul Saaremets. Der Künstler kommt aus Estland und ist dort schon seit Jahrzehnten eine gefestigte Größe. Die Signal EP ist zusammen mit einem befreundeten DJ, Ats, entstanden. Im Gegensatz zu Ajukaja ist das aber Ats’ bisher erste Veröffentlichung.

Max: Diese Pads gehen immer, erinnern mich ein wenig an Lo-Fi-House und 808 State gleichermaßen.

Alexis: Jetzt kommen interessante, spielerische Fanfaren-Töne dazu. 

Johann Wie surreale Tiergeräusche.

Alexis: Das Ganze verzichtet auf Bass-Power und will keine Schlacht im Loudness-War schlagen, klingt zart, aber nicht schüchtern. 

Johann: Die obskure Disharmonie irritiert angenehm und fasst sich schön in die Klanglandschaft ein.

Max: Gehe da mit, fand’s schön zu hören. Der Seetaucher von 808 State durch den elektronischen Reißwolf gezogen? 

„Swim”

Max: Jetzt plätschert die 303 in Ansätzen, wenn ich nicht irre.

Johann: Der Titel gefällt mir am besten, weil er auf so originelle Weise melancholisch wirkt.

Alexis: Stimmt, ein gelungenes Spiel von Dissonanz und Harmonie. Jetzt eine Breakbeat-Nummer, reduzierter Trip-Hop mit Braindance-Anleihen 

Max: Tatsächlich klingt das wieder nach Strandkulisse, melancholisch ist ein gutes Stichwort.

Alexis: Komplex, aber nicht vertrackt, die Streicher-Spur schwillt an, dann verschwindet sie wieder. 

Max: Trip-Hop, wirklich? Ich kriege leichte Maribou-State-Assoziationen, wenn die noch jemand kennt. 

Johann: Stimmt, nur irgendwie ungezähmter.

Max: Weniger formalistisch, der musikalische Sonnenuntergang ist hier nicht nur Selbstzweck.

Johann: Vor allem im Sounddesign erinnert es mich ein wenig an Pender Street Steppers.

Max: Stimmt! An dieses Tape-Release von vor sieben Jahren oder so: Life In The Zone.
Das ist die erste betont Club-externe Platte im Roundtable seit Langem, oder?
Sehr schön jedenfalls.

Alexis: Eine Beat-Miniatur mit Humor und Tiefe, für einen einzigen Takt groovt das Drumming plötzlich doppelt so schnell. Dann sorgen Streicher und Chords wieder für Ernst und Pathos.  

„Lock”

Max: Ich warte irgendwie auf die Kick, die deutet sich aber nur zahm an. Bzw. kommt überhaupt nicht. Muss ja ehrlich zugeben, dass ich Estland so gar nicht auf dem Schirm habe, diese Musik hätte ich aber nicht erwartet.

Johann: Ich finde die EP vor allem deshalb toll, weil sie so subtil emotional ist. Dabei frage ich mich die ganze Zeit, welche Gefühle sie wohl übermittelt. Irgendwie außerweltlich.

Alexis: Jetzt werden die beiden noch ein bisschen experimenteller. Hier eine Hi-Hat, da ein einzelner verlorener Chord. Ab und zu versucht ein Drum-Pattern Dichte zu erzeugen, vergeblich. 

Max: Simpel gemacht, aber sehr wirkungsvoll.

Alexis: Erstaunlich unbeliebig die Platte. 

John FM – American Spirit EP (XL)

„February”

Alexis: Wir haben es hier mit einer Wiederveröffentlichung zu tun.

Max: Ah ja. Kenne John FM vorrangig aus diesem Track mit Omar-S:

Max: Spannendes Video damals, weil amateurhaft gefilmt, aber interessant choreografiert.

Johann: Hammer Einstieg, finde ich. Da kriegt man richtig Lust auf die EP.

Max: Krass, das hätte ich null erwartet. Bisschen wie Kelman Durans Reggaeton-Kunst. Die Vocals stammen von ihm selbst, nehme ich an?

Johann: Ja, genau. Das Musikvideo zum Track wurde übrigens auch von Omar-S gedreht. Auf einem gemeinsamen Tagesausflug nach Dayton.

Max: Hallt ganz gut und klingt irgendwie etwas flach produziert. Das scheint aber auch zum Markenkern zu gehören.

Alexis: Die Platte beginnt mit einem eigenen A-Cappella-Rap, der eine bestimmte Brüchigkeit erzählt. Ähnlich fragil ist auch der Groove, dessen schepperndes Drumming sich zu einem überraschend zwingenden Funk formt.  

Max: Wohin zwingt er dich? Ui, schon vorbei, Kurzweil ist angesagt.

„Holster”

Johann: Jetzt wird es organischer mit dem Bariton-Saxophon und den losen Drums. Trotzdem schöpft der Track viel aus dem Spiel mit den Samples im Hintergrund.

Max: Er ist schon ein ziemlicher Souler. Interessantes Stimmvolumen, das er aufbietet.

Johann: Finde ich auch. Er schafft es gut, den Soul in die Gegenwart zu transportieren, ohne kitschig zu werden.

Max: Die Vocals sind nicht komplett an der Oberfläche, bewegen sich aber schon eher über der Musik. Leicht verwaschen, aber stimmig. Daran schreit alles nach Daydrinking.

Alexis: Die Nummer setzt stilistisch ganz anders an, der Dancefloor, auf den der andere Track trotz seiner Zurückgenommenheit treibt, ist vergessen. Lose Percussions hier, ein gejamtes Vocal dort. Das klingt spontan, und doch erstaunlich konsistent. Jetzt noch ein Saxophon-Solo, das sich den Klischees entzieht.

„Interim”

Alexis: Ein interessantes Zwischenspiel mit unerwartet beißenden, klirrenden, elektronischen Sounds. 

Lockjaw (7 Deadly Winnin’)

Johann: Jetzt wird’s düster. Da muss ich sofort an Galcher Lustwerk denken.

Alexis: Jetzt rappt, oder besser: flüstert er durch den Vocoder. Ja, es galchert.

Johann: Wie aus Kübeln.

Max: Das ist ja nicht er, sondern Featuregast L, oder?

Alexis: Stimmt. Dazu gibt ein rumpelnder Bass den Takt an. 

Johann: Eine grobschlächtig aufgeladene Bassdrum, die jedoch trotzdem agil bleibt. Der Groove ist sehr cool, finde ich.

Max: Von wann ist die denn ursprünglich?

Johann: Wusste ehrlich gesagt nicht, dass das eine Wiederveröffentlichung ist.

Max: Der Beat ist ja eher nicht Galcher, und rappen können andere auch. Also, ich meine: Ein House-Groove findet sich hier ja nur angedeutet.

Alexis: Aber nur wenige wie Galcher. Ja, die Kunst der Suggestion ist hier am Werk 

„Forever”

Max: So schlimm, wenn das Wort „Spaghetti” gerappt wird, muss ich bis heute an Eminem denken. – Danke für nichts, Mr. Matters.

Alexis: Jetzt sind wir wieder im A-Cappella-Modus, Streicher und Piano deuten Soundtrack-Klangfarben an.

Max: Ah, Autotune!

Johann: Leider kann ich mit Autotune immer noch nichts anfangen – kann das kaum hören. Der Track an sich ist aber super. Mir gefallen besonders die Strings.

Alexis: Ein kleiner Ausflug ins Kitschige 

Max: Haha, ich find’s cool. Da treffen sich Kanye und James Blake.

Alexis: Aber so verloren wie das hier klingt, ist es eigentlich nicht kitschig. Ein einsamer Dialog eines Rappers mit zwei Sampling-CDs. 

Max: Oh, jetzt peitschende Claps. Erstaunlich experimentell. Aber ein arg abruptes Ende.

Forever (AceMo Live Forever Mix)

Hier haben wir leider kein Hörbeispiel gefunden.

Max: Der erste wirkliche Clubtrack. 

Alexis: Jetzt greift AceMo in seine Breaks-Kiste und liefert einen ziemlich stereotypen, um nicht zu sagen langweiligen Remix.

Johann: Ja, ziemlich nichtssagend. 

Max: Toller Aufbau der EP jedenfalls, am Schluss eine Mischung aus Breaks mit Trap-Anleihen.

Johann: Das stimmt. Trotzdem finde ich die erste Hälfte um einiges interessanter.

Max: Na ja, klar ist es die Breaks-Kiste, insgesamt finde ich’s aber durchaus solide. Das Vocal, das das Original beendet, bekommt jetzt deutlich mehr Raum. Keine verkehrte Entscheidung. Trotzdem etwas weird, da wird viel auf einmal abgegriffen.

Pessimist – All Hope Is Lost EP (Berceuse Heroique)

„Empty Words”

Max: Von zwei kontemplativen Nummern jetzt in die räudige Bristol-Peaktime.

Johann: Toll, wie sich die Sounds ineinander morphen. Das klingt so wahnsinnig weit.

Alexis: Der Mann aus Bristol versetzt uns in die düstere, bedrohliche Welt des Drum’n’Bass. 

Max: Krass auch: Klingt auf der Redaktionsanlage erstaunlich gut. Da gab’s schon ambivalentere Klangerlebnisse. Dieses Pendeln zwischen Ekstase und bedrohlicher Ruhe beherrscht Pessimist eh wie kaum ein Zweiter.

Johann: Die Tracks von Pessimist hören sich aggressiv, aber trotzdem irgendwie wohltuend an.

Max: Guter Punkt. Aggressivität, die sich aber in feinster Manier hochschaukelt.

Alexis: Ja, diese matten Klangfarben, die er meist nutzt, sind schön. Das schafft ein Gegengewicht zur Aufgekratztheit der Grooves. 

Max: Dieses Unheimliche hatte er ja zwischendurch, beispielsweise als Soft Boi, etwas abgelegt. Hier ist die Grundstimmung aber schon wieder betont düster.

„Nothing Positive”

Max: Das ist mein Favorit der EP, weil sich da die Lust auf Melodie von Soft Boi und das Dreckige, das Pessimist ausmacht, ganz gelungen verbinden. Diese Vocals gab’s früher ja nicht.

Johann: Ich schließe mich dem total an. Auf jeden Fall mein Lieblingstrack. Wie Pessimist es schafft, diese krachigen Drums so angenehm rund klingen zu lassen.

Alexis: Diese fauchenden, gefilterten Fanfaren und die verhallenden Stimmen sind Drum’n’Bass der Optical-Schule aus den späten Neunzigern  

Max: Und: Hier würde ich das Trip-Hop-Etikett anbringen. Da klingen Massive Attack und Portishead schon deutlich durch.

Johann: Bei den Vocals aber ein bisschen masochistisch sich das allein anzuhören. „Nothing Positive” – Selbstkasteiung mit Pessimist.

Max: Immer.

Alexis: Dubstep auch, in der Art wie Drum und Bässe hier sediert sind. Statt nach vorne zu preschen, stampft man hier auf der Stelle. Depression hochenergetisch. Und da ist das Fade-out, schnell und plötzlich.

Max: Mit genialen Horns.

„Dem Control”

Max: Jetzt wieder eerie.

Johann: Zehn Jahre nach der Apokalypse.

Max: Und auch eher toolig, um noch einen geilen Dance-Music-Anglizismus einzustreuen.

Johann: Auf jeden Fall eher toolig, finde ich auch.

Alexis: Eerie, wie die Effekte mit dem Sample abreißen. Eine säurezerfressene Welt modelliert Pessimist hier. Sie macht seinem Namen alle Ehre.

Max: Habe unter seinem Hit Balaklava mal einen YouTube-Kommentar gelesen, dass das der Sound ist, zu dem sich der Predator aus Alien vs. Predator fortbewegt. Das trifft hier auch zu. Auch wenn der kein Englisch kann.

Johann: Passt gut.

Max: Wie im ersten Track ist das helle Drum-Machine-Sample der Fixpunkt. Sind das Möwen? Bristol usw.

Alexis: Der Genre-typische Fetisch für die Tonspuren grenzwertiger Hollywood-Produktionen ist bei ihm sehr ausgeprägt.

„We Did It”

Johann: Das hört sich nach zerlegten Hip-Hop-Breaks an. Ein schöner, stolpernder Groove.

Max: Stimmt. Ich assoziiere damit allerdings auch eine sezierte Art von Reggae. Was mich irgendwie wieder zu Kelman Duran bringt. Allerdings nur, was den Beat anbetrifft. Musikalisch ist es dann doch zu bombastisch.

Alexis: Ja, auf jeden Fall deconstructed. Musik für Menschen mit masochistischen Tendenzen. 

Max: Haha, würde ich an seiner Stelle in meine Insta-Bio aufnehmen.

Johann: Haha. Ui, jetzt kommt nochmal Aufwind. Der Bassteppich gewinnt an Höhe.

Alexis: Jetzt kriegt der Bass nochmal richtig Zug. 

Max: String-verliebt ist er auch ein wenig, solange sie seinen dunklen Machenschaften dienen.

Alexis: Puh, die Trommelfelle bedanken sich. Aber Jammern ist hier nicht angesagt. 

Syzygy Vs Luke Warmwater Vs Fluid ‎– Tri-Phase EP (Kalahari Oyster Cult)

Max: Ich finde ja dieses “Vs.” immer geil. Erinnert mich an meine erste Scooter-LP von 2004 oder so. (Bei der ist es dann auch geblieben). Johann, erklär’ uns die EP.

Johann: Die Platte sieht aus wie eine Compilation, tatsächlich aber steckt hinter jedem Track derselbe Musiker. Dominic Glynn heißt der Gute mit bürgerlichen Namen. Meines Wissens nach sind die Tracks alle in den Neunzigern in London entstanden. Die ersten beiden Titel wurden aber nie veröffentlicht. Glynn ist eigentlich Komponist für Film- und Fernsehproduktionen. Von ihm stammt lustigerweise auch der Soundtrack für die 23. Staffel von Doctor Who. Syzygy ist ein Projekt von Glynn in Zusammenarbeit mit Justin Mackay. Beide haben in den Neunzigern aus London heraus operiert.

Max: Ok, das ist umfangreich. Heißt: Hier wird mit und gegen sich selbst gekämpft.

Johann: Das stimmt. Ein schizophrener Kriegszug.

Syzygy – Little Pieces Of Love

Max: Diese Patina schon, das klingt so oystercultig. Aber am guten Ende des Trance-Spektrums.

Johann: Ja, sehr tranciger Einstieg.

Max: Muss man dem Label definitiv lassen: der Sound ist wiedererkennbar.

Alexis: Hier befinden wir uns am hinteren Ende vom Trance in der Mitte der Neunziger 

Max: Obwohl in dem Fall schon noch eine Nummer tranciger als, sagen wir mal, die Eversines aus dem letzten Jahr, die ich genial fand. Ohne Open Airs macht das nur begrenzt Sinn. Liegt vielleicht aber auch an der Auswahl, die mich auf sowas nicht vorbereitet hat.

Johann: Das verstehe ich. Ich dachte, ich mache es vielseitig. Trotzdem mag ich bei diesem Track das gekonnte Zusammenspiel von feuchten Synths und extrem trockenen Drums.

Alexis: Jegliche Anflüge von Mills-schem Purismus werden einem hier nach allen Regeln britischer Progressive-Kunst mit cheesigen Synths und kitschigen Melodien ausgetrieben. Aber mit üblem Trance, etwa der MFS-Schule, hat das nichts zu tun. Das ist beschwingt, humorvoll und charmant.

Max: Zieht schon gut an, ich würde mir zu dem aber eine Pause gönnen. Wie meinte Ian Pooley mal im Interview: „Trance-Platten sind doch cheap thrills.

Johann: Haha. Ich finde auch, kitschig, aber humorvoll, trifft es.

Max: Aber es steigert meine Festival-Lust trotzdem ins Unermessliche, das gebe ich unumwunden zu.

Alexis: Auf jeden Fall eine Entdeckung, die Nummer. 

„Syzygy – Luminous (4 AM Mix)

Alexis: Jetzt nochmal Sci-Fi-Pathos im Sample, wenig später quietschen die Synths. Dann ein einpeitschendes Progressive-Riff, labyrinthisch und geheimnisvoll.

Johann: Mein Lieblingstrack der Platte. Da ist echt viel Engagement und Druck dahinter, trotzdem schaffen die Drums einen zurückgelehnten Groove.

Max: „4 AM Mix” trifft’s.

Alexis: Cheesy auch das, aber Käse kann nun mal auch sehr appetitlich sein.

Max: Liegt, wie gesagt, wohl auch an der Auswahl, dass mich das nicht so abholt. Vorher war’s ja doch eher ernst, die Umstellung fällt mir schwer.

Alexis: Wir arbeiten hier streng nach Alphabet. Das hat Energie, ist dennoch trippig und durchlässig. 

Max: Da gehe ich mit.

Alexis: Lässt keinen Schnörkel aus, hat trotzdem Struktur. 

Max: Diese Glöckchen sind so infantil, ich weiß nicht. Aber vielleicht bin ich auch nur der Teilzeit-Grinch gerade.

Alexis: Will von Octo Octa und Eris Drew gespielt werden. Jetzt Gute-Nacht-Lied mit Glöckchen.

Luke Warmwater – And It’s Wonderful

Alexis: Jetzt noch ein schon veröffentlichter Track.

Johann: Die Nummer ist jetzt direkter. Nicht mehr so viel Weite und weniger Schnörkel. Daran gefällt mir besonders die 303. Ich mag dieses Frage-Antwort-Spiel im Pattern.

Alexis: Ja, geht nicht so in Breite. 

Max: Den finde ich wiederum angenehmer. Aber der Käse, um ihn Alexis’ Bild zu bleiben, ist irgendwie zu lang gereift.

Alexis: Aber auch hier kommen die Schnörkel. Warum gehören zu Trance diese kurzatmigen, hüpfenden Grooves? Mehr als ein Vierteljahrhundert alt ist das. 

Max: Warum? Ich denke, dass das Stichwort Aufmerksamkeitsspanne ist.

Alexis: Na ja, ist zum Mixen gemacht. Wobei hier ja viel passiert.

Johann: Ja, ich finde, viel kann man bei der Musik nicht sagen. Trotzdem hat sie einen Spaßfaktor, dem ich mich nicht entziehen kann.

Fluid ‎– The Man With Three Heads

Alexis: Trippige verspielte Breakbeat-Jams, die vielleicht an Orbital erinnern. Oder auch an The Orb. An letztere die gesamplten Drum-Sounds. Wo Pessimist die Dramaturgie der Hollywood-Soundtracks auf die Spitze treibt, wird hier ein humoriger Ton angeschlagen.  

Max: Sci-Fi-Anleihen mit einer überraschend dunklen Piano-Line.

Max: Aber ja, ich würd’s sofort im UK verorten. Gut, wenn noch auf irgendwas Verlass ist.
Gefällt mir schon, viel Substanzielles habe ich aber leider nicht beizutragen.

Alexis: Mit seinen 8:56 durchaus ausladend 

Max: Ausgeladen!

Johann: Würde auch sagen, der ist als trip-hoppiger Rausschmeißer konzipiert worden.

Max: Ich verstehe euer Verständnis von Trip-Hop nicht.

Telephones – Tempo Tiempo Trax 1 (European Carryall)

Blue-Tek (Raw Mix)”

Johann: Die Tempo Tiempo Trax werden eine neue Reihe von Telephones. Ich hoffe es zumindest. Wobei man wahrscheinlich lange auf Nachfolge-Erscheinungen warten muss. Seinem Veröffentlichungstempo zufolge lebt er ja eher nach dem Motto „Qualität statt Quantität”.

Alexis: Ein ungewöhnlich schneller House-Track, der mit seinem schwerelosen Sound und verspielten Melodien auch an Ajukaja & Ats erinnert. 

Max: Schön! Ich höre da DJ-Assault-Vibes raus. Haha, so gehen die Meinungen auseinander.

Johann: Stimmt, Ghetto-House-Reminiszenzen.

Alexis: Assault mit Gerd-Janson-Vibes. Null Aggro.

Johann: Die Drums sind hammer. So schön knackig.

Max: Ein Chord legt sich stilsicher über den nächsten, jetzt will er wo hin.

Alexis: Unkompliziert, trotzdem mitreißend. 

Max: Schöne, schlampige Hi-Hats drunter, ich mag’s.

Johann: Ja, sehr funky, aber dennoch geradlinig. 

Max: Könnte meinetwegen ewig so weiterlaufen. Wirklich lieb, der Track. 

„Blue-Tek (Dream Reprise)”

Johann: Jetzt nochmal eine verträumte Variante.

Alexis: Hier nimmt er die Hook des ersten Tracks nochmal etwas anders auf, ein Nachhall. 

Johann: Klassisch noch den Low-Pass-Filter integriert.

Max: Wollt’s gerade schreiben, hier wird gefiltert. Kann mich nicht entscheiden zwischen den beiden. Wieder mal gut zu beobachten, was eine Kickdrum ausmacht. Oder eben nicht.

„FV555 (Arkanoid Dusk Mix)

Max: Wer ist Arkanoid? 

Johann: Ich glaube, das ist nur die Bezeichnung für den Mix. Jetzt wird’s ruhiger. Trotzdem ist aber noch das titelgebende Tempo drin.

Alexis: Auch hier ein schöner Kontrast zwischen einer geloopten, moody Soundscape und einem zackigen Groove.

Max: Eine Spur langsamer als die anderen beiden, ehrlicher Spaß-House.

Alexis: Dann schleichen sich die Streicher an.

Johann: Mit den Flächen und den blubbernden Synth-Effekten schafft er eine verträumt-vernebelte Atmosphäre, die aber durch die druckvolle Bassdrum gestützt wird. Das ergibt, finde ich, einen sehr dichten Sound, der trotzdem Raum schafft.

Max: Gehe ich mit, euphorisch und charmant-zurückhaltend gleichermaßen.

Johann: Charmant passt sehr gut.

Alexis: Kommt zur Ruhe, ohne die Energie zu verlieren. 

„V555 (Sueñotechno Reprise)”

Max: Für die Nicht-Spanier: Es geht um Schlaf-Techno.

Johann: Wieder eine Traum-Variante.

Max: Nähert sich im Sounddesign ein wenig DJ Python an – in der Prä-Mas-Amable-Zeit.

Alexis: Auch hier eine Reprise, bei der der Groove ein wenig gedämpft klingt und die Sounds leicht trippig.

Max: Schöner Kontrast, den der Track aufmacht. Technoid wie kein anderer der Platte, dennoch zurückgenommen.

Johann: Ja, ein gelungener Ausstieg – und gute Nacht!

Alexis: Ein perfekter Schlussakkord für diesen abwechslungsreichen Roundtable.

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