Ist es durch den Hype schwer geworden für kleine Labels?
Es kommt drauf an. Man kann sich nicht mehr allein auf die Musik stützen. Das beste Beispiel war DJ Boring mit „Winona“. Der Track war ein Paradebeispiel in Sachen Marketing, erst auf Youtube dann auf Platte. Die Platte wurde sehr oft verkauft, doch viele unserer Kunden haben lieber die Finger davon gelassen, einfach weil dieser Track eben so gehypet wurde. DJs, die einen besonderen, eigenen Sound haben wollen, kauften die Platte nicht. Dem Label hat zumindest dieser Hype sehr geholfen.

Werden Genres außer House und Techno in Berlin stiefmütterlich behandelt?
Es geht. Das Gretchen macht seit 6 Jahren immer Drum’n’Bass-Partys. Im Watergate gab es früher auch Drum’n’Bass-Partys. Punktuell gibt es diese Veranstaltungen. Aber die erfolgreichste elektronische Tanzmusik wird immer House und Techno bleiben, ganz einfach weil es in diesem BPM-Bereich am einfachsten ist zu tanzen. In der Geschwindigkeit kann sich jeder Dödel bewegen. Deswegen sind viele Dubstep-Produzuenten irgendwann zu Techno übergegangen.

Wie wählt ihr aus, was ihr ins Regal stellt und was nicht?
Es muss mir gefallen oder ich muss es gut verkaufen können, obwohl letzteres immer schwerer abzuschätzen wird. Und es gibt Künstler und Labels, die einfach gute Arbeit machen. Pampa und Smallville sind solche Labels. Die machen schon lange solide Veröffentlichungen und verkaufen sich auch immer wieder gut.

Ihr hattet schon über 200 DJs bei Instore-Gigs. Seit wann macht ihr das?
Wir haben immer schon Veranstaltungen gemacht, zum Beispiel im Club der Republik und DJs eingeladen, die bei uns eingekauft haben um Ihnen mal eine Plattform zu geben. Wir waren aber miserable Promoter und haben uns dann gefragt, wieso wir überhaupt eine Party woanders machen sollten, wenn wir dadurch viel mehr Aufwand und mehr Kosten haben. Also luden wir die DJs in unseren Laden ein, die meisten spielten umsonst und hatten Lust drauf.

Was erwartet uns bei der 15 Jahre Jubiläumsparty in der Renate?
Ich hoffe ein schöner Abend! (lacht) Wir haben ja immer Jahrespartys gemacht, außer letztes Jahr. Zum fünfzehnjährigen Jubiläum habe ich mir gedacht, dass wir etwas besonderes auf die Beine stellen müssen. Ich habe nur DJs gefragt, die wir persönlich kennen. Zu vielen besteht ein freundschaftliches Verhältnis, egal ob Labels oder DJs. Leider konnten auch ein paar nicht, da sie sehr beschäftigt sind. Ich glaube aber, dass wir trotzdem ein cooles Lineup haben. Mir war wichtig, dass alle Oye-Mitarbeiter spielen können und ansonsten sollen einfach alle zusammen sein und ich will alle DJs kennen um nach außen auch zu zeigen, dass wir ein cooles Lineup hinkriegen. Das Oye soll musikalisch widergespiegelt werden und ich glaube, das ist uns gelungen mit einer Mischung aus alten Hasen und jungen neuen Leuten. Entspannter Abend wie eine Family-Party.