Siehst du eine steigende Konkurrenz durch andere Plattenläden? In beiden Kiezen in denen die Oye Stores angesiedelt sind, Prenzlauer Berg und Neukölln, gibt es mehrere Plattenläden.
Man kennt und respektiert sich. Es besteht ein gutes Verhältnis und man schickt auch Kunden weiter zu benachbarten Läden- da gibt es gar keinen Beef, da man ja im selben Boot sitzt. Zur Konkurrenz kann ich sagen, dass der Prenzlauer Berg ziemlich ausgedünnt ist. Es gab dort mal wesentlich mehr Läden. Bass Cadet (Plattenladen in Neukölln, mittlerweile geschlossen, Anm. d. Red.) war ein Laden in dem wir auch eingekauft haben und andersherum. ich würde fast sagen, dass ein freundschaftliches Verhältnis bestand. Leider lief es bei Bass Cadet aus diversen Gründen nicht mehr. Mit Soul Trade (Plattenladen im Reuterkiez Anm. d. Red.) gibt es relativ wenige Überschneidungen. Viele Leute kommen vom Hard Wax oder gehen nach uns da hin. Mit den Leuten vom Hard Wax habe ich auch ein super Verhältnis. Wir tauschen uns immer aus wenn wir uns sehen.

Wie kam es dazu, dass ihr einen zweiten Laden in Neukölln eröffnet habt?
Das ist ein bisschen auf meinem Mist gewachsen. Ich bin schon 2007 in die Gegend gezogen und lebe also schon lange hier. Den massiven Wandel habe ich auch mitbekommen und gemerkt, dass die Stammkunden im Prenzlauer Berg aus verschiedenen Gründen, sei es, weil sie älter werden oder die Familie kommt, wegfallen. Die Stammkunden wohnen jetzt hier in der Gegend, weil der Prenzlauer Berg nicht mehr bezahlbar ist. Im Endeffekt ist es auf die Gentrifizierung zurückzuführen. Die Frage war also Umziehen oder ein zweites Standbein eröffnen. Da der Laden im Prenzlauer Berg super ist, sehr guter Standort, bezahlbare Miete, bekannt bei Touristen, haben wir uns dafür entschieden einen neuen Laden aufzumachen. So haben wir es geschafft Stammkunden zu halten und sogar neue dazu zu gewinnen.

Kommen viele Touristen in die Oye Stores?
Die meisten Touristen kommen im Sommer. Von Mai bis August ist eine klare Touristenzeit. Ohne sie wäre es einfach schwierig, den Laden am Laufen zu halten. Allein mit Berliner Publikum wäre es wesentlich schwerer. Am meisten Touristen kommen zwischen Freitag und Montag. Mittlerweile ist es auch so, dass der Laden in Neukölln von Touristen besucht wird. Das ist an den Verkaufszahlen zu erkennen. Auch die Touristen kaufen vordergründig House und Techno, weil Berlin dafür berühmt ist.

Wie groß schätzt du das Problem der steigenden Mieten und der Verdrängung für Plattenläden ein?
Klar ist es schwer, bei den Mieten einen Laden zu finden. Ich sehe die Gefahr für neue und kleine Läden. Besonders jene, die sich auf auf ein bestimmtes Genre spezialisiert haben. Wenn die Läden nicht so breit aufgestellt sind und nicht so viele Platten haben, können sie nicht überleben. Die Frage ist auch eine strategische Entscheidung. Das erfolgreichste auf Vinyl sind im Moment Reissues. Zum Beispiel Afro verkauft sich super. Auch wenn lokale Kunden eher online kaufen oder second hand wird es schwer.

Hat sich etwas in den Verkäufen verändert?
Der Markt ist mittlerweile schwierig geworden. Man kann aufgrund der Qualität der Produktion nicht mehr sagen ob eine Platte Erfolg haben wird oder nicht. Es geht nur noch um Aufmerksamkeit und wer am lautesten schreit bekommt die meiste Aufmerksamkeit, was sich leider auf den Vinylmarkt auswirkt. Mit Box aus Holz haben wir vor etwa 4-5 Jahren mit schmutzigem sample-basiertem House, der sich von Minimal und Techno abwendet und soulful und Hip-Hop-affin ist, einen Zeitgeist getroffen. Damit konnte man zu der Zeit alles verkaufen. Und wie es eben so ist, wenn die Leute merken, was Erfolg hat, entstehen viele neue Labels, die genau denselben Sound machen und die Sache geht den Bach runter.

Wie schätzt du die Entwicklung des Musikmarktes, insbesondere in Bezug auf die Digitalisierung, ein?
Vinyl wird zu sehr gehypt und das Image zum Teil kaputt gemacht. Wenn beispielsweise Platten in Online-Shops zum zigfachen Preis verkauft werden, dann leidet darunter das Image. Der Trend, dass Leute einer Platte hinterher rennen oder einen Hype kreieren um eine Sache, finde ich negativ. Das MP3-Geschäft und das Internet haben uns eigentlich geholfen. Die Vereinfachung der Recherche, was Underground-Musik angeht, hat vielen Leuten eine neue Welt eröffnet. Es hat den Zugang zu Musik einfacher gemacht. Viele dieser Leute haben dadurch Musik entdeckt, die sie so gut fanden, dass sie in den Plattenladen gegangen sind und die Musik auf Platte gekauft haben.