5. Boston 168 – Phenomena Part 1 (Odd Even)

Wer den Output von Boston 168 in den letzten zwei Jahren verfolgt hat, dem werden die regelmäßig wiederkehrenden Stilmittel bereits aufgefallen sein. Auch auf der zweiten Platte für Odd Even bedienen sich die beiden Italiener erneut möglichst ausgedehnten Klangräumen, in denen sie fast schon sakral anmutende Synths aufbäumen lassen. Diese spontan klingenden Analog-Jams mit impulsiven Drums und einer guten Portion Acid sind solides Handwerk. Gleichzeitig erschöpft sich der prollige Charakter der Tracks in einer etwas kürzeren Halbwertszeit der EP. (Felix Hüther)

4. Dominik Eulberg – Bienenfresser / Blauracke (Apus Apus)

Diese Akkordfolge mal wieder! Manche nennen sie Bolero-Form, ein alter Freund von mir taufte sie „spanischer Jodler“, fast jeder denkt dabei an Flamenco und südliche Sehnsuchtsorte. Diesen tausendfach benutzten Harmonien nochmals Leben einzuhauchen ist nicht die leichteste Übung, Dominik Eulberg schafft es in „Bienenfresser“ aber grandios – vor allem dank ausgefuchsten Sounddesigns und eines seltsam eiernden Synthies, der die Flamenco-Wehmut gleichzeitig unterstützt und augenzwinkernd kommentiert. Der B-Track „Blauracke“ kommt bei so viel Grandeza dann nicht ganz mit – geschenkt. (Mathias Schaffhäuser)

3. Kapote – Temptation (Toy Tonics)

Gleich mit dem ersten Track, der das wunderbare Intro von Dexter Wansels „Sweetest Pain“ sampelnde Titelstück, hat Kapote hier alle Herzen gewonnen. Melancholischer Late-Night-Deep-House wie er sein sollte. Und auch das nächste Stück, das hypnotisch treibende „Curation“, macht alles richtig und ist bestens für den Peaktime-Dancefloor geeignet. Da macht es auch nichts, dass das angejazzte Schlussstück „Salvation“ dagegen dann etwas abfällt. (Tim Lorenz)

2. BNJMN – Black Coast (Tiercel)

„Black Coast“, die zweite EP auf BNJMNs Label Tiercel, steht wieder ganz im Zeichen der für den Briten charakteristischen grobkörnigen Analog-Wärme. „Nerves Force“ und „Escape Velocity“ überrollen dabei als prasselnde Percussions-Wellen, die sich im Zusammenspiel mit sphärischen Synthesizern zu energiegeladenem Bleep-Techno formieren. Im Titeltrack „Black Coast“ marschierte dann eine martialische Kick entschlossen durch analogen Sprühregen, während sich helle Glöckchen wie Irrlichter unter einer Synth-Fläche tummeln. (Elke Schlögl)

1. Dario Zenker – Trivin Fields (Ilian Tape)

Die erste Solo-Platte von Dario Zenker seit zwei Jahren legt mit „Trivin“ einen cineastischen Start hin, der in puncto Atmosphäre keine Wünsche offen lässt. Danach verteilt „Koraimer Bro“ mit seiner gebrochene Kick treffsicher ihre kurzen, kräftigen Schläge und wird mit euphorischen Pads zu einem gut gelaunten Techno-Stomper in klassischer Zenker-Manier. „To Feel Sweet“ schraubt erst verwaschen vor sich hin, bis Kick und Hi-Hats Programm machen. Hinter dem wohlklingenden Titel „Der Schlern“ verbirgt sich ein schöner, warmer Electrotrack, bei dem auch Ilian-Tape-Kollege Philipp von Bergmann seine Finger im Spiel hatte. (Elke Schlögl)