Alle Fotos: Salar Kheradpejouh
Zuerst erschienen in Groove 164 (Januar/Februar 2017).

DVS1 steht für Devious One. Hinterlistig ist der Produzent und DJ aus Minneapolis aber keineswegs, vielmehr sucht er auf weniger direkten Wegen den Nervenkitzel und die ständige Herausforderung. Zak Khutoretsky repräsentiert ein verstecktes, aber in keiner Weise randständiges Kapitel der amerikanischen Technogeschichte: die ehrliche Rave-Szene des Mittleren Westens mit ihrem schnellen Technosound und ihren gigantischen Lautsprecherwänden. Seit 20 Jahren als Soundnerd aktiv, brachten ihn Releases für Derrick May sowie Ben Klock nach Europa und spätestens 2014 wurde DVS1 durch den Hit „Black Russian“ zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Szene.

„Not a pro“, sagt Zak Khutoretsky zu mir und setzt sein breites, schelmisches Grinsen auf. Der Sicherheitsmann hat mich gefragt, ob sich Flüssigkeiten in meinem Gepäck befinden. Mist, denke ich und hole eine Wasserflasche aus meiner Tasche. „Mir passiert das auch ständig“, lacht er. Es ist Donnerstag. Der Flieger bringt uns zunächst nach Brüssel, von wo aus wir nach Gent fahren, wo Zak in einem Warehouse spielen wird. Bis er auflegt, dauert es aber noch etwa zwölf Stunden. Trotzdem ist Zak schon voll da und präsent, er scheint das Reisen zu genießen – die Bewegung, das Tempo, den Rhythmus. Es ist ein wenig wie das Auflegen: Der Takt steht fest, aber er kann auf jeden Beat anders reagieren. Heute hat er nur um die 50 Schallplatten in seiner Tasche. Wie viele er mitnehmen kann, hängt von der Fluggesellschaft ab. easyJet ist streng. Bei anderen Airlines sind es doppelt so viele, aber er kennt die Tricks, hängt sich eine zweite Tasche über die Schulter und hält sie aus dem Blickfeld des Personals.

Ausnahmsweise geht es schon morgen wieder zurück nach Berlin. Die Panorama Bar hat sich im Datum vertan und den Gig abgesagt und am Samstag sollte er im Fabric spielen. Das ist zurzeit geschlossen. Als DJ wird man eigentlich für das Reisen bezahlt, erklärt er mir, die Gigs spiele man quasi umsonst. Bald wird er in Georgien auftreten. Da muss er sich schon einen Tag früher auf den Weg machen, weil die Flugverbindungen so schlecht sind. Im Bassiani spielt er ein All-Night-Set bis morgens um neun. Um zehn geht es dann schon wieder zum Flughafen, denn er fliegt nach dem Gig am liebsten gleich wieder nach Berlin, wo er einen Zweitwohnsitz hat: „Ich liege dann lieber daheim übermüdet auf der Couch als in irgendeinem Hotel. Das ist was anderes, wenn man nicht allein reist.“ Alleine reist er nun häufiger, denn seine Frau und er haben sich nach 15 Jahren Ehe getrennt.

Zuvor ist er noch jede zweite Woche nach Minneapolis geflogen. Die meisten DJs haben Tourbegleiter, weil sie sich einsam fühlen, meint Zak. Er hat jemanden dabei, wenn er die ganze Nacht spielt: „Da will ich in meinem eigenen Headspace sein und nicht Leuten irgendetwas erklären müssen, wenn ich gerade auflege.“ Im Flugzeug setzt Zak seine schallunterdrückenden Kopfhörer auf und seine Augen fallen zu. Wenig später stürzen wir schon wieder durch einen Flughafen. Währenddessen erzählt der 40-Jährige, dass er keine Back-to-back-Sets mag. Anfragen lehnt er fast immer ab. So was ergibt sich am Ende einer Party oder es ergibt sich nicht. Mit Rødhåd spielte er back to back auf dem Weather Festival, das war unkompliziert. Ein anderes Mal mit Steffi. Sie hätten sich gegenseitig gut herausgefordert, ausschließlich Vinyl zu spielen. Sowieso teilen beide die Ansicht, dass es sich einige ihrer Kollegen mit den USB-Sticks etwas zu einfach machen.