Zuerst erschienen in Groove 169 (November/Dezember 2017).

Neulich fragte Levon Vincent auf Facebook, warum es in unserer Industrie eigentlich keinen „Producer of the Year“- Award gibt. Zunächst dachte ich: fair point. Bis ich feststellen musste, dass nur wenige Wochen nach Vincents Posting tatsächlich die ersten Electronic Music Awards stattfanden. In Los Angeles, produziert von Paul Oakenfold. Ausgezeichnet wurden etwa Eric Prydz als DJ des Jahres, Electric Daisy Carnival als bestes Festival und Cashmere Cat aus Norwegen in der Kategorie Produzent 2017.

Und ja, auch der Rest der Gewinner und Nominierten sind größtenteils Leute aus dem EDM-Sektor. Anders verhält es sich da bei den DJ Awards. Und trotzdem wird Vincent sicherlich etwas anderes im Sinn haben als eine selbstreferenzielle kommerzielle Show, die selbstreferenziell kommerzielle Dance Music prämiert. Doch genau das ist die Krux an der Sache: Die Frage ist nämlich nicht, ob es diese Awards gibt, sondern ob wir sie in unserer Szene überhaupt brauchen. Ignorieren wir mal den Fakt, dass Levon Vincent mit seiner Aussage darauf aufmerksam machen wollte, dass heutzutage untalentierte DJs die fette Kohle machen, während die begabten Producer eher leer ausgehen, und bleiben bei der Überlegung möglicher Awards.

DAFT PUNK Roboter regieren die Grammys

Es wird nicht lange dauern, bis man zur Erkenntnis gelangt, dass derartige Verleihungen zum Scheitern verurteilt sind. Bei Musikpreisen geht es letztlich meist um Popularität, nicht um Qualität oder gar Originalität, siehe die Grammy Awards. Und neben der Unmöglichkeit, innovative Produktionen gegeneinander abzuwägen oder gar zu definieren, stellen sich zudem noch die üblichen Fragen nach der „richtigen“ Jury-Zusammenstellung oder dem Umgang mit sogenannten Ghostproducern.

Nein, wir brauchen keine wie auch immer gearteten Awards. Salopp könnte man darauf hinweisen: Was im Underground passiert, bleibt im Underground – auch wenn wir natürlich alle wissen, dass das nur noch bedingt gilt. Preisverleihungen wären nur ein weiteres Indiz dafür, dass sich unsere Szene einmal mehr von ihren Ursprüngen und Werten verabschiedet. Remember: virtue is its own reward.