Fotos: Kathrine Uldbæk Nielsen
Zuerst erschienen in Groove 169 (November/Dezember 2017).

Es gibt viele junge, talentierte DJs. Aber kaum jemand verfügt über den Geschmack, die Energie und das Charisma von Helena Hauff. Hauff spielt alten, zerschredderten Electro von Drexciya oder Aux88. Dabei ist sie aber kein Retro-DJ. Kein Vinyl kann so zerkratzt sein, dass Hauff in den Tracks nicht doch die Popqualitäten aufspürt, die dieser Musik Momentum verleihen.

6. Belle Backerei & Kiosk

Das ist der Kiosk in der Straße, in der ich wohne. Er ist super spartanisch, aber essenziell. Der ist sehr wichtig für mich, ohne den würde ich nicht überleben. Mir geht es natürlich nicht um diesen Kiosk, sondern um Kioske allgemein. Egal wo ich wohne: Da muss immer ein Kiosk in der Nähe sein. Gerade wenn man von einer Reise spät nach Hause kommt und noch mal schnell ’ne Milch kaufen will. Und mit den Leuten vor dem Kiosk rumsitzen ist auch total toll.

5. Jahreszeiten Bar im Hotel Vier Jahreszeiten

Das ist jetzt das komplette Kontrastprogramm. Das ist wahrscheinlich das teuerste Hotel in Hamburg. Die haben so eine wirklich schöne, ganz alte Bar. Auf den Tischen stehen Schilder: Bitte keine Zigarren und Pfeifen rauchen vor zehn Uhr. Das beschreibt diese Bar ganz gut, die ist komplett oldschool, völlig aus der Zeit gefallen. Das ist ein Ort, an den ich jetzt nicht so oft gehe, aber selten bin ich da jetzt auch nicht. Weil es da toll ist. Das ist dann eher so für ein Getränk und nicht für zehn.

4. Henry’s Frühstücksstube

Die liegt direkt am Schlachthof. Du gehst so eine kleine Treppe runter. Vielleicht ist das der letzte Ort in Hamburg, wo du essen und rauchen darfst. Das ist nicht unbedingt erlaubt, aber es passiert. Für Vegetarier ungeeignet, da am Schlachthof. Da isst man Mettbrötchen mit mehr Mett als Brötchen. Und der macht wahnsinnig tolles Bauernfrühstück. Dann gibt es Klassisches wie Mettenden mit Grünkohl. Alles frisch und lecker und richtig gut gemacht.

3. Grete (Kulturverein)

Ich habe nur Orte ausgesucht, an denen ich sehr oft bin, und das ist einer davon. Das ist ein Hamburger Ding: Man verlässt nur selten seinen Stadtteil. Die Hamburger sind wahnsinnig faul, die bleiben eigentlich immer in ihrer Straße. Bei mir um die Ecke gibt es einen Kulturverein, der heißt Grete. Sehr engagiert, sie haben Duschen für Obdachlose, alles wahnsinnig sauber und schön. Ich gehe da eigentlich nur zum Biertrinken hin. Die haben auch keine Lizenz für Hartalkohol. Du kannst da auch deinen Kaffee trinken und im Sommer Tischtennis spielen, was ich auch super finde.

2. Zum Anker (Billardkneipe)

Diese Kneipe liegt direkt am Eingang der Herbertstraße. In der Herbertstraße sind Frauen nicht erlaubt, es sei denn, sie sind Prostituierte. In dieser Kneipe arbeitet eine ganz tolle Frau an der Bar, die ist echt lustig, aber auch wahnsinnig tough und hart. Ich bewundere die sehr. Ich habe keine Ahnung, wie man in so einer Spelunke da überlebt als Bardame. Da musst du schon ganz schön Haare auf den Zähnen haben. Aber sie ist immer wahnsinnig freundlich, wenn ich mit meinen Freunden dahin komme zum Billardspielen.

1. Bar 439

Das ist meine Lieblingsbar, die liegt in derselben Straße. Das ist eine total verrückte Bar mit einer total verrückten Bardame. Sie ist ein Paradiesvogel, und sie liebt Glitzer. Wenn ich dann morgens in den Spiegel schaue, habe ich immer Glitzer im Gesicht, in den Haaren und in der Tasche. Mir gefällt besonders, wie durchmischt das Publikum ist: Du hast Stammgäste, Leute aus der Nachbarschaft, Theaterleute, Musiker und manchmal auch junge Menschen. Das ist keine Hipster-Kneipe, aber auch kein Laden für Leute, die da schon immer waren. Da trifft sich alles, und das finde ich toll.