Zuerst erschienen in Groove 169 (November/Dezember 2017).

Anfangs war Special Request ein Hobby von Paul Woolford, eines, mit dem er sich den Rave-Sounds seiner Jugend widmete, irgendwo zwischen Nostalgie und gegenwärtigem Blickwinkel. Mit Belief System stellt der Produzent und DJ aus Leeds nur wenige Monate nach der furiosen Fabriclive-Mix-CD nun sein drittes Special-Request-Album vor. Das einstige Hobby ist zu Woolfords Aushängeschild geworden. Immer wagemutiger verwebt der Engländer harten Techno, Drum’n’Bass, Hardcore, Ambient, Rave-Euphorie und finstere Abgründe. So einige Elemente aus den sechs Lieblingsplatten, die er für uns ausgesucht hat, erkennt man wieder, wenn man das neue Album hört.

6. Space – Space (KLF Communications, 1990)

Ich war 16, als ich diese Platte zum ersten Mal hörte. Ich war von KLF besessen, wobei hinter Space wohl nur Jimmy Cauty steckt. Für mich fühlte sich diese LP sehr psychedelisch an, sie hatte auch etwas von Gothic. Und dann noch Science-Fiction, ich war in meiner Kindheit ein Fan. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich diese Platte beeinflusst hat. Ein absolutes Monster! Seitdem liebe ich das, was wir Ambient nennen.

5. Mondeé Oliver – Stay Close (Gherkin, 1989)

Das erste Mal habe ich diese Platte beim Piratensender PCR Radio gehört. „Stay Close“ ist gleichzeitig lasziv und subtil, das Stück hat genau diese nächtliche Stimmung, die Larry Heard so gut einzufangen vermochte. Ich finde, das ist eines seiner Highlights. Jahre später legte Derrick Carter nach mir bei Back To Basics in Leeds auf. Als letztes Lied spielte er mit zwei Kopien den Dub von „Stay Close“, ich drehte völlig durch!

4. The Hypnotist – The House Is Mine (Rising High Records, 1991)

Das hier ist das Werk von einem Typen namens Caspar Pound und seinem Partner Peter Smith. Dies ist wohl meine liebste Platte von The Hypnotist. Durch sie wurde mir klar, was ein Track alles sein kann, so viele unterschiedliche Abschnitte, ein Riff des Wahnsinns nach dem anderen. Ein Trip! Diese Platte stachelte meinen Ehrgeiz an. Sie beweist, dass Platten ihr ganz eigenes Universum sein können, dass sie von A nach B über C gehen können.

3. Chemical Company – Tronic Equator (White Label, 1991)

„Tronic Equator“ ist ein gnadenloser Hardcore-Track, der auf den verschiedensten Rave-Mixtapes zu hören war. In Leeds gab es einige Läden, die Mixtapes verkauften, meist waren es Klamottenläden. Noch immer suche ich Platten von diesen Tapes. Die Leute damals traktierten ihr Equipment so hart, wie es ging, und warteten einfach, was passierte. Vielen der heutigen Platten fehlt, was dieser Track mit seiner lausigen Produktion hat: eine Idee.

2. Quando Quango – Love Tempo (Factory, 1983)

Derrick Carter machte mich 2001 oder 2002 auf diese Platte aufmerksam. Ich kannte diesen Sprechgesang bereits als Sample von einigen seiner Tracks. Eines Tages hörte ich ihn wieder bei Back To Basics spielen. Als er die Platte am Schluss auflegte, kam mir das wie ein sehr cleveres Resümee einer Party vor. Im Grunde ist „Love Tempo“ eine Pop-Platte, die in der New Yorker Danceteria landete und so zu einer Mark-Kamins-Clubversion kam.

1. Horace Andy – Money Money (Wackies, 1982)

„Money Money“ ist ein Stück von Horace Andys Album Dance Hall Style. Seine Stimme ist unwirklich. Und er singt über etwas, wozu wir alle in einer gewissen Weise einen Bezug haben: „Money, money, money … route of all evil.“ Ich habe immer das Gefühl, dass diese Platte zu jeder Tageszeit großartig klingt, und niemals unpassend. Auf diese Horace-Andy-Platte kam ich vor vielen Jahren, als John Peel sie auf BBC Radio 1 spielte.