Gibt es KünstlerInnen, die dich derzeit nicht nur in musikalischer Hinsicht begeistern?
Momentan gibt es eine Reihe von MalerInnen, die etwas ganz Neues machen, was ich großartig finde. Das ist unfassbar inspirierend, weil wir insbesondere in der Musik dieser Idee nachhängen, dass bereits alles gesagt und getan wurde, speziell in der elektronischen Musik oder im Rock. Die Malerei hingegen ist so viel älter, weswegen es es toll ist, MalerInnen wie beispielsweise Christina Quarles, Katharina Grosse oder Jordan Casteel zu sehen, die offensichtlich neue Themen und Ideen haben, was wirklich beeindruckend ist. Das bestätigt mich in dem Gedanken, dass wir uns heutzutage nicht mehr beweisen müssen. Denk an Aktivismus, etwa Feminismus oder die Schwulenrechtsbewegung. Das sind Menschen, die zu zeigen versuchen, dass sie im Recht sind. Sobald solche Dinge etabliert werden, können sie frei sein und die Diskussionen darüber werden unter ihren Bedingungen geführt. Ich denke ähnlich über elektronische Musik. Vor dreißig Jahren wurde bewiesen, dass sie Normalität werden kann. Jetzt leben wir in dieser Normalität und haben die Freiheit, alles miteinander in Beziehung zu stellen, wie wir es möchten.

Gibt es deiner Ansicht nach viele KünstlerInnen, die diese Freiheit ausnutzen?
Ein paar. Es war meiner Ansicht nach ein fantastisches Musikjahr. Es gab wundervolle Alben und EPs von KünstlerInnen, denen es nicht darum ging, einen bestimmten Stil zu verfolgen. Sie gehen stattdessen tiefer in sich hinein und erkunden, wer sie als Menschen sind. Leute wie Laurel Halo, Jlin oder die Lanark Artefax-EP, Beatrice Dillon – sie gehen ihren eigenen Weg und saugen dabei alles auf, was sie nur wollen. Ich denke, das ist das direkte Resultat davon, dass wir in einer Zeit leben, in der wir uns nicht mehr darum kümmern brauchen, welches neue Genre gerade angesagt ist. Das liegt glücklicherweise hinter uns. Stattdessen haben wir es mit Leuten zu tun, die produktive Communities bilden. Sie sind auf ihre Art sehr eigensinnig und ihre Arbeit legt davon Zeugnis ab. Das ist extrem inspirierend.


Stream: Beatrice Dillon and Call Super – Inkjet / Fluo (Snippets)

Wo du Beatrice Dillon erwähnst: Wie kam es zu der Zusammenarbeit für eure gemeinsame EP?
Wir sind gut befreundet und ich denke, dass wir einander respektieren. Meine Beziehung zu Objekt erstreckt sich auf jeden Aspekt unseres Lebens, unsere Arbeit mit eingeschlossen. Abgesehen von ihm gibt es jedoch sonst niemandem, mit dem ich zuvor zusammengearbeitet hätte. Es schien mir spannend, mit Beatrice zusammenzuarbeiten. Sie dachte genauso, weswegen wir es einfach getan haben. (lacht)

Wie gestaltete sich die Arbeit an der EP?
Sie hat mit einem Track angefangen, ich mit einem anderen, und dann ging es hin und her. Der Ablauf wurde ziemlich davon vereinnahmt, dass Hessle Audio Interesse anmeldete, nachdem unser erster Track fast fertig war. Wir dachten uns sofort: „Okay, wenn wir es bei denen veröffentlichen, brauchen wir noch einen Track, der irgendwie Dancefloor-orientiert ist“, weil Hessle ein Club-Label ist. Plötzlich gab es also diese Bedingung, unter der wir gearbeitet haben. Sollten wir in Zukunft noch einmal zusammenarbeiten, würde ich das gerne ohne jedwede Auflagen tun. Ein dermaßen festes Ziel vor Augen zu haben, ist für mich nicht interessant.

Welcher der Tracks war denn zuerst fertig?
Die A-Seite, „Injekt“. Ich meine, das ist eines der funktionalsten Stücke, die ich je gemacht habe. Was mich, warum auch immer, echt überrascht hat.

Könntest du dir vorstellen, das Studio mit jemandem zu teilen, mit dem du zusammen Musik machst?
Ich kann mir das vorstellen, aber in dieser Vorstellung sehe ich ziemlich unbehaglich und traurig aus. (lacht) Denn ich mag an dieser Arbeit den Aspekt der Einsamkeit. Auf eine Art gefällt mir das Auflegen deshalb, weil ich mir im Club gerne alleine vorkomme. Ich bin auf eine Weise in einer einsamen Welt groß geworden. Und ich denke, dass ich mich deswegen am wohlsten fühle, wenn ich in meiner eigenen Welt verloren bin. Wenn jemand anderes dabei ist, musst du dich nicht wohl fühlen, denn es herrscht auch ein zeitlicher Druck. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich jemand fragen würde: „Na ja, aber was für eine Art von Track soll das nun sein?“ Und für mich ist es nicht spannend, eine Antwort auf diese Frage abzugeben. Ich bewege mich am liebsten im Bereich des Zweideutigen. Das ist zu zweit schwierig.