Fotos: Dani Canto (DJ Seinfeld)

Vor ungefähr einem Jahr landete Armand Jakobsson seinen ersten, richtigen Hit. “U” wurde innerhalb kurzer Zeit auf YouTube so oft geklickt, wie es in der elektronischen Musikszene nur selten der Fall ist. Inzwischen hat der Track die halbe Millionenmarke erreicht und das, ohne überhaupt ein Clubhit gewesen zu sein. Aber er stand nicht allein. Der Track und DJ Seinfeld als musikalisches Phänomen mit lustigem DJ-Namen waren Teil einer Welle, eines Trends oder gar eines neuen Genres: Lo-Fi-House. Die Musik wurde nicht selten kritisiert, auch von der Autorin selber, aber ebenso viele Leute liebten sie. Mit rauschend-verzerrten Drums und vielen Vocal-Samples hat LoFi-Sound oft eine sehr direkte Emotionalität.

Die Diskussionen sind mittlerweile verebbt, da tritt DJ Seinfeld in Phase zwei seiner Künstlerkarriere ein: Er veröffentlicht sein Debütalbum Time Spent Away From U. Ein Bündel rauher Tracks voll klagender Soul-Divas, die die Geschichte eines Liebeskummers erzählen. Wir sprachen mit dem 25-Jährigen über den LoFi-Hype, seine plötzliche Bekanntheit und das Auflegen und Produzieren. Er zeigte sich ebenso direkt wie überraschend ehrlich.

 


 

Wie kam es zu deiner Zusammenarbeit mit Lobster Theremin?
Vor ein paar Jahren veröffentlichte ich eine Platte auf dem Label eines Freundes, Meda FuryRimbaudian-Alias. Mein Freund ist gut mit dem Betreiber von Lobster Theremin befreundet, Jimmy Asquith. Die beiden hatte immer schon den Plan, eine Art Kollaborationslabel zu starten. Und damit begann alles. Er wusste nicht mal, dass ich auch DJ Seinfeld bin. Irgendwann musste ich es ihm aber erzählen, weil er mir schon Nachrichten an eine Seinfeld-Seite schickte.

Er hat dich bei Soundcloud gefunden?
Ja, so fing das an. Ich habe mich gut mit Jimmy angefreundet, der Rest entwickelte sich danach.


Stream: DJ Seinfeld – U

Wie hat es sich für dich angefühlt, so schnell bekannt zu werden?
Es ist großartig. Es war schon furchteinflössend am Anfang – oder nicht furchteinflössend, es war etwas Neues. Aber weil ich schon so lange Musik gemacht hatte, habe ich wirklich nicht erwartet, damit irgendwie bekannt zu werden, weshalb es total unerwartet kam, was toll war. Die meisten Leute, die mit mir Kontakt aufnehmen, waren ziemlich nett und das bedeutet mir viel.

Leute, die du auf deinem musikalischen Weg kennengelernt hast?
Ja, aber auch Menschen, die meine Tracks bei Soundcloud oder YouTube kommentiert haben. Gemeinhin waren die immer super nett. Das ist ein schönes Gefühl natürlich, irgendwie komisch, aber gut. Ich bin sehr glücklich, dass es so gekommen ist.

Also hast du viel positives Feedback bekommen, aber weil du Teil der Lo-Fi House-Geschichte bist, blieb die Kritik nicht aus…
Yeah (lacht).

…was würdest du denen sagen?
Gar nichts. Ich nehme es nicht allzu ernst, was die Leute von mir denken. Lo-Fi ist nur etwas, auf das ein Label geklatscht wurde, wie auf meine Musik. Aber ich mache viel verschiedene Musik. Ich verstehe, warum die Leute Lo-Fi nicht mögen, oder zumindest den Namen Lo-Fi. Für mich bedeutet Lo-Fi nicht mehr, als dass es roh war. Es war nichts Neues. Das war, was die Leute schon lange vor meiner Zeit im frühen House und Techno mit billigem Equipment gemacht haben. Für mich bedeutete der Name nur eine Beschreibung des Sounds, aber mittlerweile ist es wohl mit ironischen DJ-Namen und dem ganzen Kram verknüpft. Ich persönlich kann mit keiner Kategorie sonderlich viel anfangen, weshalb ich die Kritik nachvollziehen kann, aber tief drinnen ist diese Musik nur für mich, Musik wie jede andere. Entweder du magst es – oder aber nicht.

Hast du dich als Teil von etwas verstanden, einer Gruppe, als du mit dem Produzieren anfingst?
Nein.

Wo kommt dann der Name DJ Seinfeld her? Das ist schon ein großer Zufall.
Weil es ein Zufall ist. Vor einem Jahr gab es diese riesige Kontroverse und viele Anti-Lo-Fi-Artikel. Ich erinnere mich daran, dass sie auf mich und DJ Boring und Ross From Friends zukamen. In meinen Ohren machen wir alle sehr verschiedene Musik und wurden nur als Lo-Fi-Producer abgetan. Der Name DJ Seinfeld kam nach einer Trennung zustande, die ich nicht gut verkraftet habe, weshalb ich mich in mein Zimmer zurückzog und jede Menge Seinfeld guckte. Ich nahm eine Pause vom Musikmachen und als ich wieder anfing, dachte ich mir: „Ok, ich will nur ein bisschen Spaß haben, mich selbst nicht zu ernst nehmen, gar nichts ernst nehmen außer der Musik“, warum es also nicht DJ Seinfeld nennen? Dann kam es nur zufällig, dass andere in diesem Genre oder wie auch immer du es nennen willst, mehr Aufmerksamkeit in den Medien bekamen und das alles. Bis dieser Artikel heraus kam, hatten wir kaum miteinander Kontakt.