Das vielseitige Konferenzprogramm bietet eine ebenso erschlagende Auswahl an. Ein Schwerpunkt ist in diesem Jahr die Erschließung neuer Märkte. So präsentiert sich beispielsweise China mit einem eigenen Pavillon, wo mit Talks und Foren Einblick in die dortige Musikindustrie gegeben wird. Spotlight-Thema war allerdings Marokko, das eine Vorreiterrolle in Sachen elektronischer Tanzmusik auf dem afrikanischen Kontinent einnimmt.

Bewegte man sich durch das Foyer des DeLaMar Theater, indem die meisten der Konferenzen abgehalten werden, ist man sich nicht immer ganz sicher, wer sich nun in welcher Ecke des überdimensionierten Begriffs “Dance Music” befindet. Bei Talks zu den Themen “New Business Models in the Digital World”, “Best and Worst of Being a Music Publisher in the 21st Century”, “Who Is Responsible for the Mental Health of an Artist?” und “Streaming Music, DJs and the Future of Indie Labels”, spürt man bei den Präsentierenden stark, dass es sich bei “Dance Music” zunehmend um Industrie und Gewinnmaximierung geht. Man bekommt den Eindruck, als ob manche VertreterInnen dieser Industrie vergessen, dass auch Musik eine Kunstform ist und dahinter Künstler stecken, die Maschinen bedienen, aber keine sind.

@amsterdamdanceevent: Groove X Magnet Musik Bash im @urbanears Hideout über den Dächern Amsterdams.

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Am Sonntagabend, mit bereits trägen Beinen und schon etwas müden Ohren, stehen dann noch die Brighter Days-Party im Claire Club auf dem Programm. Das ehemalige Studio 80 wurde seit dem letzten Besuch komplett renoviert und neu eingerichtet. Der ehemals dunkle ohne Schnickschnack auskommende Club versprüht nun eine warme Atmosphäre dank Kronleuchtern und Holzboden. Würden an diesem Abend nicht Vakula, Jamie 3:26, Kamma & Masalo, Kuniyuki Takahashi und Hunee auf dem Line-up stehen, könnte man fast denken, dass man sich in einen noblen Alt-Herren-Club verirrt hat. Das tanzwillige Publikum wird mit Disco-Stücken zuerst von Kamma & Masalo verwöhnt, die den Laden bereits vor 12 zum Kochen bringen. Für den Amerikaner Jamie 3:26 ist es eine dankbare Aufgabe, im Anschluss zu übernehmen.

Die Vorarbeit für Hunee, der Headliner des Abends, macht Kuniyuki Takahashi. Und er machte seine Sache hervorragend. Der aus Japan eingeflogene Produzent ist bekannt für detailverliebte Live-Sets mit Querflöte und Vocals. Dabei bewegt er sich auf grooveigen Pfaden zwischen House und Techno, was beim Publikum gut ankommt. Hunee seinerseits macht dann das, was er am besten kann: Er hüpft gekonnt durch verschiedenste Genres gestartet mit soulvollem Disco, House-Klassikern und hartem Techno. Selbst zu irritieren wusste der in Berlin lebende DJ. Ein experimenteller Drone-Track, auf den diffuse A-cappella-Schnipsel ohne Beat folgten, ließ kurzzeitig einige an die Bar verschwinden.

@amsterdamdanceevent: Die letzten Stunden des ADE mit @hunchmusic an der @brighterdays.amsterdam Party.

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Den facettenreichen Veranstaltungen des Amsterdam Dance Event gerecht zu werden ist sehr schwierig. Denn jeder stellt sein Programm anders zusammen und findet andere Orte, an denen er die Nacht verbringen möchte. So veranstaltete zum Beispiel auch der Club De School eine viertägige Party mit durchgehendem Programm, das keine Wünsche offen lässt. Oder Young Marco lud kurzerhand zu einer Safe Trip-Party in einer Holzbaracke mit Private Eye alias Interstellar Funk, Ben Penn und Max Abysmal, zu der gratis Burger gereicht werden. Oder… Die Liste geht ewig weiter: Rund 1000 Einzelveranstaltung werden an diesem Wochenende angeboten, darunter auch die ganz großen Stars. Denn was zwischen intimen In-Store-Gigs, Wall of Sound und Drone-Intermezzi weit entfernt scheint, das ist auf der anderen Seite des Amersterdam Dance Events knallharte Realität: Der „most popular DJ of the world” ist, wie bereits im letzten Jahr, ein gewisser Martin Garrix.