Foto: Florian Hetz (Honey Dijon)

Zusätzlich zu unserer ausgiebigen Honey Dijon-Titelgeschichte in der aktuellen Groove-Ausgabe hat sich die Produzentin und DJ, deren Best Of Both Worlds am Freitag erscheint, euren Fragen gestellt. Lest hier Honey Dijons Ask The DJ-Special!

 


 

Waren deine Eltern jemals auf einer deiner Partys?
Ja, waren sie! Meine Eltern lieben es zu feiern, da kommt all meine Energie her. Sie bleiben allerdings nie lange. Ich habe meiner Mutter aber sogar in der Smart Bar in Chicago eine Geburtstagsfeier geschmissen wo Derrick Carter und ich gespielt haben. Sie fanden’s großartig!

Welche fünf Dinge muss man unbedingt beachten, wenn man sich dran macht, die erste eigene Party zu schmeißen?
1. DER SOUND
2. SICHERSTELLEN, DASS SICH ALLE WOHLFÜHLEN
3. WISSEN, WIE DEIN PUBLIKUM MUSIKALISCH TICKT
4. EINE GEMISCHTE CROWD ERGIBT DIE BESTEN VIBES
5. EINE BARMHERZIGE TÜR

Was macht für dich einen guten DJ aus? Du hast über deine Mentoren Derrick Carter und Danny Tenaglia gesprochen, die dir bei der Suche nach deiner musikalischen Stimme geholfen haben. Was waren die wichtigsten Lektionen, die du gelernt hast?
Authentizität. Wir leben in einer Zeit, in der DJs zu EntertainerInnen statt zu KünstlerInnen geworden sind. Ich hatte das Glück, in den DJ-Booths einiger der einflussreichsten KünstlerInnen abhängen zu dürfen und mir zeigen zu lassen, wie Musik präsentiert wird, wie Verbindungen mit der Crowd aufgebaut werden, während ich meine künstlerische Seite befriedige und das Handwerk, eine Geschichte zu erzählen, die Leute durch Musik auf eine emotionale Reise mitzunehmen. Ich sage immer, dass ich nicht mehr als Leitung für menschliche Verbindungen durch Sound bin.

Welches Konzert hättest du dir gerne angeschaut? Welche jungen DJs magst du?
Jedes einzelne von Grace Jones. Ich verehre den Boden, auf dem sie sich bewegt. Was meine aktuellen Lieblings-DJs anbelangt, so sind das immer noch Derrick Carter und Danny Tenaglia, aber auch Mr. G, Maurice Fulton, Kornél Kovács und Matrixxman fallen mir ein.

Fühlst du dich dafür verantwortlich, bald selbst jüngeren DJs unter die Arme zu greifen?
Es wäre mir eine echte Ehre mein Wissen an jemanden weiterzugeben, wenn sie sich dafür interessieren, wie ich Musik präsentiere.

Es scheint, als hättest du einen ziemlich breiten Musikgeschmack. Welche Platten verlassen deine Tasche nie – und welche musikalischen Elemente können für dich einen Track ruinieren?
Wenn ein/e Produzent/in zu viele Elemente in einem Track unterbringen, versaut es ihn mir, denke ich. Je einfacher, desto besser. Ich hasse auch ausgedehnte Drops. Es langweilt mich. Ich brauche nun wirklich nicht für 10 Stunden auf dem Dancefloor rumzustehen und einem Vocal oder einem Synth mit massenhaft Reverb drauf zuzuhören, bevor die Kick wieder reinkommt. Jedem das seine, aber das ist echt nichts für mich. Immer im Gepäck bei mir sind „Hit N Quit It“ von Jamie 3:26 und „Remember“ von Gino Soccio

Was ist deine absolute Secret Weapon, um den Club wieder zum Tanzen zu bewegen?
Ein Lächeln auf dem Gesicht und „You Can’t Hide From Yourself“ von Teddy Pedergrass oder „I Feel Love“ von Donna Summer

Was für Musik hörst du außerhalb des Clubs, wenn du beispielsweise auf Reisen oder am Entspannen bist?
Scheiße, ich höre kaum House wenn ich nicht arbeite! Ich höre Jazz, 70er-Jahre-Soft Rock, viel Disco und R’n’B und New Wave. Ich scheue die Kickdrum wie die Pest, wenn ich nicht gerade am Arbeiten bin.

Wie bleibst du angesichts deines strammen Tourplans physisch und psychisch wohlauf?
Ehrlich gesagt, durch Schlaf. Ich nehme keine Drogen, was hilfreich ist. Ich liebe Tequila, musste das aber eingrenzen, weil ich schnell außer Kontrolle gerate. Trotzdem, Schlaf, keine After-Partys und ein Supportnetz von FreundInnen, mit denen ich reden kann, helfen dabei, das alles durchzustehen. Im Gegensatz dazu, was viele glauben, sind Touren sehr einsam. Deswegen ist es gut, geliebte Menschen um sich zu haben, die dich auf dem Boden halten.

Was würdest du jungen queeren DJs raten, die es in dieser Szene zu was bringen möchten?
Schaff dir deine eigene Szene und deine eigene Stimme, sodass dein Publikum dich findet und nicht irgendetwas, das schon mal gemacht wurde. Wir haben schon genug Leute, die immer nur dieselben Platten machen und in immer denselben Clubs mit immer denselben DJs spielen wollen. Sei einzigartig und warte nicht darauf, dass jemand kommt und dich salbt. Mach es selbst!