5. Afriqua – Chronic Cool (Dream Diary)

Eine an Kraftwerks „Computerwelt“ erinnernde Synthiemelodie und ein langes, leicht herunter gepitchtes Sample von Max Roaches „All Africa“, gesungen von Abbey Lincoln, sind die konstituierenden Elemente dieses einnehmenden Stücks, das bereits vor zwei Jahren als One-Tracker erschienen ist und jetzt mit einem Edit auf der Rückseite noch einmal aufgelegt wird. Kraftwerk und jazziges Aufarbeiten von afroamerikanischen Wurzeln – das klingt zuerst einmal nicht zwingend kompatibel, aber wie so oft ist es auch hier genau die Reibung, das Ungeahnte, was den Reiz des Tracks von Afriqua ausmacht. (Mathias Schaffhäuser)

4. I-iii – Dolce / Bun So Nude (Livity Sound)

Livity Sound zaubert mit I-iii einen kryptischen neuen Namen aus dem Hut und die 12“ landet direkt in der Plattenkiste. Für Fans des tief rumorenden Sounds, der sich über alle Releases des Labels wie ein dunkler Mantel legt, ist auch die neue Single ein sicherer Griff. „Dolce“ schiebt sich dennoch mit quirligen Bass-Lines, hellen Synth-Pads und peitschenden Snares beinahe leichtfüßig über die Tanzfläche. „Bun So Nude“ verzichtet weitgehend auf Beiwerk und legt alles in schwirrende Drum-Percussion-Rhythmen. (Philipp Weichenrieder)

3. R-A-G – Dreadfully Nervous (MOS Deep)

Den Titeltrack von R-A-Gs Dreadfully Nervous-EP gibt es in gleich zwei Versionen, und beide klingen, als kämen sie mit einer Zeitmaschine direkt aus 1989. Der Aryds Acid Mix von „Dreadfully Nervous“ beschränkt sich dabei ganz auf Drum Machine, 303 und düster verhallte männliche Vocals. Die „Stoned Version“ ist noch ein ganzes Stückchen düsterer, lässt Rolands Bass-Synth ganz weg und konzentriert sich mehr auf den Groove. Das dritte Stück, „No Soul“, ist dann wieder purer Chicago Acid House, der so auch auf Trax Records hätte erscheinen können. (Tim Lorenz)

2. ItaloJohnson – ItaloJohnson 011 (ItaloJohnson)

Nachdem man sich zuletzt mal Remixen ließ, legen die drei Jungs von ItaloJohnson nun wieder selbst Hand an. Sich selbst und der unkomplizierten Formel treu bleibend gibt es wieder drei unbetitelte, geradlinige DJ-Tools. Die A-Seite kommt besonders druckvoll und vom Vocal-Loop sowie einigen verspielten Soundminiaturen getragen daher, während B1 ebenso plastisch klingt, mit Acid-Riffs und im Stakkato abgefeuerten Stimmen-Snippets das Tempo aber gefühlt anzieht. Zu guter Letzt setzt es dann noch eine tief schwingende Keule, die ebenfalls tracky aber deutlich lasziver daherkommt. (Leopold Hutter)

1. Blawan – Nutrition (Ternesc)

In diesen sechs vor Einfallsreichtum sprühenden Tracks verschmilzt Blawan die Klangverliebtheit und das Driften des Dub-Techno mit der Aggressivität von Industrial und Noise. Bei „Mayhem“ kommuniziert ein gewaltiges, unterirdisches Grummeln mit Hundegebell. „Trampelpfad“ ist surreal und vernebelt, „Fawner“ grüblerisch und nagend, „993“ verspielt und comicartig, „Atlas“ bretternd und selbstvergessen. Und „Calcium Red“ ist durch und durch Blawan: eine Soundscape entwickelt eine solche undurchdringliche klangliche Dichte, dass sie den Druck einer Bassline erzeugt. (Alexis Waltz)