Fotos: Presse (Vangelis), Gerard Giaume (Jean-Michel Jarre). Zuerst erschienen in Groove 106 (Mai/Juni 2007). Übersetzung: Matthias Jost

Ende der 60er Jahre wurden Synthesizer erstmals in Rock-Songs eingesetzt, und Musiker wie Wendy Carlos machten die Moog-Maschinen durch ihre Interpretationen klassischer Kompositionen bekannt. Wie kein anderer Vertreter Kosmischer Musik gelang dem französischen Instrumentalisten Jean-Michel Jarre Mitte der 70er der Erfolg im Mainstream, zunächst mit seinen Platten und schließlich mit immer grandioseren Open-Air-Spektakeln mit Musik und Lasern, die von einem Millionenpublikum verfolgt wurden. Der Grieche Vangelis hingegen erreichte die Massen vor allem durch seine Synthie-Soundtracks für Filme wie Blade Runner. Zweiter und letzter Teil unserer Einführung in die Kosmische Musik der 70er.

Das Cosmic-Synthie-Genre der 70er war in großem Maße eine Fortsetzung der Psychedelik und des 60s-Gedankens, „Drogen zu nehmen, um Musik zu machen, zu der man Drogen nimmt“ (das Motto einer viel später entstandenen Band, den britischen Spät-80er-Trancerockern Spacemen 3). Die ersten Einsätze elektronischer Klänge im Rock kamen von Acid-Rockbands wie United States of America, White Noise und Gong, die nach immer entrückteren Texturen suchten. Auch die Beatles interessierten sich für Musique concrète und Avantgarde-Klassik-Komponisten, die Elektronik benutzten: Paul McCartney nahm einen 15-minütigen, von Karlheinz Stockhausen beeinflussten Track namens „Carnival of Light“ auf (der nie offiziell veröffentlicht wurde), während George Harrison ein ganzes Album voller Moog-Synthie-Spielereien namens Electronic Sound aufnahm, das 1969 auf Zapple, Apples experimentellem Nebenlabel, erschien.


Stream: Tonot’s Exploding Head Band – Zero Time

„Als der Synthesizer kam, war es klar, dass er eine wichtige neue Waffe im Psychedelik-Arsenal werden würde“, sagt Steve Hillage, der in den frühen 70ern neben dem britischen Synthie-Pioneer Tim Blake bei Gong Gitarre spielte, bevor er in Partnerschaft mit seiner Synthie spielenden Geliebten Miquette Giraudy eine Solokarriere startete, die er „dem Mix aus Gitarren und Elektronik“ widmete. Hillage nennt das bahnbrechende, komplett elektronische Album Zero Time der amerikanischen Band Tonto’s Expanding Headband als die Platte, die „mich umwarf“ und ihm das Potenzial des Synthesizers bewusst machte. Es gelang ihm schließlich, Malcolm Cecil, den Schöpfer des TONTO-Synthies, ausfindig zu machen, um sein Album „Motivation Radio“ von 1977 zu produzieren, das jüngst im Rahmen einer umfangreichen Hillage-Reissues-Reihe wiederveröffentlicht wurde.

Tonto’s Expanding Headband waren ein Duo, Malcolm Cecil und Robert Margouleff. Der Name Tonto war dabei die Kurzform für The New Timbral Orchestra, das wiederum keine wirkliche Neuerfindung von Cecil, sondern eher eine überarbeitete und verfeinerte Version von Robert Moogs Moog Series 3-Synthesizern war, um einen wärmeren und polyphonischen Sound (Synthies waren damals noch monophon, also nicht in der Lage, Akkorde zu spielen) zu kreieren. Cecil und Margouleff wurden schließlich die technischen Assistenten von Stevie Wonder, dessen Pionierstatus in der Einführung von Synthesizern im R’n’B selten anerkannt wird. Die Geschichte der Elektronik in der Black Music ist nicht das Thema dieses Artikels, aber man sollte im Vorbeigehen zumindest die Präsenz exotischer und entrückter Synthie-Texturen im Fusion-Jazz der Epoche (Herbie Hancocks „Sextant“ mit einem von Dr. Patrick Gleeson gespielten ARP-Synthie; die spacigen und abstrakten Synthie-Kleckse des Weather Report-Gründers Joe Zawinul und so fort) und die Keyboard-Arbeit von Bernie Worrell bei Parliament und Funkadelic erwähnen.