Fotos: Carys Huws (Oye Records)

Oye Records ist auch für viele Vinyl-LiebhaberInnen außerhalb Berlins ein Begriff. Seit Eröffnung des Plattenladens in der Berliner Oderberger Straße vor 15 Jahren geht es dort vor allem um den Groove. Am Wochenende feiert die Crew um Oye 15-jähriges Bestehen im Salon zur Wilden Renate. Zu diesem Anlass haben wir uns mit Markus Lindner alias Delfonic, einem Teilinhaber, unterhalten.

 


 

Markus, du bist Mitte der 2000er zu OYE gekommen. Inwiefern unterscheidet sich der Laden von damals von dem heute?
Anfangs lag der musikalische Fokus mehr auf Latin und Brazil. Mit gerade mal 10-15 Platten waren House und Hip-Hop im Sortiment eine Minderheit. Lovis Willenberg, der Gründer des Oye, hatte einen einfachen Beweggrund für die Eröffnung: Als DJ wollte er über Vertriebe günstig an Platten kommen.

War die Anfangszeit des OYE Stores in den 2000ern, einer Zeit, in der „Vinylboom“ noch gar kein Begriff war, schwerer als heute?
Auf jeden Fall. In den Anfangsjahren hat man so gut wie nichts verdient. Wir haben das Geld immer reinvestiert oder uns davon Platten gekauft. Es war harte Arbeit, wir haben nie Urlaub gemacht, sondern nur gearbeitet, weil wir einfach an die Sache geglaubt haben. 2007 war der Markt ganz am Boden. Das war auch der Zeitpunkt, an wir die GbR gegründet haben. Tinko (Rohst, Teilinhaber und langjähriger Mitarbeiter, Anm. d. Red.) und ich sind dann als Partner eingestiegen. Ab dann ging es wieder aufwärts mit dem Verkauf von Platten. Seitdem ist Oye stetig gewachsen, heute auf 13 Mitarbeiter und 2 Filialen. Im Oktober wird der Webshop neu aufgelegt. Er wird interaktiver und unsere Stammkunden und DJs besser einbinden. Unser Ziel ist es, im Online-Bereich stärker zu werden. So gesehen ist die Geschichte des Oye eine Erfolgsgeschichte. Vor drei Jahren habe ich den Vertrieb angefangen, und habe direkt an Plattenläden verkauft. Mittlerweile wird Oye mit über 20 Labels assoziiert und hat weltweit Partner im Vertrieb.

Warum hat sich der Fokus auf elektronische Musik verschoben?
Wir haben uns da nach der Nachfrage gerichtet. Wenn man merkt, dass in einem Bereich sowohl Angebot als auch Nachfrage steigen, dann investiert man eben in diesen Bereich. Der Laden spiegelt allerdings auch unsere persönlichen Geschmäcker wieder. Oye war schon immer breit aufgestellt und alle Genres waren irgendwie vertreten. Wir sind auch lokal mit vielen DJs und Produzenten in Berlin vernetzt und so wurde Oye zur Anlaufstelle für elektronische Musik.

Wie kam es, dass sich im OYE Umfeld neben deinem Label Money $ex Records noch andere Labels wie Box aus Holz angesiedelt haben?
Das kam durch Mitarbeiter. Ludwig, ehemaliger Praktikant bei uns hat mit Max (Graef Anm. d. Red.) Box Aus Holz gegründet. Wir als Oye hatten dann quasi die passenden Strukturen. Ich habe mich dann um die verschiedenen Dinge wie Mastering, Vertrieb und Presswerk gekümmert. Wenn dann andere Leute mitbekommen haben, wie wir beispielsweise mit Box aus Holz zusammenarbeiten, kommen auch neue Leute. Dann kam bald Tartelet dazu, deren Vertrieb für die 12“ wir machen. Nach einem Gig in Tel Aviv mit Moscoman, bei dem er discoide, orientalische Edits, die ich noch nie gehört habe, gespielt hat, haben wir uns hier getroffen und so entstand Disco Halal. So kamen von verschiedensten Personen Ideen, doch manchmal musste ich auch nein sagen, wenn ich persönlich nicht überzeugt war oder das Gefühl hatte, dass das Label einfach zu groß für uns ist. Dann habe ich irgendwann Oye Edits gestartet, weil ich so viele Leute kenne, die gute Edits machen. Das ist so ein kleines Projekt, bei dem es keinen Zeitdruck gibt. Ich will es anders machen als Labels, die einen festen Zeitplan haben und zu viele Platten pressen, die am Ende keiner kaufen will. Ich versuche mit den Labels abzusprechen, wie viele wir pressen und wie wir kalkulieren. Ich mag es wenn die Basis persönlicher Kontakt ist und nicht nur das Geschäft im Mittelpunkt steht.