Fotos: Presse (Benedikt Frey)

Benedikt Frey ist so ein Typ, der auch bei 180 km/h noch den einen Arm aus dem Autofenster baumeln lässt und mit der anderen die Zigarette zum Mund führt, während er per Knieführung den Wagen über die Überholspur schlingern lässt“, haben wir einst über den Ex-Darmstädter geschrieben. Ein Jahr später ist unser Bild nicht anders, denn gerade in Sachen „stilistischem Multitasking“ konnte der Neu-Berliner 2015 nicht nur mit seiner Single Reframe für Live At Robert Johnson überzeugen, auch sein anstehendes Solo-Debütalbum Artificial ist ein buntes Kaleidoskop unterschiedlicher Stile und Klänge: „Film-Noir-Jazz, Wah-Wah-Sounds, Krautiges, Acid oder düsterer Analog-Techno sind nur einige davon.“

Lest hier unser Interview mit Benedikt Frey und hört seine LP Artificial auf ESP Institute in voller Länge bei uns!

 


 

Hallo Benedikt, in wenigen Tagen erscheint dein Solo-Debütalbum Artificial. Mit welchen Gefühlen siehst du dem Release entgegen?

Mit unbeschreiblich großer Freude! Seit Fertigstellung in 2016 habe ich nahezu kein eigenes Soloprojekt mehr angelegt, bzw. anlegen können. Ich war satt und gelangweilt von meinen Routinen in der Bearbeitung und Zusammenstellung dieser jeweiligen „Versuche“. Deshalb freue ich mich wie ein Schnitzel mal wieder zu experimentieren und meine Routineentscheidungen zu umgehen.

Es heißt, du hast insgesamt zwei Jahre an dem Album gearbeitet. Auf Artificial spielst und experimentierst du mit meiner großen Mischung aus verschiedenen Stilen. Wie ist das Album entstanden und wann hast du bewusst entschieden, dass die LP fertig ist?

Das Album ist aus gewohnten Spielereien und Zufällen entstanden – aufnehmen, aufnehmen, aufnehmen, aussortieren, Kippchen drehen, nochmal hören, Kästchen schieben, aussortieren, Kippchen drehen. Prinzipiell aber ist es ein Zusammenbau aus Stücken, die bis zu fünf Jahre alt sind. Grundpfeiler waren „Controversial“ (2011) und „Hang Loose“ (2013). Diese sind lange Zeit bei EP-Konstellationen durchgerutscht. Als dann Ende 2014 feststand, ein Album für Andrew auf ESP Institute zu konzipieren, habe ich einfach stetig gesammelt und Mitte 2016 aus circa 30 Stücken das Album kompiliert. Neben dem Arrangement einzelner Stücke war das tatsächlich das Zeitaufwändigste. Der Schlussstrich war dann mein Umzug nach Berlin.

Zunächst sollte das Album eigentlich Homework heißen – eine Anspielung an Daft Punk? Und warum hast du dich dann doch für Artificial entschieden?

Ein schlichter, kurzer, wenig emotional belasteter Titel sollte es werden. Nach den Tausend Überstunden am Album war mir wichtig, dass „work“ mit in den Titel fließt. Da alle Stücke zu Hause im Studio entstanden sind, habe ich auf einem losen „Denkzettel“ Home und Work mit einem Edding verbunden und somit stand der Titel „Homework“ dann vorläufig fest. Alleine die Frage nach einer Verbindung zu Daft Punk, wollten Andrew und ich jedoch ausschließen. „Artificial“ kam mir dann nach vielen Sackgassen und einigen Wochen später so als Geistesblitz auf einer Clubtoilette. Das Wort gefällt mir in seiner Aussprache und schafft einen netten Bezug auf die jeweiligen Kompositionen. Viel „künstliche“ Post-Produktion für ein „lebendiges“ Gefühl der Schwerelosigkeit.

Seit knapp einem Jahr lebst du nun schon in Berlin. Warum bist damals umgezogen und inwiefern hat der Tapetenwechsel dein Album beeinflusst?

Darmstadt war wirklich nett, aber ich mochte ein wenig andere Luft schnuppern, Projekte mit Freunden konkretisieren, auch mal mittags tanzen gehen und und und. Hier in Berlin kann man seinen Rythmus ein wenig freier gestalten, das gefällt mir. Das Album jedoch ist frei von Berliner Luft, nur „H for Hysteria“ hat hier nochmal einen letzten Mixdown bekommen.

Sicherlich gibt es viele Geschichten zu erzählen: Doch welche Anekdote zum Album bzw. dem Entstehungsprozess wirst du niemals vergessen?

Für „Keagrind“ spürte ich lange nach Fertigstellung plötzlich das Bedürfnis eine Gitarre mit ins Arrangement zu holen um dem Oh-Man-It’s-Just-A-Loop-Gefühl ein wenig entgegenzuwirken. Also entschloss ich mich mit Janik Hotz, noch einmal kurz vor dem Umzug, Gitarrenspuren einzuflechten. Irgendwie hat es dann tatsächlich einen Monat gebraucht, um den zwei Spuren in Arrangement und Mixing Platz zu machen, dass ich mir nach „Fertigstellung“ geschworen habe, keinen Finger mehr für das Album zu rühren.

Zum Schluss noch eine etwas andere Frage: Sagen wir mal, dein Debütalbum wäre ein Buch – welches Werk wäre dann Artificial?
Alice im Wunderland?


Stream: Benedikt Frey – Artificial