Zuerst erschienen in Groove 168 (September/Oktober 2017).

Der Liebe wegen zog es den gebürtigen New Yorker Andy Butler von Wien nach Belgien, nach Gent, der zweitgrößten Stadt in Flandern. Einen ähnlichen Sprung wollte er mit dem neuen Album seines Projekts Hercules And Love Affair machen und sich einem neuen Dancefloor zuwenden – am liebsten mit den Partygästen von früher. Wenn Butler nicht gerade im Studio steckt, hält er gerne Ausschau nach Obskuritäten oder genießt die kulinarischen Vorzüge seiner neuen Wahlheimat.

6. Galerie St-John

Das ist der coolste Antiquitätenladen der Stadt. Es gibt dort allerhand Kuriositäten zu bestaunen, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Ich habe unter anderem ein abstraktes Bild aus dem Jahr 1892 für zehn Euro gekauft, das einen Jungen zeigt, der einen toten Vogel in der Hand hält. Solche exzentrischen Dinge finde ich spannend. Das ist in etwa so, wie eine seltene Platte in irgendeiner staubigen Sale-Kiste im Plattenladen auszugraben. In der Galerie St-John finden auch regelmäßig Ausstellungen statt. Zuletzt wurden belgische Impressionisten gezeigt

5. Music Mania

Music Mania ist einer der renommiertesten Plattenläden in Belgien. Die Einkäufer haben wirklich etwas auf dem Kasten. Kein Wunder also, dass man dort so viele spannende Platten entdecken kann. Red D, der mit San Soda als FCL Platten veröffentlicht, gehörte viele Jahre zum Team. Aktuell steht unter anderem Ziggy Devriendt hinter dem Tresen. Auf seinem Label Stroom veröffentlicht er allerhand vergessene Jams. Die freundliche Atmosphäre macht für mich den Laden aus. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich dort rein zufällig eine alte Paul Johnson abgegriffen habe. Die abgedrehten Jazzsamples auf „Cum-On“ hatten es mir bereits angetan, als ich 15 war. Irgendwie hat die Scheibe dennoch nie Einzug in meinen Plattenschrank erhalten. Umso größer war die Freude.

4. Maison Elza

Das Maison Elza ist vor allem bekannt für seinen high tea [kleine Mahlzeit am späten Nachmittag; Anm. d. Red.]. Ich konnte mich an den Laden erinnern. Als ich das erste Mal in der Stadt war, wurde hier noch Hummer serviert. Inzwischen hat Freddy, der Eigentümer, das Konzept wohl überdacht und einen schnuckeligen Laden zum Brunchen daraus gemacht. Eine Feier, die ich anlässlich der Beziehung zu meinem Lebensgefährten mit 40 meiner engsten Freunde dort verbracht habe, zählt zu den schönsten Partys meines Lebens.

3. La Fille d’O

Einer meiner ersten Freunde in Gent war Murielle Scherre. Sie designt vorwiegend edle Damenunterwäsche. Kurz nachdem ich hergezogen bin, sprach mich ein Stylist auf der Straße an und fragte, ob ich nicht Interesse an einem Fotoshooting hätte. Dabei sollte es auch um Sachen von Murielle gehen. Ich ließ mich also darauf ein und trug neben verschiedenen Sachen aus Leder einige Negligés von ihr. Auch Arca hat sich von Wolfgang Tillmans bereits in Teilen von Murielle ablichten lassen.

2. *T Velootje Bar Peculiar

Die Bar entdeckte ich zufällig. Beim Vorbeilaufen stach sie irgendwie ins Auge und versprüht ganz generell einen eigenartigen Vibe. Der Besitzer, ein älterer Herr in den späten Sechzigern, sieht mit seinen langen weißen Haaren aus wie ein Zauberer. Während ich und ein Freund die einzige verfügbare Biersorte kosteten, saß er uns schweigsam gegenüber. Die Preise kalkuliert er dabei immer ein bisschen, wie er gerade lustig ist.

1. Het Moment

Het Moment hat erst seit gut drei Monaten geöffnet und wird von Belgiens vermutlich bestem Barista betrieben. So wie es Wettbewerbe für Cocktails gibt, erreicht sie Spitzenplatzierungen für ihren Kaffee. Der ist dementsprechend gut und immer wieder Gegenstand von Experimenten. So stehen neben Kaffee etliche Schokoladen auf dem Programm, die auf einem Rezept aus dem Krieg basieren und die Soldaten fit halten sollten. Vier von denen haben in etwa so viel Koffein wie ein wirklich starker Kaffee. Ich bin süchtig nach den Dingern und hatte bereits sechs Stück heute.