5. Gian & Massi – Radiant Conveyance (LACKRec.)

Auf diese Kombination wäre man von alleine nicht unbedingt gekommen: Massimilano Pagliara und Gian, der auf seiner bisher einzigen Veröffentlichung, der LACKRec. 016 „53_19_72“, vier ziemlich stürmische Techno- und Electro-Tracks jenseits der 135bpm Marke präsentierte. Was verbindet ihn also mit dem feingeistigen House-Producer? Es scheint die Liebe zu opulenten, analogen Synthesizersounds zu sein, die man auch schon in seinen schnellen Techno-Tracks heraushören konnte. Die drei Tracks auf „Radiant Conveyance“ tragen zwar offensichtlich Massis Handschrift, was das Tempo betrifft. Ansonsten gibt es in diesen sehr melodiösen, Acid-durchsuppten Cosmic-House-Tunes viel zu entdecken – und bei „Gloaming Haze“ sogar eine Bassline zum Mitsingen.

4. Octo Octa – Adrift (Honey Soundsystem)

Octo Octas zweite Auskopplung aus ihrem Album Where Are We Going? kommt mit Remixes von Dorisburg und Avalon Emerson, es sind die ersten Remixes die überhaupt von ihrer Musik erscheinen. Es ist eine gute Wahl. Emerson überträgt in ihrer „Furiously Awake“-Version das entschiedene, konzentrierte Synth-Thema des spannenden Originals in eine Art Sci-Fi-Western-Dub, die die an- und abschwellenden Soundwände noch einen Zacken stärker aufreißt und in den Vordergrund stellt. Dorisburg setzt in seinem Mix wieder eine seiner ultra-eleganten Basslines ein und lässt darüber lose Trompetenklänge gleiten. Es dürfte die Version von „Adrift“ sein, auf die sich die meisten DJs einigen werden können.

3. Warp Factor 9 – The Atmospherian (ESP Institute)

Der verwirrend schöne Esoterik-Downtempo-House-Track „The Atmospherian“ erschien 1993 auf der einzigen Veröffentlichung von Warp Factor 9, dem Album Five Days In A Photon Belt. Es war ein einmaliges joint venture der zwei Australier Russell Kilbey und John Kilbey, die ansonsten in verschiedenen Post-Rock-Bands spielten. ESP Institute Betreiber Lovefingers hörte den Track vor Jahren auf einer Promo-Mix-CD und veröffentlicht „The Atmospherian“ nun in einer Extended Version mit Remixes von Carpentaria und Tornado Wallace. Carpentaria musste, weil wohl keine Originalspuren mehr vorhanden waren, die meisten Elemente in seinem Mix neu einspielen. Seine Version addiert noch eine Spur Erleuchtungs-Drama und Seelen-Pathos, was mir persönlich ausgesprochen gut gefällt. Wallace gibt sich dann deutlich elektronischer und bewegt sich damit zwar weg von dem Bhagwan Disko-Spirit der beiden anderen Versionen, dürfte aber für DJs unter Zugzwang die favorisierte Wahl sein.

2. Larry Heard presents Mr White – Virtual Emotion / Supernova (Alleviated)

Oops they did it again: Larry Heard hat mit dem Sänger Mr White zwei neue Tracks produziert, die elf Jahre nach ihrem gemeinsamen Über-Hit „The Sun Can’t Compare“ in dieser Woche auf Alleviated erscheinen. Werden sie an den großen Erfolg des Vorgängers anschließen können? Vielleicht – auch wenn der Gedanke an einen solchen Konsens-Hit, wie es „The Sun Can’t Compare“ nun mal war, inzwischen eigenartig irreal anfühlt. Am ehesten befriedigt wohl „Virtual Emotion“ die Erwartungshaltung. Mr Whites Gesang ist darauf in einer gewohnt makellosen Larry Heard’schen Electrofunk-House-Produktion eingebettet, ausdrucksstark, emotional und von einer eingängigen Streicher-Sektion beflügelt. „Supernova“ kommt als House-Song etwas quengeliger und launischer rüber, wenn auch sehr gut produziert. Von beiden Stücken gibt es außerdem instrumentellere Dub-Versionen.

1. Skee Mask – ISS002 (Ilian Tape)

Nummer 2 der Ilian Skee Series – und nach der ersten exzellenten „2012“ EP vom März beweist „ISS002“ nachdrücklich, warum Ilian Tape dem Münchner Producer eine eigene Labelserie einräumen. Im sowieso recht aufgeschlossenen Techno-Universum der Zenker-Brüder ist Skee Mask (ein Alias des Boysnoize Records-Acts SCNTST, wie Discogs inzwischen verrät) der vielleicht radikalste. Auch diese neuen vier Tracks wagen sich an eine Breakbeat-Techno-Fusion, und selten hat diese in den letzten Jahren so gut und zeitgemäß geklungen wie hier. Alle vier Tracks sind gelungen, es sticht hier aber vor allem die B1-Nummer „Routine“ mit seinen weiten Synth-Bögen und den eher entspannten Breakbeats heraus. Eine reichhaltige, tolle EP.