Foto: Presse (Ben UFO)

Das Meakusma Festival stellt schon im zweiten Jahr ein ausführliches Programm vor, wie es sich selbst längst etablierte Institutionen kaum wagen. Laut Selbstaussage soll mit Musik, Installationen und Vorträgen das „Unklassifizierbare“ gefeiert werden. Was das konkret heißt? Dass der Alte Schlachthof im belgischen Eupen zwischen dem 08. und 10. September auf mehreren Floors die Qual der Wahl bietet. Neben Label-Showcases von Faitiche, Touch oder einem von Sky Walking kuratierten Floor gibt es auf mehr als einem halben Dutzend Stages einige Highlights zu erleben. Wir haben fünf davon ausgewählt.

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Ben UFO (Freitag)

Als wären die DJ-Sets von Ben UFO nicht schon für sich eine sichere Bank auf jedem Festival-Line-Up, so bringt der Hessle Audio-Mitbegründer noch mehr UFO-Flavour aufs Meakusma: Mit Nina, Bruce, Electric Indigo und DJ Stingray lädt der nimmermüde Brite am Freitagabend vier grundverschiedene DJs in die Halle, welche vor allem ihre standhafte Haltung eint. Nina auf dem Golden Pudel-Umfeld bringt den Noise, Bruce den UK Bass, Electric Indigo erforscht die Randbereich des Techno und DJ Stingray navigiert zwischen Traditionsbewusstsein und Zukunftsvisionen durch das weite Feld des Electro. Ben UFO selbst? Wie immer: Alles ist möglich.


Stream: RA.500 Ben UFO

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Foto: Uli Holz

Phantom Kino Ballet (Lena Willikens & Sarah Szczesny) (Samstag)

Als DJ, Remixerin und Produzentin war in den vergangenen Jahren kaum jemand gefragter als Lena Willikens. Die Salon des Amateurs-Resident hat einen unnachahmbaren Stil entwickelt, der die Avantgarde tanzbar macht. Ihr gemeinsamer Auftritt mit Sarah Szczesny am Samstag in der Halle verspricht ein ebenso denkwürdiger zu werden. Phantom Kino Ballet ist eine rund einstündige audiovisuelle Performance, die einen experimentellen Film mit Strobo und Trockeneisnebel sowie natürlich Musik kombiniert. Als dauerhaftes work in progress angelegt, wird diese Performance ohne Übertreibung einzigartig.


Stream: Am Deck 13 – Lena Willikens

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Viola Klein (Samstag)

Da das Meakusma Festival dem gleichnamigen Label zugeordnet ist, dürfen natürlich auch dessen Artists nicht fehlen. Viola Klein debütierte erst Anfang des Jahres mit ihrer EP Exchange auf dem Imprint, welche dem Namen entsprechend auf produktiven Austausch setzte und unter anderem die am Samstag ebenfalls im Kesselraum vetretene Whodat mit einbezog. Klein bewies darüber hinaus schon vor mehr als zwei Jahren mit ihrem Am Deck-Beitrag, dass sie sich als DJ wunderbar zwischen Detroiter Wurzeln und den Randbereichen der Clubmusik zurecht findet.


Stream: Am Deck 20 – Viola Klein

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Screening „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ (Sonntag)

Wenn ein Film in diesem Jahr die Gemüter der ravenden Gesellschaft bewegt hat, so war das Denk ich an Deutschland in der Nacht. Regisseur Romuald Karmakar hatte bereits mit 196 BPM und Villalobos bewiesen, dass er dem hektischen Geschehen des Nachtbetriebs eine entschleunigende Bildsprache daneben setzen konnte, welche die Bild-Ton-Schere mal ausnahmsweise eher zuschnappen statt aufklaffen ließ. Mit Ricardo Villalobos, Sonja Moonear, Ata, Roman Flügel und Move D hat Karmakar dazu noch das perfekte Casting für eine dezidiert andere DJ-Dokumentation gefunden. Genau das Richtige also für einen verspäteten Katerbrunch am Sonntag um 13 Uhr im Speicher.


Video: Denk ich an Deutschland in der Nacht (Trailer)

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Jace Clayton presents Julius Eastman’s Memorial Dinner (Sonntag)

Evil Nigger, Gay Gorilla – schon allein mit den Titeln seiner Stücke sorgte der Minimal-Komponist Julius Eastman für viel Aufsehen. Mehr noch brachten die Performances des New Yorker Komponisten den ansonsten sehr zen eingestellten John Cage zur Weißglut. Obwohl Eastman nicht den Nachruhm seiner Zeitgenossen einheimsen konnte, erlebte sein Werk in den letzten Jahren eine verdiente Renaissance, an der unter anderem Jace Clayton alias /DJ Rupture nicht unschuldig war. Nachdem Clayton vor vier Jahren diverse Stücke Eastmans neu interpretierte, führt er am Sonntag Eastmans Memorial Dinner auf zwei Pianos mit elektronischen Einschüben neu auf und würdigt damit einer führenden die Figur, die ähnlich wie Arthur Russell die Grenzen zwischen E- und U-Musik verdampfen ließ.


Video: The Julius Eastman Memorial Dinner – live at MoMA PS1 Trailer


Groove präsentiert: Meakusma Festival 2017
08. bis 10. September 2017

Line-Up: Andrew Pekler, Anthony Moore & the Missing Present Band, Axel Dörner, Baleine 3000, Ben UFO, Bepotel, Blazer Soundsystem, Bruce, Claire M Singer, David Toop, Dennis Tyfus, DJ Klakke, DJ Rum, DJ Stingray, Dominique Lawalree Ensemble, Electric Indigo, Eli Keszler, Errorsmith, Even Tuell, FM Einheit + Massimo Pupillo, Fog Puma, Gelbart, Georgia Group feat. Sun Araw, M.Geddes Gengras, Matt Werth & Blazer Soundsystem, Handless DJ, Herc E Rillen, Hiele / Martens / Clark, Hola Hu (Myriam von Imschoot & Doreen Kutzke), Huerco S, João Lobo, Jon Gibson Ensemble, Jooklo and Riccardo Sinigaglia, Jooklo Duo, Jace Clayton pres. Julius Eastman’s Memorial Dinner, Klaus Kaneski, Kobe Van Cauwenberghe pres. No [More] Pussyfooting, Lawrence, Lena Willikens, L’estasi Dell’oro, Lowcommittee, Lucrecia Dalt, M.Geddes Gengras, Mary Ocher, Masayoshi Fujita & Jan Jelinek, Matt Werth, Meeuw Muzak, Miki Yui, Milan W, ML, Niagara, Nika Son, Nina, Nosedrip, Nowerk, Ogon Batto, Olaf Karnik, Pierre Bastien, Phantom Kino Ballet (Lena Willikens & Sarah Szczesny), Philip Jeck, Phillip Mattala, Ramzi, Rie Nakajima & Pierre Berthet, Ryus, Schneider Kacirek, Jernberg, Sky Walking, Sun Araw, Tape Cuts Tape, The Eternal Chord, Trouvé Pawlowski, Viola Klein, Vladimir Ivkovic, Whodat, Wolfgang Brauneis

Tickets: Tagestickets ab 25€, Festivalpass ab 70€

Kulturzentrum Alter Schlachthof Eupen
Rotenbergplatz 19
4700 Eupen
Belgien