5. Lone – Ambivert Tools Vol 2 (R&S)

Wenn Shed auf seine Begeisterung für den Hardcore-Sound der frühen Neunziger zurückblickt, reduzierte er diesen Stil auf seine Substanz. Lone aus Nottingham geht den entgegengesetzten Weg, er erkundet mit einem enzyklopädischen Eifer dessen Eigentümlichkeiten. Bei „A Mind’s Eye Melody“ haben es ihm die MDMA-verzückten, zuckersüßen Orgeltöne und Panflöten angetan. In ihren elliptischen Schleifen klingen einschmeichelnd und ein wenig unheimlich. Diese Ahnung eines uncanny feeling drückt Lone mit einem Gluckern aus, das aus dem Nichts auftaucht. Für einen Augenblick ist es da – und dann ist es schon wieder verschwunden. (Alexis Waltz)

4. DJ Central & Erika Casier – Drive (Regelbau)

Das 2015 gegründete dänische Plattenlabel Regelbau hat gerade einen sehr guten Lauf. Ihr Key-Act DJ Sports hat gerade die vielbeachtete LP Modern Species auf Firecracker veröffentlicht, die mit seinen Drum’n’Bass- und Früh 90er UK-Einflüssen schon jetzt zu einen der besten elektronischen Musikalben des Jahres zählen dürfte. Auch bei der bereits im Juli veröffentlichte EP Drive von DJ Central & Erika Casier hat DJ Sports Hand angelegt und mit seinem Remix die schon im Original super sweete Breakbeat-Gesangsnummer noch einmal auf ein neues Plateau gehievt. Solch gleichermaßen emotionalen, eingängigen wie auch zurückhaltenden Tracks gibt es nur noch selten. Nostalgiker dürfen sich an Good Looking-Zeiten zurück versetzt fühlen.

3. DJ Fett Birger – Rook On Remixes And Bogos (Sound Metaphors)

Sound Metaphors ist das Plattenlabel von dem gleichnamigen Plattenladen in der Reichenberger Straße in Berlin. Nach zwei Reissues von Früh-90er Houseplatten von DJ Dove und Instinct ist Katalognummer 3 nun eine EP mit neuen Tracks von DJ Fett Burger oder viel mehr DJ Fett Birger, wie er sich hier nun nennt. Wobei neu nicht ganz stimmt. Der A-Seiten Track „Kokken Tors Jævia Sensualitet Mix (Long Version)“ ist in einer wohl kürzeren Version bereits im vergangen Jahr auf einer Platte des norwegischen Producers Olefonken erschienen. Alle drei Tracks auf Rook On Remixes And Bogos sind eine deutlich entspannte Angelegenheit. Mit Hippie Percussion, beruhigendem Meeresrauschen und Balearic assoziierende Synths ist die A-Seite perfektes Futter für den Strand. Die zwei B-Seiten-Tracks drücken dagegen deutlicher auf die Tube und stellen zwei Percussion-reiche Tools dar.

2. Red Axes – Sun My Sweet Sun (Remixes) (Permanent Vacation)

Man kommt einfach nicht an ihnen vorbei – das israelische Duo Red Axes funkt auf allen Kanälen. Kurz nachdem sie ihr Blues-, Surf- und Garage Rock-beeinflusstes Album The Beach Goths veröffentlicht haben, erschienen nun auch diese Remixes von „Sun My Sweet Sun“. Ursprünglich im Frühjahr vergangenen Jahres auf Permanent Vacation erschienen, war der Track ein origineller Grenzgänger-Hit mit eingängigem Glockenspiel und einer prägnanten Flötenmelodie. Konstantin Sibold hält sich nicht lang mit solch melodischen Zierwerk auf und macht aus „Sun My Sweet Sun“ ein ordentlich drückenden Peak Time-Track mit sehr gutem Spannung/Entspannung-Timing. Fango setzt mehr auf dem bereits im Original angelegten Tribal-Charakter, lässt auch die Flöte wieder spielen und pimpt das Ganze mit Bollywood-Filmsamples auf – an dieser überdrehten House-Nummer hätte auch J. Saul Kana alias Depth Charge weiland seine Freude gehabt.

1. Harmonious Thelonious – Abel (Versatile)

Mit seinem Projekt Harmonious Thelonious-Projekt verbindet Stefan Schwander so gut wie kaum ein anderer afrikanische Rhythmuspattern, krautige Elektronik und klassische Minimalmusik – was er auch auf seiner ersten EP für das französische Label Versatile namens Abel gekonnt umsetzt. Auf dem Titeltrack lässt er eine eine Flöte über einen freundlichen Gitarrenloop mäandern. Auch „Blech“ kommt mit einer nordafrikanisch anmutenden Tröte, die sich über eine gängelnde Bassline windet, die im Laufe der Spielzeit einen unwahrscheinlichen Groove entwickelt. „Defender“ ist ein perkussiver Tribaltrack, auf dem ein ein geschickt modulierter Synthsound nervöse Energien freisetzt. „Old Oil“ setzt ganz auf die verführerische Strahlkraft einer orientalisch anmutenden Streicher-Sequenz. Superbe EP.