Zuerst erschienen in Groove 159 (März/April 2016).

Aufgewachsen auf Hawaii, begab sich Kim Ann Foxman gleich nach der Highschool nach San Francisco, um sich von der dortigen Clubszene ausführlich schulen zu lassen. Mit dem angesammelten Wissen und einigen Schallplatten im Gepäck zog der Tomboy, mittlerweile in seinen Zwanzigern angelangt, weiter nach Brooklyn, wo sie mit Andy Butler die Supergroup Hercules And Love Affair gründete. Fortan solo unterwegs, hob sie vor zwei Jahren ihr eigenes Label Firehouse aus der Taufe und versorgt uns mit ekstatischen Ballroom-Hymnen wie „Creature“ oder „Open The House“.

6. Technotronic – Pump Up The Jam (ARS Productions, 1989)

Meine erste Clubmusikberührung war Technotronic. Ich hatte das Stück auf Kassette rauf- und runtergehört. Das Video ist großartig und es gibt einige wahnsinnig gute Remixe von dem Stück, etwa von David Morales. Technotronic war einfach die perfekte Mischung aus Dance und Pop und ein sehr wichtiger Türöffner für mich. Der Produzent dahinter, Jo Bogaert, hat später auch einige sehr gute Tracks unter dem Namen Nux Nemo veröffentlicht. „I Feel It“ ist großartig, sehr tough und man kann es gut auch heute noch in einem Technoclub spielen.

5. Debbie Deb – When I Hear Music (Jam Packed, 1983)

Auf Hawaii war Freestyle-Musik sehr populär. Shannons „Let The Music Play“ ist für mich untrennbar mit meiner Kindheit und der Breakdance-Ära verknüpft. Auch Debbie Debb lief ständig auf unseren Highschool-Partys. Ich liebe diese hyperemotionalen Vocals, die dir das Gefühl geben, sie singe um ihr Leben. Man konnte super dazu tanzen und breaken, die Bewegungen hatten wir schon als Kinder im Blut. „When I Hear Music“ erwies sich als wahnsinnig einflussreich, es wurde später auch von HipHop- und R’n’B-Künstlern wie Kelis gesamplet.

4. Deee-lite – Good Beat (Elektra, 1990)

Deee-Lite war meine erste Lieblingsband und hat mich während der Teenagerjahre immer begleitet. „Groove Is In The Heart“ war natürlich das bekannteste Stück, aber „Good Beat“ finde ich noch eine Spur besser. Es hat diesen perfekten Mix aus Pop und Underground Disco und lief im Radio, aber auch im Club. Als Lady Miss Kier Ende der Neunziger nach Hawaii kam, war das ein Ereignis. Ich habe damals in einem Club an der Bar für die Kids unter 21 gearbeitet. Das war der einzige Club auf Hawaii, wo man auch als Teenager hingehen konnte.

3. Kraftwerk – Computer World (Warner, 1981)

Kraftwerk kannte ich auch schon aus meiner Breakdancezeit. Sie wurden viel gesamplet, aber auch die Originale wurden viel auf den Partys gespielt. „Numbers“ ist Proto-Breakdancemusik, aber Kraftwerk waren natürlich auch für die House- und Technoszene enorm wichtig. Computer World war die erste LP, die ich mir von ihnen gekauft habe. Hauptsächlich wegen „Numbers“, die anderen Stücke liebe ich auch. Es ist die einzige Band, die ich jemals bei einem Konzert um ein Autogramm gebeten habe. Das Ticket besitze ich immer noch.

2. Coco, Steel & Lovebomb – Feel It (Instant, 1991)

Als ich nach der Schule nach San Francisco gezogen bin, fing ich an, auf Underground-Raves und Warehouse-Partys zu gehen und mir Mixtapes zu besorgen von den DJs, die dort aufgelegt haben. Auf einem Tape war „Feel It“ und ich habe mir die Platte sofort kaufen müssen. Sie hat mich während all meiner DJ-Jahre begleitet. Das Stück kann man heute noch spielen. Es ist zeitlos, so wie der damalige Warp-Sound eben zeitlos ist. Ich bin sogar stolzer Besitzer der Version auf Instant Records von 1991. Ein Jahr später kam das Stück bei Warp raus.

1. Future Sound Of London – Accelerator (Jumpin‘ & Pumpin‘, 1991)

Viele der in San Francisco spielenden DJs kamen aus Europa, deswegen war dieser UK-Sound einfach omnipräsent. Accelerator habe ich immer gehört, wenn ich mich auf das Raven einstimmte. Die LP funktioniert zu Hause, aber auch auf dem Dancefloor. Es ist sehr emotional, man könnte fast sagen deep, obwohl es natürlich kein Deep House im engeren Sinne ist. Aber es ist definitiv deeper als das meiste, das heute als Deep House durchgeht. Das Album ist unfassbar gut produziert, diese ganzen Flächen und vertrippten Sounds. Wahnsinn!