Vorschaubild: Leopold Hutter (Nachtdigital)

Es schickte sich an, eine ganz eine besondere Party zu werden, das diesjährige Nachtdigital. Zum einen, weil man den 20. Geburtstag feiern sollte und zum anderen ob der veränderten Bühnenstruktur. Die Open Air-Stage wurde runtergelegt, war von allen Seiten einsehbar und dadurch gefühlt deutlich zugänglicher. Außerdem ist sie näher zum Ufer gewandert, wo nach wie vor die Seebühne steht, welche jetzt aber kompakter ausfällt – die DJs legen fast im Wasser auf. Das brachte bei beiden Bühnen ein besseres Mittendringefühl und vor allem mehr Füße im Sand mit sich.

Für die Musik hatte das Olganitzer Festival mal wieder viele Leckereien im Angebot, darunter eine ganze Reihe spezieller Live-Performances, die sich vor allem auf die Freitagnacht und den Samstagabend verteilten. Das ist wie immer nicht jedermanns Sache, aber dadurch zeichnet sich das Nachtdigital-Festival auch irgendwie aus: unbekannte Bookings, Nerd-Catering und ungewöhnliches Programming. So startete die erste Nacht mit einem 5-stündigen Giegling-Konzert, das von nebligem Ambient über dubbig-kalten Techno bis schließlich Deep House in der die typisch-verträumten Giegling-Variante alles zu bieten hatte.

Foto: Leopold Hutter

Im Anschluss folgten Live-Sets von KLM (Kassem Mosse, Lowtec und Mix.Mup), Hieroglyphic Being und Shackleton. Diese waren allesamt experimentell und gleichzeitig tanzbar, reihten sich aber nach Ansicht so manch eines Ravers nicht stringent in den Ablauf der Nacht ein. Hier hätte das – übrigens bestechend gute – B2B von Ben UFO und Blawan vielleicht besser gepasst als in die späten Morgenstunden. Daneben gab es allerdings wie immer auch das Zelt, wo Olaf Boswijk, Johanna Knutsson und vor allem Resom gegen Ende der Nacht zum Abriss einluden. Inmitten einer Atmosphäre, so dicht und dick, dass man sie mit dem Messer hätte zerschneiden können, verwandelten die DJs das große Zelt am See in einen Club der Superlative. Nicht allein die eindrucksvolle, mehrteilige LED-Leinwand hinter den DJs, sondern auch der oval angeordnete Dancefloor machten das besondere Erlebnis aus.

Am Samstag war dann zunächst Badespaß angesagt. Wie immer beim Nachtdigital ließen es sich die Besucher nicht nehmen, ihre Plansch-Utensilien mitzubringen und am Samstag ausgiebig über den See zu schippern. Als es zum Abend hin jedoch etwas regnerisch wurde, bot sich für viele die perfekte Gelegenheit, endlich mal eine Runde auszuruhen. Pünktlich zum Start der Musik auf der Mainstage dann erschien ein breiter Regenbogen vor der sich darbietenden goldenen Wolkenwand, die den Schauer in die Ferne davon wischte. Ein Bild, wie aus dem Festival-Poesiealbum.