5. Henrik Schwarz – Works Piano (Between Buttons)

Diese Solopianostücke von Henrik Schwarz sind wie dafür gemacht, ihren Platz in einem Soundtrack zu finden: „4011 Liter” handelt vom Abschied, von dem Nachklang einer Liebe, die nicht mehr ist, einer Lebensphase, die vorübergangen ist. „Where Are We Heading?” thematisiert, der Titel sagt es, einen tiefen Zweifel, Schwarz lässt niedergeschlagene und hoffnungsvolle Momente anklingen. „Confirm Humanity” handelt von kindlicher Freude und Verzückung, könnte einen Tanz im Regen untermalen. Das viertelstündige „Trippist” macht dann mit seinen stehenden Orgeltönen und einzelnen Anschlägen am Klavier ein anderes, abstrakteres Fass auf. (Alexis Waltz)

4. Akkord – RCVR / XMTR (Houndstooth)

Als „Musik für verlassene Lagerhallen“ hat das Duo Akkord seine Tracks vor einigen Jahren im Groove-Gespräch beschrieben. Und nach zwei Jahren Funkstille pustet es wieder auf beeindruckende Weise den Staub aus den Hallen. Geisterhaft rumpeln die skelettierten Soundkonstruktionen mit Amen-Break-Gewittern durch die Lautsprecher. In Nebelwänden blitzt es auf, durch dicken Rauch erklingen roboterhafte Samples auf Patois, schrauben sich Acid-Spiralen in den Himmel und werden von gewaltigen Kickdrums und Subbässen wieder auf den Boden gedrückt. (Philipp Weichenrieder)

3. MA – Introducing MA (Semantica)

Die wörtliche Bedeutung des Projektnamens MA im Japanischen geht in Richtung „Zwischenraum“, „Unendlichkeit“, „Vakuum“. Der anonyme Produzent hinter diesem Projekt will den Hörer dort hinbringen, in die klanglosen Räume zwischen den Noten, jenseits des Erklingenden. Das, was zu hören ist, hat mit 90er-Detroit-Techno zu tun, ohne Klischees offen zu bedienen. Harmonische Flächen, die auch ohne Beats als Ambient funktionieren würden, werden von Dissonanzen und Störgeräuschen flankiert – alles auf einem unaufdringlichen, minimalistischen Level, dabei gleichzeitig packend und energiegeladen. (Matthias Schaffhäuser)

2. Kobosil – 105 EP (Ostgut Ton)

In Kobosils musikalischer Sprache geht es nicht so sehr um ein eigenes Repertoire von Klängen oder um eine besondere Mix-Ästhetik. Kobosil zielt auf eine ungestüme, entfesselte Energie, die ihn zum würdigen Berghain-Techno-Producer der zweiten Generation macht. Die schmetternden Hi-Hats von „Bei Nacht H (178)“, der Vocoder von „Backmask N“, das Fauchen bei „40000L“, das Hydraulik-Geräusch von „Derange“ – diese Elemente entwickeln eine unvergleichliche Präsenz und Aggressivität. Was sonst irgendwo durch den Klangraum schwebt, hängt dir bei Kobosil direkt im Gesicht. (Alexis Waltz)

1. Greyhouse – New Beats The House (inkl. Jared Wilson Mix) (Dark Entries)

Es ist atemberaubend, mit was für einem Tempo Josh Cheon von Dark Entries die 80er-Jahren durchpflügt, um obskure Platten oder stilprägende Hits von einst neu aufzulegen. „New Beats The House“ gehört zur zweiten Kategorie. Der Niederländer Marcel Hol produzierte unter dem Pseudonym Greyhound im Jahr 1989 quasi nebenbei einen Track, der ein Subgenre der belgischen Dance Craze New Beat mitbegründete. Hard Beat nannte man das. New Beat traf auf Acid House. „New Beats The House“ war obendrein ein Musterbeispiel der damaligen Sampledelica-Welle. Neben den Originalversionen gibt’s einen ganz frischen Acid-Remix von Jared Wilson. (Holger Klein)