Foto: Raphael Maxim Guillou (Ben Klock)

Zusätzlich zur großen Ben Klock-Titelgeschichte in der aktuellen Groove-Ausgabe bot der Berghain-Resident an, eure Fragen zu beantworten. Herausgekommen ist ein Kessel Buntes – es geht um das Leben zwischen DJ-Gigs und Studiozeit, Fotografieverboten in Clubs und modulare Synthesizer. Nebenbei wird natürlich auch die Frage geklärt, ob Klock sein audiovisuelles „Photon“-Konzept in den Heimatclub bringt.

 


 

1Wie vereinbarst Du Deine Zeit im Studio mit Deinem Leben als DJ? Hast Du feste Studiotage?

Wenn man so viel spielt, sind Studiozeit und DJ-Leben ehrlich gesagt manchmal fast unvereinbar. Im Sommer zum Beispiel ist man wegen der vielen Festivals und Shows unter der Woche teilweise wochenlang unterwegs, ohne zwischendurch überhaupt zu Hause zu sein. Feste Studiotage habe ich dadurch auch nicht. Mal geht das Wochenende nur bis Sonntag, mal bis Dienstag, das variiert immer. Deswegen muss man zwischendurch auch wirklich mal die Disziplin aufbringen, keine Angebote anzunehmen. Als ich für die Ostgut Ton 100 zusammen mit Marcel im Studio war, haben wir uns beide 6 Wochen frei genommen. Sowas muss dann lang im Voraus geplant werden. Für nächstes Jahr habe ich wieder Januar und Februar geblockt.

2Was ist für Dich der Unterschied zwischen einem Deiner Sets im Berghain und an anderen Orten? Kannst Du den Unterschied beschreiben?

Der offensichtlichste Unterschied ist natürlich die Spielzeit, denn so etwas wie elfstündige Sets kommt woanders nicht wirklich vor. In langen Sets und mit einer sehr guten Anlage kann man eine ganz andere Geschichte erzählen und sich wirklich in alle Richtungen treiben lassen. An vielen Orten kann man sich nicht so entfalten, weil auf der Anlage bestimmte Tracks einfach nicht funktionieren, oder man hat auf einem Festival einen 1,5-Stunden-Slot zwischen anderen Headlinern, die alle pushy spielen. Damit sage ich nicht, dass Festivals nicht ihren Reiz haben. Aber ich brauche manchmal auch ein bisschen Zeit, um meinen Vibe zu finden und da bietet mir das Berghain einen perfekten Rahmen.

3Du veröffentlichst gerne Fotos von Dir beim Auflegen in der Öffentlichkeit, bist gleichzeitig aber als Resident-DJ eines Clubs bekannt geworden, der das Fotografieren verbietet. Was ist der Grund, warum Du das tust und was hältst Du von Fotoverboten in Clubs?

Ich denke, unterschiedliche Orte verlangen unterschiedliche Herangehensweisen. Man kann nicht alles auf alles übertragen. Dass das Berghain ein Fotoverbot hat, ist ein Traum und es ist für den Ort einfach auch angemessen. Ich persönlich genieße es zum Beispiel auch sehr, dort einfach mal zu sein, ohne dass mich alle zwei Minuten jemand nach einem Selfie fragt. Auf der anderen Seite haben andere Orte andere Regeln und das ist auch in Ordnung so. Und ich halte Social Media für ein sehr gutes Tool, gerade als Künstler, um selbst zu entscheiden, was man zeigen will und was nicht. Du hast dein eigenes Promotion-Tool zu jeder Zeit in der Hand und bist nicht abhängig von Presse oder anderen Plattformen. Manche benutzen Social Media um ellenlange Meinungen kundzutun, andere posten permanent Flyer von Veranstaltungen, auf denen sie spielen, was ich unsäglich öde finde. Ich bin ein visueller Mensch und mag Fotos. Wir versuchen dabei auch immer eine gewisse Qualität und Ästhetik beizubehalten.

4Was macht einen Klockworks-Track zu einem Klockworks-Track?

Das ist in erster Linie natürlich immer eine Bauchentscheidung und einfach mein persönlicher Geschmack. Aber im Allgemeinen würde ich sagen: eine gewisse Deepness gepaart mit Sexiness, ein gewisser Funk. Klockworks ist nicht: dark, drony, overcompressed Big Room Techno. Klockworks ist meist auch nicht zu episch, die Tracks haben eher etwas Tooliges, Skizzenhaftes, Rohes. Außerdem schwingt immer auch etwas Techno-Geschichte im frischen Gewand mit. Ich denke, man hört dem Label an, dass Techno nicht erst in den letzten Jahren entstanden ist. Sondern da schwingt eine lange Liebe zu Techno mit.

5Wenn Du gefragt wirst, ob Du in einem Club oder auf einem Festival spielst, wann entscheidest Du Dich dafür? Gibt es Clubs, in denen du noch unbedingt spielen möchtest?

Das hängt immer von vielen Faktoren ab. Entweder kennt man einen Club schon seit vielen Jahren, oder man arbeitet mit Promotern zusammen, denen man vertraut. Bei neuen Clubs oder Festivals erfährt man ja auch sehr schnell, ob es der richtige Ort für einen ist oder nicht. Die Szene ist ja sehr vernetzt. Und man muss nur kurz etwas rumfragen unter Kollegen, oder die Agentur fragt einen anderen Booker, und schon weiß man, ob es sich lohnt dort zu spielen. Interessante neue Clubs gibt es immer wieder und natürlich möchte man dann gern dort spielen, wenn man viel Positives hört.

6Hast du jemals in Erwägung gezogen, live zu spielen?

Nicht wirklich. Für mich ist Musik produzieren meine eigene vernerdete Welt im Studio und Auflegen die andere Seite. Ich stehe auf dieses Spontane, immer wieder Neue beim Auflegen. Das hat man in den allermeisten Fällen beim Livespielen nicht so.

7Wie hast du den Sprung zwischen einem „normalen“ Leben und einem Leben als DJ und Produzent gemacht und wie hat es dein persönliches Leben beeinträchtigt?

Das ging bei mir alles sehr, sehr allmählich, so dass ich mich schrittweise daran gewöhnen konnte. Ich habe auch jahrelang noch als Grafikdesigner unter der Woche gearbeitet. Dann irgendwann musste ich aber den Sprung tun und mich von meinem Unter-der-Woche-Job trennen. Das war ein bisschen Wagnis, aber dadurch habe ich dann endlich meine Energie gebündelt auf nur das Eine, und dadurch ging es dann auch richtig los. Ich hatte das mit dem Auflegen aber schon sehr früh ziemlich klar visualisiert und habe mir, schon lange bevor der große Erfolg kam, auch die negativen Seiten vor Augen geführt – ständig im Flieger und übermüdet zu sein, nicht zu Hause zu sein, wenn deine Freunde Geburtstag feiern und so weiter. Meine Entscheidung war klar, dass ich das in Kauf nehmen würde und dass das mein Weg ist.

8Hast du ein gutes VST-Plugin welches du weiterempfehlen kannst? Ich und meine Kumpels finden du bist ein richtiger Chef und Vorbild, wie denkst du darüber

Das mit dem Vorbild ist natürlich eine tolle Sache und ich freue mich – das denke ich darüber. Zu VST-Plugins kann ich echt gerade gar nichts so richtig sagen. Meine Begeisterung liegt im Moment vor allem bei Hardware-Geräten und insbesondere bei Modular-Synthesizern. Ich bewege mich gerade komplett aus dem Computer raus. Das heißt natürlich nicht, dass Computer schlecht wären, am Ende zählt nur das Ergebnis. Ich habe die meisten meiner Platten in the box gemacht. Mich hat das nur irgendwann nach Jahren gelangweilt. Jetzt fällt mir doch noch ein Plugin ein, was ich immer gern und viel benutzt habe: FabFilter – Timeless. Ein großartiger, auf Delay aufbauender Effekt.

9Was machst du, wenn du im Studio in einer kreativen Sackgasse endest?

Da war ich jahrelang drin. Dann hab ich angefangen Modular-Synths zu kaufen. Das regt die Kreativität unheimlich an.

10Du hast davon gesprochen, dass Du gerne auch mal körperlich an dein Limit gehst, vor allem wenn es darum geht eine top Performance abzuliefern. Dass es schon mal vorkommen kann, dass an einem langen Techno-Wochenende mehr als zwei Stunden Schlaf gar nicht drin sind. Meine Frage: Achten die Veranstalter noch auf die Gesundheit der Künstler, oder ist eine gelungene Party wichtiger als das mentale und körperliche Wohlbefinden der DJs?

Naja, es ist nicht wirklich Aufgabe der Veranstalter, sich um die allgemeine Gesundheit der Künstler zu kümmern. In erster Linie liegt das in der eigenen Verantwortung, und natürlich ist es gut, wenn man einen Agenten hat, der einen nicht nur den Kalender vollknallen will, sondern der auch ein bisschen mitfühlen kann. Meine Agentin ist da großartig und sagt mir immer wieder, wenn wir den Kalender durchgehen: “I seriously think you should take this weekend off!“ Diese Ansage brauche ich manchmal.

11Wie wirkt sich das Publikum auf deine Sets ein?

Das läuft eher intuitiv ab. Aber man hat natürlich Erfahrungswerte. Bestimmte Crowds reagieren auf unterschiedliche Momente. In Italien stehen sie in der Regel auf große Build-ups, die in einen Drop zurück zur trockenen Bassdrum führen. In UK reagieren sie eher auf kesselnde Hi-Hats – das ist jedenfalls meine Erfahrungen. Das lasse ich dann sicher etwas in meine jeweiligen Sets einfließen. Aber im Grunde spiele ich einfach, was ich in dem Moment spielen will.

12Kommst du mit dem „Photon“-Event auch nach Berlin?

Ja, später im Jahr ins Berghain.

13Bei deinem letzten Set in der Panorama Bar hat die Berghain-Crew die Gardinen geöffnet, weil du nicht mit dem Spielen aufgehört hast. Stimmt es, dass sie deine CDJs ausgestöpselt haben, damit du Schluß machst?

Das sind immer so Geschichten. Erstens habe ich schon lange nicht mehr in der Panorama Bar, also oben aufgelegt. Ich spiele ja generell eher im Berghain. Zweitens gibt es keine Gardinen. Und die Jalousien werden immer morgens für ein paar Sekunden mal auf-und wieder zugemacht, was einen tollen Effekt auf dem Dancefloor hat. Das hat aber wirklich rein gar nichts mit DJ-Rausschmiss zu tun. Und CDJs ausstöpseln – das ist sicher noch keinem DJ im Berghain oder der Panorama Bar passiert.