5. Lory D – Strange Days Vol. 5 (Numbers)

Der italienische Producer Lorenzo D’Angelo alias Lory D veröffentlichte seine Acid-durchtränkten Techno-Nummern ab den frühen 90ern vor allem auf seinem eigenen Label Sounds Never Seen. Obwohl ihm der große kommerzielle Durchbruch nie gelingen wollte, konnte er sich auf eine treue britische Fan-Gemeinde verlassen. 2003 veröffentlichte Rephlex eine Compilation seiner Tracks, ab 2007 nahm ihn Jackmaster für sein damaliges Label Wireblock unter die Fittiche, die Strange Days-Serie erschien schließlich auf Numbers. Mit Vol. 5 schließt diese nun ab und erscheint gesammelt digital, auf dieser Vinyl-Auskopplung sind vier neue Tracks zu finden. Das Resultat fällt gemischt aus: „Acid-CLX22“ benutzt eine verzerrte Acid-Line wie eine Schweinerock-Gitarre, effektiv, aber auch ein bisschen prollig. „Suoneria“ kommt mit für ihn unerwartet freundlichen Glöckchen-Sounds und stellt mit der, nun ja, deepen Techno-Nummer „Deep Acoustic“ das Highlight der EP dar.

4. Laksa – Camo (Ilian Tape)

Erste Single auf Ilian Tape von dem in London lebenden Producer Laksa. Bisher veröffentlichte er seine Platten auf seinem eigenen, zusammen mit Beneath geführten Mistry und dem Bristoler Label Timedance, seine Musik passt aber auch perfekt zu dem aufgeschlossenen Techno-Begriff der Zenker Brüder. Auf Camo gibt es vier Tracks zu hören: zwei UK Bass-Uptempo-Nummern, von denen „Camo Trousers“ der deutlich stärkere Track ist. Wirklich toll sind aber auch vor allem die zwei ruhigeren Tracks „Hallyah“ und „Rest With My Blues“, die sich befreit vom Dance-Korsett in romantischster Mitt- bis Spät-90er Wald-und-Wiesen-Ambient-Tradition ergießen. Post Rave kann so schön sein.

3. Radio Slave – Overdue EP (Rekids)

Neue 2-Track-EP von Radio Slave, bevor im Herbst sein neues Album erscheint. „Revenge“ ist seine Hommage an den Londoner Rage Club, Geburtsort von Jungle und Drum’n’Bass in den frühen 90ern. Und so überrascht es dann auch nicht, dass nach einem Field Recordings-Intro, das britische Piratensender zitiert, ein amtlicher Breakbeat einsetzt, der an frühe Klassiker wie 4Hero’s „Mr Kirk’s Nightmare“ erinnert – und der dann durch eine herrliche wobbelnde Bassline getragen wird. Gelungenes Genre-Update. Für „Reverse“ greift Matt Edwards dann wieder auf seine bewährte Voodoo-House-Formel zurück und bietet ein minimalistisches DJ-Tool, in dem zwar nicht sehr viel passiert – das aber auf höchstem Produktionsniveau.

2. Floorplan – Let The Church EP (M-Plant)

Von allen Detroitern seiner Generation ist Robert Hood derjenige, der sein Talent vielleicht am besten bis in die Gegenwart einzusetzen weiß. Nach wie vor gilt: jedes Release ein Knaller. Seine neue Floorplan EP Let The Church macht da auch keine Ausnahme. Der Titeltrack ist eine recht harsche, Drum-fokussierte Nummer mit Maschinengewehr-Snares, die ihren Reiz vor allem durch das kurze Vocal-Sample einer alten Gospelnummer bezieht. Runder und deutlich House-betonter klingt der eigentliche Hit der EP, „Made Up In My Mind“, bei der Hood mit einem geloopten Piano-Akkord, Orgel-Einsatz und einer herzergreifenden Jesus-Lobpreisung ein (auch für abgebrühte Atheisten) überzeugendes musikalisches Glaubensbekenntnis formuliert. Wenn das Opium für das Volk sein soll, dann bitte mehr davon.

1. Lanark Artefax – Whities 011 (Whities)

Die Musik von Lanark Artefax wird von so unterschiedlichen Leuten wie Björk, Aphex Twin, Objekt oder Vladimir Ivkovic gespielt und warum das so ist, ist leicht zu verstehen, wenn man sich sein neues Release Whities 011 anhört. Der junge Glasgower Literaturstudent Calum MacRae macht Musik, die man grob zwischen den Melodie-reichen 90er-Jahre-Warp Klassikern, dem abstrakteren Werk Oneohtrix Point Nevers und überwiegend beatloser Filmmusik lokalisieren kann – das fantastische „Voices Near The Hypocentre“ empfiehlt sich mit seiner auf maximale Strahlkraft herausgearbeiteten Streicher-Sektion und Chorgesang zum Beispiel wärmstens für die zweite Staffel von Stranger Things. Der DJ-Track (wenn man das hier so nennen mag) dieser EP heißt „Touch Absence“ und ist ein kristallklar produzierter Leftfield-House-Track mit einer zwingenden Bassline und atmosphärischen Vocal-Schnipsel. Musik für ein besseres Leben.