München, die Stadt, in der wir beide sozialisiert sind, ist in dieser Hinsicht ja auch ozeanisch und sehr weltoffen. Mir fallen da Dinge ein wie das Wolfgang Tillmans Aids Memorial, die Fassbinder-Wallfahrtsstätten, Giorgio Moroder, Disco. Auch und gerade deshalb mag ich und auch viele schwule Freunde von mir München so gerne.
Da stimme ich zu. Im Größenwahn, in dem ich damals Resident war, habe ich jeden Sonntag auf der Schwulenparty aufgelegt. Da wurde bis 1 Uhr wild gefeiert.

Und: Das Logo für Gigolo Records war eine Zeit lang Arnold Schwarzeneggers perfekt gebuildeter Body.
Ja, das ging natürlich auch in so ’ne Richtung Schwulenkultur und gleichzeitig Disco-Ära. Für mich war das die Verkörperung von Disco, seine perfekte Muskeldefinition. Und gleichzeitig geht das auch in Richtung Kunst, siehe Andy Warhol oder Mapplethorpe, der die erste Bodybuilderin fotografierte. Für mich war das also als Schwarzenegger-Logo – obwohl ich dadurch große rechtliche Schwierigkeiten bekommen habe – absolut passend zu dem, was ich mit meiner Musik aussagen wollte.

Gerade in der House Music gab es ja neben dem sehr männlichen, homosexuellen Typus auch eher Drag-Figuren. Wobei du mir ja von diesem DJ erzählt hast, mit dem du Anfang der 90er viel gespielt hast…
Ja, das war DJ Rok, die sogenannte Terror-Diva aus Berlin, er hat damals noch im Hardwax gearbeitet. Dadurch hatte er immer als Erster die neuesten Platten und war allen anderen um Lichtjahre voraus. Wir wurden ein DJ-Team, Rok & Hell. Ich war damals ein glatzköpfiger, Lederjacken tragender bayrischer DJ, der das erste Mal im Tresor auftritt, 1992. Und ich weiß noch, dass die ganze anwesende Berliner Hardcore-Riege, einschließlich Rok, damals sagte, ein Münchner DJ dürfe dort nicht spielen, das darf nicht passieren.

Aber Rok war doch aus Erding, oder?
Ja, aber der war sozusagen schon berlinisiert. Ich wurde dann dort unter strengster Beobachtung getestet und habe den Test bestanden. Das war mein erster Auftritt damals auf Tour mit Nightmares On Wax. Ich hatte nicht mal eine Plattentasche, sondern nur eine Sporttasche, in der meine ganzen Vinyls drin waren. Und obwohl ich nicht den superheißen Stoff hatte, wie die US-Direktimporte, sondern so meine eigene Sammlung, konnte ich mich da irgendwie durchsetzen. Und habe mich mit den ganzen Berliner Helden damals angefreundet: Rok, Motte, Tanith, Johnson und natürlich die dazugehörige Gay-Community. Daraus entspringt also mein ganzes Schaffen und das ist der Grund, warum ich gerade die Gaykultur als Schwerpunktthema für mein neues Album ausgesucht habe. Die DJ-Gaykultur – New York, Paradise Garage, Larry Levan, Ron Hardy, Chicago, Warehouse –, ich erzähle das mit meinem Album einfach noch mal, denn mein Leben entspringt aus dieser Kultur, einer Undergroundkultur. House Music, das war ursprünglich schließlich alles gay.