Das Jahr in sieben Tracks

Roundtable mit Gerd Janson, Jennifer Cardini und Alex.Do

Illustration: Vina Ćurčija. Fotos: Marco Heinzmann
Interview: Heiko Hoffmann & Alexis Waltz. (Übersetzung: Oscar Fuchs. )

Midland – Final Credits (Regraded)

Jennifer Cardini: Das ist so gut.

Weil der Track so einen French Touch hat?
JENNIFER: Ja, ein bisschen. Er ist aber auch an der Grenze zur Cheesiness. Alles, was sich heute so anhört, wird man mit French House assoziieren.
Gerd Janson: Dafür ist die Kick aber ein bisschen zu soft und zu wenig Kompression vorhanden.
JENNIFER: Ich mag es hart und auf eine Weise auch merkwürdig aufzulegen. Aber wenn ich zwei, drei Stunden auflege, dann ende ich immer mit House und einem Track wie diesem. Ich mag es nicht, das Publikum mit einem düsteren Track zurückzulassen. Meine Sets kann man sich wie ein Gebäude vorstellen, am Ende muss es sich immer öffnen.
Alex.Do: House ist also so etwas wie der Notausgang (alle lachen).
JENNIFER: Es ist einfach schöner, wenn man den Club mit so einem Track verlässt als auf einer schwereren Nummer.
GERD: Ich spiele dieses Stück ständig und meist auch am Ende eines Sets. Mit den Goodbye-Lyrics ist das die perfekte Verabschiedung.
JENNIFER: „Blush“ von Midland war dieses Jahr auch sehr gut. Den habe ich gerne gespielt.

Alex, du legst so was eher nicht auf, oder?
ALEX: Ich kaufe immer noch viel House. Das ist dann aber mehr für mich persönlich als für den Club.
GERD: Alex, du hattest doch mal eine Art Erleuchtung, als du Kerri Chandler im Watergate auflegen gehört hast, oder?
ALEX: Echt? Ach ja! Wir haben mal im Auto auf dem Weg zum Flughafen über diese tolle Dreamer-G-Platte von ihm geredet: „I Got That Feeling“.
GERD: Das fand ich erstaunlich, weil ich dich immer für ein Berliner Techno-Kid gehalten habe.
ALEX: Diese Platte war auch nicht meine erste Berührung mit elektronischer Musik. Ich entdeckte sie durch diesen japanischen Deep-House-Film [Frog River von 2002; Anm. d. Red.]. Der handelt von einem japanischen House-Geek, der zu Hause mit einem Urei 1620 Rotary Mixer in Unterhose auflegt. Er spielt diese Dreamer-G-Platte.
JENNIFER: Unterwäsche und ein Urei Mixer – das klingt perfekt.