Illustration: Vina Ćurčija

Die Banane eines Berghain-Residents wird auf eBay verkauft. Ein Festival hat ein Mini-Berghain aufgebaut, niemand darf rein. Es gibt ein Berghain-Kartenspiel. Frank Ocean war im Berghain. Eine Website trainiert dich für die Berghain-Tür. Irgendwer gibt dem Berghain auf einem Bewertungsportal einen Stern.

Diese Nachrichten und viele ähnliche liefen 2016 durch unsere Newsfeeds. Geben wir es zu: Wir haben sie angeklickt. Mit einem Grinsen, mit einem Augenrollen oder einem Schnauben. Immer aber aus einem diffusen Drang heraus. Wir wollten sie lesen.

Der Nachrichtenwert einer Meldung wird in unseren Zeiten daran gemessen, wie viele Menschen sich für sie interessieren. Eher weniger geht es darum, ob etwas wirklich von kultureller Relevanz ist. Was zählt, sind Klicks. Denn Klicks bedeuten eine größere Sichtbarkeit der Werbung, die auf den Homepages ausgespielt wird, und somit auch mehr Geld für die Magazine. Ist das Clickbait-Dauerfeuer also Ausdruck einer aufmerksamkeitsgeilen, geldgierigen Medienlandschaft? Nicht wirklich. Die Wahrheit ist: Kaum ein Magazin könnte ohne Werbedeals überleben. Und nein, es würde nichts helfen, wenn ihr einen Euro mehr für die Printausgabe oder ein Onlineabo zahlen würdet. Es geht um größere Summen, die größere Einnahmen fordern. Einnahmen, für die es massive Klickzahlen braucht.

Das Berghain ist ein Klickgarant. Egal was dort passiert oder damit irgendwie zusammenhängt, es geht viral. Es wird Teil des Narrativs um diesen schweigsamen Club, über den viel geredet wird und der doch nicht mehr als das ist: ein Club. Aber es ist auch ein rotes Tuch für alle, die drin waren, und noch mehr für jene, die es nicht waren. Ein exklusiver Ort, der nach all diesen Jahren der Berichterstattung emotional überfrachtet ist. Das haben auch große internationale Portale, das haben selbst Regionalzeitungen aus Süddeutschland erkannt.

Ungewollt hat das Berghain in der Clublandschaft ein Nachrichtenmonopol erhalten. Für Musikmagazine hat sich ein finanzieller, das heißt existenzieller Zwang formiert, der das Symptom einer allgemeinen medialen Entwicklung ist: Wer beim Clickbaiting nicht mitmacht, verschwindet erst im Algorithmenstrudel und bald von der Bildfläche.

Ja, das ist traurig. Und nein, das soll kein Vorwurf sein. Denn die Medaille hat zwei Seiten: Wenn wir einen Clickbait-Artikel öffnen, unterstützen wir damit auch seriösen Journalismus, dessen Arbeit stellenweise nur ein Tausendstel (!) der Klicks erhält. Das ist weitaus skandalöser als jede Banane auf eBay.

In eigener Sache

Wir von der Groove möchten da nicht mitspielen. Wir wollen euch lieber auf interessante Underground-Acts stoßen, euch entlegene Clubs oder Szenen vom anderen Ende der Welt vorstellen. Aber wir müssen auch Kompromisse machen. Auf unserer Homepage findet ihr Werbebanner und Advertorials. Oder eben nicht, wenn ihr nämlich einen AdBlocker aktiviert habt. Verständlich, denn Werbung nervt. Wie aber schon ausgeführt, hält sie uns – wie auch so gut wie jedes andere Online-Magazin – mit am Leben und ermöglicht uns viel von dem, was wir euch bieten möchten. Zudem unsere Anzeigenabteilung – die selbstverständlich unabhängig von unserer Redaktion agiert – darauf achtet, auf möglichst relevante Themen zu setzen. Ein Werbebanner für ein spannendes Festival oder das neue Album deines Lieblingsacts wäre doch zu verkraften, oder?

Wenn ihr also eure AdBlocker deaktivieren würdet, käme uns das zugute – und, wie wir meinen, euch auch. Denn je mehr sich Qualität rentiert, desto weniger Clickbait muss sein. Letztlich nämlich vertrauen wir in eure Urteilskraft: Wir wissen, dass ihr von derselben Leidenschaft für unsere Szene angetrieben werdet wie wir und dass ihr substanziellen Journalismus schätzt. Sonst gäbe es dieses Magazin nicht seit fast 28 Jahren. Wir hoffen darauf, dass wir noch lange auf eure Unterstützung zählen dürfen.

Alle Jahresrückblicksthemen findet ihr hier in der Übersicht.

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    Nee, die Werbebanner sind mir ZU irritierend und nervtötend. Ich weiss oft nicht mehr, was aus eurem CMS-System kommt, und was von euren „Werbepartnern“. Dann geh ich lieber garnicht mehr auf Seiten wie Groove.de