Rewind 2016

10 erste Katalognummern

Auch 2016 sind neue Labels mal wieder wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die gute Nachricht über so viel kreativen Output bedeutet aber auch, dass man schnell mal den Überblick verliert oder gerade kleinere Plattformen gar nicht erst wahrnimmt. Um etwas Abhilfe zu schaffen, stellen wir euch zum Jahresende nochmal zehn erste Katalognummern neuer Labels vor.

10. CassegrainARCS-01 (Arcing Seas/ARCS01)

Mit Releases auf Prologue, Killekill oder Infrastructure New York erreichte das in Berlin lebende DJ- und Produzenten-Duo Cassegrain eine Credibility in der Szene, die nicht auf stumpfe Tools, sondern auf dem Willen, sich stets selbst weiterzuentwickeln, fußten. Bei der Herausforderung, dem experimentellen Gusto treu zu bleiben, ohne sich aber gänzlich vom Dancefloor abzuwenden, haben ihre analogen Live-Sets geholfen, was sich vor allem in Cassegrains fintenreichen Arrangements widerspiegelt. Der Start ihres eigenen Labels Arcing Seas verdeutlicht einmal mehr, dass man sich nicht für eine Seite entscheiden muss: Rave und Sounddesign im explorativen Dialog kreiert erst einen Detailreichtum, wie ihn auch „ARCS-01“ anbietet.

9. Chaos In The CBDGlobal Erosion (YAM Records/YAM 001)

Das neuseeländische Brüder-Duo Chaos In The CBD beweist seit zwei Jahren mit konstant starken Releases, dass es seine Erfolgsformel für atmosphärischen Deep House gefunden hat. Auf ihren insgesamt vier EPs von 2016 verändert die beiden zwar hin und wieder mal die Variablen ihrer Slow Jams, die Gleichung geht aber immer auf – im Fall von „Global Erosion“, der A-Seite der ersten 12-Inch des zum Label avancierten Plattenladens YAM Records, mit Hilfe von Tribal-Grooves und hypnotischer Trompete. Deep-House-Poesie!

8. DJ Fett Burger & Jayda GNYC Party Track (Freakout Cult/CULT 01)

Zugegeben, der „NYC Party Track“ erschien zwar bereits im vergangenen Jahr, aber des Represses wegen war der Tune eben auch 2016 omnipräsent und bleibt ja trotzdem immer noch der perfekte Auftakt von Freakout Cult, dem Label von DJ Fett Burger & Jayda G. Und zwei Releases später ist die Plattform bereits zur Qualitätsschmiede für perkussive, oldschoolige und floor-stürmende House- und Disco-Jams avanciert.

7. DJ LongdickHaze EP (E-Beamz/E-BEAMZ001)

E-Beamz gehört sicherlich zu den schrägsten Label-Neuheiten des Jahres. Da wäre nicht nur der Roster mit solch illustren Namen wie DJ Boring, DJ Playstation und DJ Longdick, zudem lassen sich über das wohl in UK beheimatete Label trotz Bandcamp-Seite nur spärliche bis gar keine Informationen finden. Grotesk auch, dass alle drei bisherigen Releases im Dezember 2016 veröffentlicht wurden. Sowieso alles Nebensache: Musikalisch wirkt der verträumte Lo-Fi-House erstmal unspektakulär – oldschoolig, aber gewöhnlich. Spannend wird es immer dann, wenn der slicke Schlendrian-Style von Garage- und Jungle-Elementen eine Abreibung bekommt.

6. EnaSoil (Niløs/NILS-001)

Der japanische Produzent Ena ist dafür bekannt, im Jahrestakt neue Alben zu veröffentlichen. Diese Tradition setzte der Experimentalkünstler aus Tokio auch 2016 fort: So erschien nicht nur eine weitere Platte aus der Kollaboration mit dem Berliner Felix K, zudem eröffnete Ena auch noch das Label Niløs mit dem Konzeptalbum Soil – einer 40-minütigen Drone/Ambient/Noise-Meditation, die das Label nicht zu Unrecht als „an atmospheric monotone space“ bezeichnet.

5. Leo PolIILE01 (IILE/IILE01)

Der Pariser Produzent Leo Pol dürfte hierzulande noch ein unbeschriebenes Blatt sein. Genauso wie auch die junge Plattform IILE, das neue Sublabel der großen Schwester Uniile. Die EP des Franzosen ist deep, hypnotisch und deutet zwischen den Zeilen immer mal seine Disco-Affinität an, die seine Tracks mit einer angenehmen Funkiness ausstattet. Passt zwar die Afterhour-Schublade, doch IILE01 ist deswegen interessant, weil es sie mit Verzicht auf die großen Momente ganz unaufdringlich beides gleichermaßen anspricht: Körper und Seele.

4. The 7th PlainChronicles I (A-TON/ATONLP01)

Ohne Frage, der Start von A-TON als Ambient- sowie Archiv-Ableger des Mutterlabels Ostgut Ton konnte mit seiner ersten Katalognummer die ältere wie auch jüngere Generation eine romantischere Seite von Luke Slater erinnern beziehungsweise vorstellen. Nicht zu vergessen, dass er seiner Diskografie auch ein weiteres Planetary-Assault-Systems-Album hinzufügte. Doch so nostalgisch und schön „Chronicles I“ von The 7th Plain auch ist, der Launch von A-TON ist hier die Message und lässt auf unveröffentlichte, vergessene und wieder besuchte Highlights in den kommenden Jahren hoffen.

3. Ulli with Tom Ace & BejjerUllis Tapes Vol. 1 (Ullis Tapes/U.T.001)

Ullis Tapes ist ein norwegisches Label, das nicht in die Comic-Disco-Fußstapfen der Herren Todd Terje oder Prins Thomas tritt, sondern eindeutig einen weniger quietschebunten Ansatz verfolgt. Das kleine Kollektiv mit Ulli, Tom Ace & Bejjer aus Stavanger macht keine balearischen Gesten, vielmehr finden ihre von verträumten Pads getragenen Housetracks Gefallen an verspielten Acid-Melodien, die weniger an roughen Electro denn an luzide Schlafmusik erinnert.

2. DiverseWaxtefacts 001 (Waxtefacts/WXTFX001)

Waxtefacts aus Dänemark dürfte zukünftig vor allem für alle Sample-House-Heads ein Vergnügen werden. Gleich mit der ersten EP gab Labelgründer Librarian die Richtung vor, legt seine A-Seite irgendwo zwischen Chuzpe und Hommage ein paar feiste, roughe Kickdrums über zwei HipHop-Klassiker aus den Neunzigern „Mass Appeal“ von Gang Starr sowie „93 ’til Infinity“ von Souls of Mischief. Auf der Flipside emanzipiert sich Strip Steve vom Boysnoize-Records-Techno mit sinnlichen Deep House, den der Wahlberliner auch auf der dritten Katalognummer (Dog Days EP) ausbreitete. Einen schönen Wiedererkennungswert des Waxtefacts-Labels bieten auch die gezeichneten Artworks von Zoya Cherkassky-Nnadi.

1. ZineM – E (Mind Everest/MIND1)

Schöne Empfehlung vom Kollegen Cornils, der den Beitrag des Weimarer Produzenten Zine auf der ersten Mini-Compilation von Row Records als eine „Liebeserklärung an die Unendlichkeit des Grooves“ vorstellte. Auf seinem eigenen Label Mind Everest debütiert Zine mit einer EP, die sich weniger ungeschliffen als „Forever“ gibt. Während Zine wohl großes Interesse daran hat, die Linie zwischen Deep House und Dub-Techno aufzuweichen, erkundet M – E jene dubbige Ambient-Techno-Welt, die vor allem den Kopf anspricht. Oder wie Zine selbst sagt: „Eine Reise auf der Moebiusschleife könnte kaum schöner sein.“

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