Zuerst erschienen in Groove 162 (September/Oktober 2016).

In seinem neuen Buch Life And Death On The New York Dancefloor 1980-1983 schreibt der Londoner Autor Tim Lawrence über das New Yorker Nachtleben zu Beginn der achtziger Jahre. In unserem Vorabdruck erinnern sich DJs wie François K, Danny Krivit und Kenny Powers an den vor 30 Jahren gestorbenen legendären Soundsystem-Designer Richard Long und seine Anlage für Larry Levans Club Paradise Garage. Wir präsentieren einen exklusiven Vorabdruck in deutschen Übersetzung von Groove-Chefredakteur Heiko Hoffmann.

Tim Lawrence wird vom 08. bis 11. Dezember auf Lesetour in Deutschland sein. Alle Informationen dazu findet ihr hier.

Anders als New Yorker Clubs wie das Saint setzte die Paradise Garage ihren Fokus nicht auf das Visuelle, sondern auf klangliche Aspekte. Als das Billboard Magazine Ende 1980 und Anfang 1981 eine Reihe von Artikeln über den Toningenieur Robert Long veröffentlichte, wurde das beeindruckende Setup des Clubs deutlich. Long war ein Ingenieur mit Uni-Abschluss, trug Brillen, die selbst für einen Nerd unwahrscheinlich groß waren, und hatte als HiFi-Amateur angefangen, bevor er Lautsprecherdesigns studierte, die von Firmen wie RCA, Western Electric, MGM oder Lansing entwickelt worden waren. Er testete verschiedene Lautsprecher im Soho Place, einer Loft-ähnlichen Privatparty, die er zusammen mit Mike Stone in seinem Zuhause in Downtown veranstaltete.

Richard Long sollte im Laufe seiner Karriere etwa 300 Soundsysteme in Diskotheken auf der ganzen Welt installieren – eine der größten Herausforderungen stellte dabei wohl das Roxy dar, wo das Summen lauter war als die Musik und wo die Rollerskater, laut Danny Krivit, auf Soundlöcher trafen, während sie zur Musik des DJs fuhren. Um das Problem zu lösen, entfernte Long die Hälfte der Lautsprecher und ordnete die verbleibende Hälfte zu einer Insel in der Mitte des Raumes an, sodass sie auswärts gerichtet waren und der Sound gleichmäßig verteilt wurde. Im Vergleich zu den Anstrengungen, die er für das Studio 54 unternahm, war dieser Eingriff jedoch vergleichsweise gering. Diskotheken-Betreiber, die das Studio besuchten, gaben ihm zuhauf Aufträge.

Die technische Speerspitze von Longs Arbeit konnte man jedoch in der Paradise Garage in der King Street finden, die auch als Testlabor für neues Equipment fungierte und gleichzeitig ein Showroom war für diejenigen, die die Grenzen des Studio-54-Setups erfassen konnten. Billboard schrieb, dass es laut Paradise-Garage-Gründer Michael Brody Long eine „Carte blanche [gegeben hatte], um all sein neues Equipment zu testen“. Nebenbei gewann der Club mehrere Preise für „klangliche Exzellenz“. Auch wenn es kaum darauf ankam, dass die Lobreden dabei übersahen, dass Long ursprünglich nicht den Auftrag für die King Street erhalten hatte, sind die Details der Auseinandersetzung doch interessant.