Fotos: Frederike Wetzels (Michael Mayer)

Gerade hat Michael Mayer, Mitinhaber des Kölner Vorzeige-Labels Kompakt, sein drittes Album veröffentlicht. Es trägt den Titel &, jeder der Tracks ist eine Kollaboration. Als wir uns zum Interview trafen, genossen wir im Biergarten des Kölner Stadtgartens die Spätsommersonne und sprachen über die neue LP, den Einfluss von klassischem Pop auf sein Verständnis vom Auflegen, über Lieblingsclubs, Marathon-Sets und seine alte Heimat zwischen Schwarzwald und Elsass. Und natürlich über Köln und Kompakt.

 


 

Du bist Mitinhaber von Kompakt. Wieso erscheint dein neues Album bei !k7, also einem anderen Label und nicht im eigenen Haus?
Seit 1998 habe ich meine Platten nur noch bei Kompakt veröffentlicht. Doch ich hatte das Bedürfnis, einfach nur mal Künstler und nicht auch noch mein eigenes Label und mein eigener Vertriebschef zu sein. Bei meinem letzten Album Mantasy stieß mir das ein bisschen auf. Wenn man nur Künstler ist und damit auch A&R-Hürden zu nehmen hat, bringt das eine gewisse künstlerische Wertschätzung mit sich. Bei Kompakt könnte ich Pupsgeräusche aufnehmen und sagen: So, das ist mein neues Album. Die eigene Firma würde es veröffentlichen. Nach so vielen Jahren mal wieder durch eine Qualitätskontrolle gehen zu müssen, hatte mich gereizt. Und es war einfach schön, dass ich mich einfach nur auf die Musik konzentrieren konnte. Natürlich werde ich auch bei Kompakt wieder Platten machen. Ich liebe meine Firma.

Dein neues Album heißt kurz und knapp &. Auf jedem der Stücke arbeitest du mit jemand anderem zusammen, so etwa mit Roman Flügel, Barnt, Kölsch, Joe Goddard oder den alten Kompakt-Mitstreitern Jörg Burger sowie Wolfgang und Reinhard Voigt. Wieso hast du dich für ein solches Konzept entschieden?
All die Back-2-Back-Sets, die ich gespielt habe, brachten mich auf diese Idee. Nachdem ich eine sehr intensive Phase hatte, in der ich oft mit Superpitcher zusammen als Supermayer aufgelegt habe, war ich in den folgenden Jahren wieder meist alleine unterwegs. Dabei fühlte ich mich häufig ein wenig einsam, so dass ich in den letzen beiden Jahren gerne wieder mit jemand anderem spielen wollte. Ähnlich war es beim Produzieren, eine Zeit lang war ich immer mit Superpitcher im Studio, irgendwann dann wieder nur alleine. Ich hatte einfach das Bedürfnis, mich wieder zu öffnen. Zu zweit ist das eine völlig andere Situation. Ich bin jemand, der erst im Zusammenspiel mit anderen Leuten richtig zur Entfaltung kommt. Ich habe ja auch immer Leute um mich herum, wenn ich bei Kompakt in der Firma bin.


Stream: Michael Mayer & AgoriaBlackbird Has Spoken

Sind die Tracks denn auch zu zweit entstanden, hast du mit deinen Partnern also nicht nur Parts ausgetauscht?
Teilweise war es aufgrund der Entfernung nicht möglich, zusammen im Studio zu sein, so lebt Andrew Thomas zum Beispiel in Neuseeland. Als es darum ging, das Team für das Album zusammenzustellen, habe ich nur Leute gefragt, die ich auch persönlich sehr schätze. Mit den meisten verbindet mich eine Geschichte, im Studio bin ich mit ihnen aber bisher nie gewesen, die Ausnahmen sind Kölsch und Reinhard Voigt. Auch mit Jörg Burger und Wolfgang Voigt habe ich bisher noch nicht gemeinsam Musik gemacht. Ich wollte, dass da ein gemeinsamer Vibe vorhanden ist, es ging also nicht darum, die hipsten Produzenten des Planeten auf einem Album zu vereinen. Ein sehr spezieller Moment war die Zusammenarbeit mit Roman Flügel. Wir kennen uns nun schon so lange, waren aber noch nie zuvor zusammen im Studio. Bei fast allen Stücken des Albums kam der erste Spatenstich von mir. Ich habe zunächst Sketches gebaut, maßgeschneidert auf die Person, mit der ich das Stück machen wollte. Diese Skizzen schickte ich den Leuten dann zu, um zu herauszufinden, ob die etwas damit anfangen können. Einer der wenigen Tracks, bei denen alles mit einem weißen Blatt Papier anfing, war „We Like to Party“, der Track, den ich mit Roman Flügel aufgenommen habe. Es war beeindruckend, wie schnell wir zueinander gefunden hatten. Das war ein bisschen wie beim Auflegen, wo man die Dinge nicht zerdenkt, sondern intuitiv angeht.