Foto: Lorentzky (Felix Kubin)

Krach ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Heute werden Clubs wegen Anwohnerbeschwerden geschlossen, früher bohrten Bands noch mit dem Vorschlaghammer die Rückwände von Konzertsälen auf. So zumindest lautet einer der Mythen um die frühe Industrial-Szene, wie sie in Deutschland etwa von den Westberliner Einstürzenden Neubauten mitgeprägt wurden. Unter dem Motto „Ästhetik und Kontexte des Widerklangs von der Lärmkunst bis zur Klubkultur“ widmet sich die dreiteilige Veranstaltungsreihe Gegenkrach im Leipziger Institut fuer Zukunft der Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Krachs, wie er zwischen Underground-Avantgarde und Techno-Club hin und her balancierte.

Los geht es am 20. Oktober mit der Vorführung des Films Industrial Soundtrack For The Urban Decay und dem Vortrag „Der Kampf um den Lärm – zur Ästhetik der Geräuschmusik“ von testcard-Mitherausgeber Johannes Ullmaier, der über die Geschichte der Geräuschmusik und ihren Stationen im italienischen Futurismus, der musique concrète und Industrial bis heute referieren wird.


Video: Industrial Soundtrack For The Urban Decay (Film Teaser)

Bei theoretischen Überlegungen wird es indes keinesfalls bleiben: Am 25. November treffen sich im Institut fuer Zukunft die „Kassettentäter Ost/West“, namentlich Felix Kubin, Jan Kummer und Karl-Marx-Stadt. Der von Zonic-Herausgeber Alexander Pehlemann moderierte Abend führt in die sich hinter beiden Seiten der Mauer entwickelten Tape-Szenen ein, die Kubin zuletzt 2015 mit einer Compilation auf Finders Keepers dokumentierte und die Jan Kummer als Mitglied des Kollektivs AG Geige vertritt, deren Nachlass in Kürze beim Major Label als umfassendes Box-Set neu aufgelegt wird. Kummer leiht auch Christian Gierden alias Karl-Marx-Stadt seine Stimme, der an diesem Abend der Chemnitzer Szene der achtziger Jahre mit einem Live-Auftritt Tribut zollt. Flankiert wird er von DJ-Sets Kubins und Pehlemann und seinem Pseudonym selekta pehle, welche die Szene des Westens und vor allem des Ostens erklingen lassen.

Sein vorläufiges Ende findet Gegenkrach am 16. Dezember mit einer „Sound-Rundreise vom und zum Berlin Atonal via DDR-Subkultur, Detroit, Fischbüro, UFO und Tresor“. Dass da Fischbüro- und Tresor-Gründer Dimitri Hegemann mitdiskutiert, versteht sich von selbst. Ergänzt wird der Talk durch die audiovisuelle Live-Performance Full Zero des Künstlers Ulf Langheinrich und einer Live-Performance des Prager Post-Industrial-Projekts Autopsia sowie DJ-Sets von Moritz von Oswald und Wax Treatment-Veranstalter Bird sowie Institut fuer Zukunft-Resident Subʞutan. Könnte krachig werden, soll es aber auch.

Gegenkrache 2016Groove präsentiert: Gegenkrach

20. 10.: Der Kampf um den Lärm

25. 11.: Kassettentäter Ost/West

16. 12.: Atonal | Funktional

Institut fuer Zukunft
An den Tierkliniken 38
Kohlrabizirkus
04103 Leipzig