Foto: Presse/Roland (TR-09)

Für Techno-Fans ist der 09. September ein ganz besonderes Datum, 2016 umso mehr: Roland hat am 9/09 Day neue Versionen des ikonischen TB-303-Synthesizers sowie der Drumcomputer TR-909 angekündigt. Damit sorgt das japanische Unternehmen für eben so viel Begeisterung wie Spott und bestätigte Gerüchte über eine Neuauflage, die bereits seit Jahren die Runde machten. Kritiker sehen in der neu aufgezogenen Produktlinie Geldmacherei, während begeisterte Stimmen sich über günstige Versionen der genreübergreifend prägenden Geräte freuen. Die Veröffentlichung wird für ihre Erschwinglichkeit vor allem von Hardware-Begeisterten positiv aufgenommen.

Die TB-303 entstand ursprünglich als Emulator für Bassgitarren und scheiterte auf ganzer Linie. Das Gerät wurde kaum verkauft, irgendwann aber von drei Produzenten aus Chicago billig aufgekauft – der Rest ist Acid-Geschichte. Der TR-909 haben wir einige der ikonischsten Tracks der Musikgeschichte zu verdanken: Mr. Fingers brachte sie in „Can You Feel It?“ zum Swingen, Derrick May ließ die „Strings Of Life“ darüber erklingen und Jeff Mills spielt sie wie ein guter Jazz-Musiker ein Blasinstrument.

Mitte der achtziger Jahre endete die Produktion beider Geräte. Mit zunehmender Nachfrage stieg der Preis bis heute exponentiell, die einstmals auf dem Grabbeltisch erhältliche TB-303 ist mittlerweile im gebrauchten Zustand für rund 2500 Euro zu haben. Mit technischen Verbesserungen ausgestattet sollen die Klassiker nun günstig und in neuem Gewand auf den Markt gebracht werden. Der Preisrahmen bewegt sich zwischen verträglichen 350 und 400 Euro.

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Wie die AIRA-Reihe benutzt Roland in der Boutique-Serie das Analog Circuit Behavior Modeling. Dabei wird das Verhalten der Originalschaltkreise bis hinunter auf die Bauteil-Ebene berechnet, um den charakteristischen Sound der Originale zu emulieren. Die TB-03 ist äußerlich eng an der TB-303 angeknüpft und erscheint wie die TR-09 in einer leicht abgespeckten Version. Diese ist deutlich kleiner als das Original. Während die TB-03 ihrem Vorgängermodell stark ähnelt, wurde sie um eine Metallhülle erweitert. Sie bietet neben den Klassischen Patterns auch neue Methoden der Einprogrammierung.

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Aus prominenten Reihen gibt es unterschiedliche Stimmen zur Boutique-Reihe. Radio Slave kommentierte auf seinem persönlichen Facebook-Profil trocken: „Now available at Urban Outfitters.“ Eine Referenz an Plattenspieler, die es im hippen Modehaus zu kaufen gab. Kritisiert wurde neben dem aggressiven Branding der Geräte – mittlerweile kursieren schon Mock-Ups von Föns mit 909-Design – auch dessen angebliche Sinnfälligkeit zu Zeiten digitaler Produktionsmethoden.

Andere Künstler zeigen sich deutlich begeisterter. A Guy Called Gerald etwa, freut sich über die technische Neuerung und zeigt sie auch direkt mal in Aktion. Dazu schreibt der Engländer: „I wish we had this stuff in the 80s!“ Keine unbedingt überraschende Aussage eines Produzenten, der einst Teil der nach der TR-808-Drummachine benannten 808 State war.


Video: A Guy Called GeraldTR-03 & TR-09 Test

Dabei allerdings bleibt es noch nicht: Auch ein Plattenspieler sowie der dazugehörige Mixer gehört zur Rolandschen Marktoffensive dazu. Der TT-99 orientiert sich augenscheinlich stark an der legendären Technics 1200-Reihe, während der Zwei-Kanal-Mixer DJ-99 recht basal auszufallen scheint, eine Tatsache, die sich in einem verträglichen Verkaufspreis von rund 300 Euro niederschlägt. Optisch zieht sich auch durch diese Geräte das 909-Branding.

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Bei allen kritischen Stimmen bleibt das Reissue zumindest für Hardware-Fanatiker eine gute Nachricht. Roland bietet damit eine stilgetreue Neuauflage, die vermutlich schon bald in vielen Live-Setups zu sehen sein wird. Und für den Heimgebrauch bleibt notfalls noch die HTML-909.