Christian Prommer

Castello Festival 2016 Podcast

Foto: Presse (Christian Prommer)

Feiern im Schloss wie einst Könige, Kaiser und Zaren? Diesen dekadenten Traum können sich jetzt alle Adligen und Nichtadligen beim Castello erfüllen. „Castello“ ist italienisch für Schloss und in eben so einer exklusiven Location findet das Festival statt. Solch ein Event stellt einen Gegenpol zu Massen-Raves auf umfunktionierten Kuhwiesen dar. Gezeltet wird nicht, stattdessen lassen sich unterschiedliche Zimmer für 2 bis 20 Personen buchen, je nach dem eigenen Bedürfnis nach Privatsphäre und Komfort. Auch die Versorgung geht über die sonstigen Fressmeilen oder Ravioli aus der Dose hinaus; es gibt ein Royal Dinner, Barbecue und „Continental Breakfast“-Buffet.

Neben Alex Niggemann, Marcus Worgull und dem Berliner Kater-Holzig-Umfeld (Madmotormiquel, Soukie & Windish und Uone) sowie Sandrino von Frankey & Sandrino, Dave DK und Baal spielt sogar das Jazzensemble Honest Talk Band auf. Auch Christian Prommer wird dabei sein und den missing link zwischen Jazz und Clubmusik repräsentieren. Der Schlagzeuger pendelte seine Karriere über schon immer zwischen den beiden augenscheinlich so verschiedenen Welten. Sein Castello-Mix, den er exklusiv für Groove aufgenommen hat, richtet sich aber eindeutig auf den Dancefloor. Ein paar Neuigkeiten zu seinem Drumlesson-Projekt und viel mehr verriet er uns im Interview

 


 

Als Produzent zeichnest du dich dadurch aus, deinen Jazz-Background auf elektronische Musik zu übertragen und hast zu Protokoll gegeben, dich lange Zeit mehr für elektronische Musik als für die Jazz-Szene interessiert zu haben. Woran lag das und wie kam es letztlich zur Versöhnung mit dem Jazz?
Ich habe das, was mich lang an Jazz fasziniert hat, die Offenheit und die Experimentierfreude, in den Nullerjahren eher in der elektronischen Musik gefunden. Ich habe dann circa 2006 angefangen, wieder mit Musikern und akustischen Strukturen zu arbeiten. Ich habe zu der Zeit auch wieder mehr Drums gespielt, da meine damaligen Projekte beendet waren und ich auf der Suche nach einem neuen Klang für mich war. Die Inspiration kam von Detroit Techno und Trio Jazz. Es kam natürlich noch hilfreich dazu, dass ich mit ganz fähigen und interessierten Musikern meine Experimente machen konnte. Mit den meisten arbeite ich auch heute noch zusammen.

Mittlerweile legendär ist dein Drumlesson-Projekt, für welches du klassische Stücke von etwa Mr. Fingers (ebenfalls ein Schlagzeuger), Âme oder auch Jean-Michel Jarre neu interpretiert hast. Ist es nicht wahnsinnig schwierig, einem Stück Minimal Techno einen jazzigen Groove zu entlocken?
Bei den Interpretationen habe ich immer versucht, das Element, das für mich das Stück ausmacht herauszuarbeiten und dann damit ein neues Arrangement zu starten und darum eine neue Komposition zu gestalten. Bei Mr. Fingers natürlich die Bassline und bei Âme die hookige Melodie. Das mit dem Groove ist tatsächlich nicht ganz ohne. Ich wollte immer, dass die Stücke den Drive der Original behalten und nicht „overplayed“ klingen. Da muss man dann schon streng mit den Musikern sein.

Das zweite Drumlesson-Album liegt nun auch sechs Jahre zurück. Sofern du nicht schon daran arbeitest: Welches Stück würdest du dir für einen Nachfolger am liebsten vornehmen?
Ich bin tatsächlich gerade dabei neues Material für die Drumlesson Vol. 3 vorzubereiten. Da gibts noch viele Stücke, die ich gern machen möchte. Eine Percussion Version von Plasikmans „Spastik“ ist auf jeden Fall auf der Liste. Ich arbeite gerade an einen eher kammermusikalischen Ansatz für ein neues, ähnliches Projekt, das ich zusammen mit Johannes Brecht mache. Wir haben zum Beispiel mit einem Streichquartett und einer klassischer Percussion Besetzung eine Version von „Sky Was Pink“ von Nathan Fake und James Holden aufgenommen.

Dein Mix für das Castello Festival allerdings zeigt sich viel deutlicher dem Dancefloor verpflichtet. Welchen Ansatz hast du damit verfolgt?
Ich betreibe mit Christoph Pankowski, der das Castello Festival initiiert hat, das Label Musica Autonomica. Da konzentrieren wir wir uns sehr stark auf den Dancefloor und die dazugehörigen Nächte mit Clubnights und Festival Floors. Da kommt eine ganz eigene Energie zusammen. Bei diesem Podcast sind ein paar neue Tunes aus unserem Labelumfeld und Stücke, die auch in meine DJ-Sets zu finden sind, zu hören.

Auffällig ist, wie viele Remixe in der Tracklist auftauchen. Du selbst bist ebenfalls als produktiver Remixer bekannt. Gibt es aber vielleicht einen Remix, den du im Nachhinein lieber ganz anders angegangen wärst?
Oh, da gibt’s schon ein paar. Die Entscheidung für eine Richtung hat sehr viel mit Inspiration und Spontaneität zu tun. Die kann dann 14 Tage später schon ganz anders sein. Ich finde Remixe ein ganz tolle Kunstform. Es gibt einen Impuls von außen und dann wird es immer mehr ein Stück von einem selbst. Ich könnt an allen Stücken endlos arbeiten. Irgendwas ist immer. Aber irgendwann muss man den Track dann einfach auch mal verlassen.

Das Castello zeichnet sich, der Name deutet es bereits an, in erster Linie durch seine ungewöhnliche Location und ein streng limitiertes Platzkontingent aus. Was erwartest du persönlich von dem Miteinander von Herrenhausatmosphäre, Interieur mit DDR-Charme und Techno? Wie wichtig ist dir als Musiker und als DJ ein gewisses Maß an Intimität und Exklusivität?
Ich freu mich schon sehr auf das Wochenende. Das Line-up, die Location: Das ist schon sehr cool. Genau die Intimität gibt dem Festival den familiären Charme. Zum Musikmachen ist das natürlich die beste Voraussetzung. Da wird einiges ganz Besonderes passieren. Wir sind ja quasi unter uns.

 


Stream: Christian PrommerCastello 2016 Podcast

01. Christian Prommer – Solitary Daze (Orchestral Version)
02. Matrixxman – Earth Like Conditions (Instance Remix)
03. Victor Ruiz – Soul Seek (Original Mix)
04. Nils Penner – Velcoro (Christian Prommers Remix)
05. Recondite – Warg
06. Johannes Brecht – Second Movement
07. Alex Smoke – Dire Need (Tale of Us Instrumental Remix)
08. Mano Le Tough – Energy Flow (DJ Koze’s Splasher Remix)
09. Prommer/Sibler – Orchester 03
10. Speaking Minds – Monongahela (Denis Horvat Remix)
11. Dj Tennis – Chirality (Original Mix)
12. Prommer/Brecht – Voix Grave (Cp Remix)
13. Kalmya – Can You Reach (Original Mix)
14. Filippo Diamantini – Nevrotica (Kapibara Remix)
15. Petar Dundov – The Lattice (Frank Wiedemann Remix)
16. Johannes Brecht feat Kat Vinter and CP – Currency

Castello Festival 2016Groove präsentiert: Castello 2016
Freitag, 26. August bis Sonntag, 28. August

Lineup: Christian Prommer, Alex Niggemann, Baal, Dave DK, Honest Talk Band, Madmotormiquel, Marcus Worgull, Marco Resmann, Matthias Meyer, Sandrino, SevenDoors, Soukie & Windish, Uone u.v.a.

Tickets: ab 179€ inkl. Unterkunft

zwischen Leipzig und Berlin