Baaz

Groove Podcast 64

Photo: Press (Baaz)

Bastian Völker veröffentlichte im letzten Jahr unter seinem Pseudonym Baaz das Album Red Souvenirs und lässt dem nun mit gebotenem Abstand eine verträumte EP folgen, die eine weitere Seite an dem Wahlberliner zeigt. So weit, so normal. Völker ist aber nicht nur als Baaz aktiv, sondern outete sich ebenso als Produzent hinter dem nebulösen Projekt Eric Miller, von dem Anfang des Jahres eine Doppel-EP Sushitech erschien, welcher nun eine limitierte 10″ folgte. Geht daneben und der eigenen DJ-Karriere noch was? Klar, denn natürlich erscheint Baaz‘ neue, unbetitelte EP auf Office, dem von ihm gegründeten Label. Baaz‘ Groove-Mix zeigt ihn als ebenso facettenreichen DJ, der uns langsam aus dem Chill-Out-Raum heraus auf den Tanzboden der Tatsachen bugsiert.

 


 

Bastian, du nennst das Kasseler Stammheim als wichtigen Einfluss für dich. Was hat den Club für dich in deiner Jugend so besonders gemacht?
Es war einfach ein magischer, sehr wilder und verrückter Ort. Irgendwo im Nirgendwo. Ich bin in einer spießigen fränkischen Kleinstadt aufgewachsen und das Stammheim in Kassel war wie eine Befreiung für mich. Seit 1998 waren wir tatsächlich fast jedes Wochenende da, obwohl das Stammheim ungefähr 2 ½ Stunden Auto oder Zugfahrt entfernt lag. Dort habe ich noch die Ausläufer des 90er-Rave-Spirits miterlebt. Schon auf der Zugfahrt dorthin sind an etlichen Bahnhöfen die ganzen Raver aus dem Umland zugestiegen. Es gab keine wirkliche Türpolitik, keine Coolness-Codes – das Publikum war ein Kessel Buntes. In meiner Wahrnehmung lief dort ein anderer Sound als in den Clubs im Umland. Anstatt von Loop-orientiertem tooligen Techno lief eine Mischung aus Brighton Techno, Chicago Sound wie etwa von Dance Mania oder Platten von Jax Up Beats. DJ Pierre aus dem Stammheim und Cristian Vogel waren die Helden meiner Jugend. Wenn Pierre sonntagmorgens um 10 Uhr „The Man With The Red Face“ von Laurent Garnier, „Bottle“ von Wishmountain oder „My Definition Of House“ von DJ Hell auflegte hatte ich definitiv spirituelle Erlebnisse. Als ich vom Tod Pierres erfuhr, hat mich das sehr getroffen. Dann gab es noch diesen wundervollen großen Chillout-Floor mit eigener DJ Booth. Überall Sofas, Betten und Unmengen an Deko. Viele meiner Freunde sind nur wegen dieses Floors gekommen. Es lief Ambient, Big Beat, Trip Hop, Hip Hop, House usw. Da konnte man schon auch mal „Super Collider“ live hören. Orte zum Zurückziehen und Abhängen gibt es in vielen Clubs, aber ohne Musikprogramm. Es ist mir ein Rätsel, wie die guten alten Chillout-Floors aus den Clubs verschwinden konnten.

Mit deinem 2012 gegründeten Label Office legst du aktuell viel Ambitionen an den Tag. Aus welchem Gedanken heraus wurde das Label gegründet und was sind aktuell deine Pläne damit?
Ich wollte es damals einfach mal versuchen. Der Gedanke, was Eigenes zu machen, existierte schon sehr lange. Zuerst gab es die Idee alles im Eigenvertrieb zu starten aber zum Glück sind wir bei Diamonds and Pearls untergekommen. Office Recordings ist mein Baby. Da steckt sehr viel Herzblut und Arbeit drin. Ich habe jeden Tag tausend Ideen, wie es damit weitergehen könnte. Seit der Office 06 (Baaz – Red Souvenirs Remixes, Anm. d. Red.) macht Super Quiet das Artwork, worüber ich sehr glücklich bin. Marco überrascht mich immer wieder mit seinen Ideen und Herangehensweisen. Die nächsten beiden Katalognummern sind bereits fertig gestaltet und stehen in den Startlöchern. Beide Nummern werden von mir sein. Für die OR010 bin ich mit einem von mir sehr geschätzten Künstler aus Wales in Kontakt. Mehr möchte ich noch nicht verraten. Ich hoffe das klappt!

Deine anstehende Single auf Office ist nicht dein einziges Release dieses Jahr: Du hast als auch als Eric Miller eine Doppel-Single auf Sushitech veröffentlicht und lässt bald eine 10″ ebendort folgen. Was hat es mit dem Projekt auf sich?
Ich kenne Yossi Amoyal von Sushitech schon recht lange. Hauptsächlich übers Auflegen und gemeinsame Partys. Bei Barbara Preisingers Deep In The Box-Abenden im Club der Visionäre hatten wir schon lustige Ping Pong-Sessions. Letztes Jahr haben wir Tracks ausgetauscht und im Zuge dessen kam dann auch die Idee für ein gemeinsames Projekt, allerdings unter einem Pseudonym. Der Sound hat mehr Geschwindigkeit und ist außerdem viel dubbiger. Das hat sich dann gut angeboten. Ab diesem Zeitpunkt habe ich Yossi immer mal wieder Ideen und Skizzen zugeschickt. Yossi ist sehr fokussiert und enthusiastisch und bringt auch immer wieder interessante Gedanken mit ein. So kamen dann einige Tracks zusammen. Ich bin total happy mit dem Ergebnis.

Das unbetitelte Release auf Office zeigt dich allerdings auch Baaz von einer anderen Seite: Orientierte sich der Sound deines Debütalbums eher an Deep House und sogar Hip Hop, geht es jetzt in eine dubbigere Richtung. Wie erklärt sich dieser Stilwechsel?
Sobald ich im Studio bin lege ich einfach los und gucke was dabei herauskommt. Wenn das Ergebnis dann so anders klingt das bisherige Produktionen, fällt mir das gar nicht unbedingt auf. Grundsätzlich versuche ich mich einfach nicht selbst zu langweilen und das geht sehr schnell.

Deine Releases weisen immer eine gewisse thematische Geschlossenheit in sich auf, wie zuletzt auf deinem Album „Red Souveniers“ zu hören. Gibt es auf der neuen Platte auch einen bestimmten roten Faden?
Interessant, dass du das sagst. Tatsächlich kommen mir meine EPs und auch die LP eher wie Compilations mit wild zusammengewürfelten Tracks vor. Selbst wenn die Platte im Laden steht, lässt mir das Thema oft keine Ruhe und ich frage mich. ob das denn alles wirklich zusammenpasst. Meistens sind die Stücke auch aus ganz unterschiedlichen Zeiten und Lebensphasen.

Auch dein Mix für die Groove zeigt sich vielseitig, beginnt bei verrauschten Streichern und endet im Club. Was war deine Idee dahinter und nach welchen Kriterien hast du die Tracks ausgewählt? Wo können wir dich demnächst hinter den Decks erleben?
Als ich den Mix zusammengestellt habe, dachte ich eher an eine Art Radioshow als an einen Club Mix. NTS Radio ist seit langem meine Musikkonsumquelle erster Wahl und vielleicht hat mich das ein kleines bisschen beeinflusst. Mein Mix ist eine Radioshow für die Groove! Am 15. Juli bin ich in der Wilden Renate zu hören

 


Stream: BaazGroove Podcast 64

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01. Robert Lippok – Close
02. Clara Mondshine – Lo And Li
03. Les Hales – Thresholds
04. Laraaji & Sun Araw – Lausanne Part 1
05. Din A Testbild – Tight Pants
06. Slow Riffs – Peace Arch
07. Hureco S – Promises Of Fertility
08. Klepalov – East Of Eden
09. PLO Man – Rare Plastic
10. Duckett – I Aint Seen The Cat For 3 Days Now
11. Carli -LightsStrobes (Pedrodollar Remix)
12. Raphael Top Secret & Nelson Bishop- Get Enough
13. NSDOS – Dona J Haraway
14. Duckett – Jackdaws On Astroturf
15. Timeline – Save The Bluebird
16. Mosey – Tuff Times
17. Traumprinz – I Gave My Life
18. Terekke – Yrlv L.I.E.S.
19. Move D – Eastman
20. Culture Hub -Petit
21. Fred P – CM