Cass.

Groove Podcast 61

Foto: Presse (Cass.)

Cass. macht für gewöhnlich schillernde Musik, die sich im Ambient-Bereich bewegt und doch offen für Pop oder sogar Beats bleibt. Gemeinsam mit Wolf Müller (bürgerlich: Jan Schulte) hat der Oldenburger Produzent eine Platte für die Mini-LP-Serie von International Feel aufgenommen, welche sich viel Zeit lässt und doch dank Müller-Schultes Vorliebe für verspielte Rhythmiken und ungewöhnliche Instrumente zwischen all den sanften Flächen und satten Field Recordings tolle Spannungsbögen in sich aufbaut. Bevor er mit seinem nächsten, im Herbst auf Emotional Response erscheinenden Solo-Album Youth Sessions für „mehr Unruhe“ sorgt, hat Cass. für uns einen Mix mit vielen ruhigen Tönen aufgenommen.

 


 

Euer gemeinsames Album The Sound Of Glades, das letzte Woche auf International Feel erschien, ist deine erste Zusammenarbeit mit Jan Schulte alias Wolf Müller. Wie habt ihr zusammengefunden und wie wurde dann ein Album draus?
Jan und ich kennen uns schon ein paar Jahre, ursprünglich über einen gemeinsamen Freund. Wir haben in meiner Heimatstadt Osnabrück am selben Abend zusammen aufgelegt und sind dann näher in Kontakt gekommen. Die jeweiligen Musikprojekte kannte aber jeder von uns schon vorher. Ich war in diesem und im letzten Jahr einige Male in Jans Studio in Düsseldorf da wir schon öfters drüber sprachen, Sachen zusammen aufzunehmen. Irgendwann haben wir dann tatsächlich beide Zeit gefunden.

Ihr produziert beide recht unterschiedliche Musik. Wie gestaltete sich der Arbeitsprozess?
Eigentlich recht unspektakulär. Aus jedem Jam haben wir das Verwertbare herausgefiltert und entsprechend weiter verarbeitet. Eine genaue Arbeitsaufteilung hat es aber im Vorfeld so konkret nicht gegeben. Jan hat aber natürlich dennoch den Bärenanteil an den Percussions. Dickes Danke an der Stelle für den E-Bass, den Timo Hein (Stabil Elite) für uns eingespielt hat.

Du kollaborierst recht häufig mit Anderen. Was reizt dich daran?
Jetzt wo du es sagst, fällst es mir auch auf. Ich habe immer gesagt, dass ich kein angenehmer Kollaborateur bin und mich mit sowas eher schwer tue. So ganz kann ich es dann aber doch nicht lassen.
Die Kombination zwischen der Musik von Jan und meiner war natürlich, eben aufgrund dieser Unterschiedlichkeit, ein großer Reiz. In den anderen Fällen sind es dann meist Bekannt- und/oder Freundschaften, die sich dann auch im Musikalischen fortsetzen. Für mich in vielen Fällen ein logischer Schluss, musikalische Vorstellungen, über die man sich austauscht, schließlich gemeinsam umzusetzen.

‚The Sound Of Glades‘ arbeitet mit vielen evokativen Mitteln, angefangen von exotischen Vögelgeschrei bis hin zu Tracktiteln, die auf Studio Ghibli-Regisseur Miyazaki Hayao verweisen. Welches Konzept oder welcher Grundgedanke hält euer Album zusammen?
Hm. Es gibt kein Konzept im Sinne einer Idee die der LP folgt. Ich glaube jeder hat seine irgendwie gearteten Vorstellungen mit hereingebracht, was man aus diesen beiden musikalischen Hintergründen bauen könnte, ganz in der Hoffnung auf erfolgreiche Synthese. Jan hat ebenso eine Affinität zu Ambient und ruhiger elektronischer wie organischer Musik wie ich zur Clubmusik, sodass schon klar war, dass es ruhigere Passagen, wie im ersten Stück, geben wird und auch geben soll. Wir wollten dennoch nie eine Club-Platte machen. Das wäre auch, gemessen an den Vorgängern der Mini-LP Serie (CFCF, Len Leise), widersinnig. Wir sind beide schon ziemlich zufrieden mit dem Ergebnis.

Du bist als DJ aktiv und produzierst gelegentlich noch Clubmusik. Bekannt geworden bist du aber vor allem für deine zwischen Pop und Ambient balancierende Musik. Wie ist dein Verhältnis zur Clubszene?
Als DJ bin ich eigentlich kaum noch aktiv und konzentriere mich eher auf live performances und kleinere Konzerte, das reizt mich eher. Ich war immer schon sehr eng mit der Clubszene verbunden, egal ob als Gast oder Veranstalter. Ich spürte aber nie durchgehend den Reiz, das was ich auflege, auch selbst zu produzieren. Techno und House kamen mir im Produktionsprozess eher banal und langweilig vor, obwohl ich großen Respekt vor den Leuten haben, die gute Clubplatten produzieren. Mehr zu experimentieren hat mir da schon immer besser gefallen, obwohl meine kommenden Solo Sachen auch immer mehr nach Club und Aufbruch klingen. Eine gewisse Clubffinität ist also auch nicht vollständig zu leugnen. Wer weiß, was in der Zukunft passiert.

Es wird zu The Sound Of Glades auch eine Remix-12″ geben. Wer ist alles dabei und wird euer Tropen-Ambient also doch clubtauglich gemacht?
Haha, Club ist das was du draus machst. Es wird einen Toulouse Lowtrax-Mix, eine Wolf Müller-Version und einen Remix von mir geben. Ob clubtauglich oder nicht, das lassen wir mal offen.

Du wirst auch als Solo-Künstler nachlegen, im September erscheint über Emotional Response dein neues Album Youth Sessions. Was können wir von dem Album erwarten?
Wie oben schon angedeutet: in jedem Fall mehr Unruhe, mehr Synthesizer und mehr Dynamik als bei den bisherigen zwei Alben Ich freue mich total, dass es endlich rauskommt, zumal einige Stück schon beinahe 1 1/2 Jahre alt sind. Viele der Songs sind genau das, was ich schon lange machen wollte. Von daher bin ich sehr froh, dass Emotional Response das Album rausbringen wird. Zwar ist auch stilistisch vieles dabei, was man schon von mir kennt, einige andere Dinge jedoch nicht.

„Stell dir vor, du hast nur 500MB frei auf deinem MP3-Player. Das ist da drin“, hast du deinen Mix für Groove angekündigt. Nach welcher Idee aber hast du die Tracks aus den 500MB nun kombiniert?
Die Grundidee war eigentlich zu schauen, welche Platten für das Entstehen von ‚The Sound Of Glades‘ meinerseits relevant waren und wo es Berührungspunkte gibt. Alle Stücke mag ich sehr gerne und auch alle haben eine nicht zu versprachlichende Bedeutung für mich. Viel Spaß beim Hören und bis bald.

 


Stream: Cass.Groove Podcast 61

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01. Antonio De Luca – Ascending A Staircase
02. Masayoshi Fujita – River
03. Christian Naujoks – Moments II
04. Constance Demby – Om Mani Padme Hum
05. Bruised Skies – Guide Me 2
06. Gigi Masin – Music For Chameleons
07. Cass. – ID
08. Peter Presto – Viaduc
09. Kim Hiorthoy – Forskjellige Gode Ting
10. Christian Naujoks – Bar 27
11. Martin Kolbe & Ralf Illenberger – Annalisa
12. Marvin Horsch – The End