Landr

Jetzt mit Desktop-Klient & Mix-Upload

Bildmaterial: Screenshots/Landr

Der automatisierte Online-Mastering Dienst Landr erweitert sein Angebot und stattet seine Plattform nicht nur mit der Möglichkeit zum Lautmachen von Mixen aus, sondern spendiert den Anwendern direkt noch einen kostenlosen Desktop-Klienten, mit dem sich die Dienste auch ohne Browserfenster abrufen lassen. Was es bringt, haben wir uns angeschaut.

Als wir vor zwei Jahren der Online-Dienst Landr (steht für Left & Right – eben die Stereokanäle) an den Start ging, hätte wohl keiner damit gerechnet, wie schnell und erfolgreich sich der Service etablieren würde. Tatsächlich hört man in jüngerer Zeit in Musikerkreisen nicht selten den Neologismus „landrn“: „Warte, ich landre das noch mal eben und schick es Dir dann“. Gemeint ist damit allerdings eigentlich mastern. Denn das ist der Service, mit dem Landr eine kleine Revolution ausgelöst hat: Das automatische, script-gesteuerte Mastern von Musikstücken.

Ist das schon gelandrt?

Ohne an dieser Stelle zu weit ausholen zu wollen, möchte ich noch mal kurz auf den Prozess des Masterings eingehen: Im Kern ist Mastering eigentlich ein Sammelbegriff, der einerseits Feinkorrekturen in Bezug auf Frequenzen und Dynamik an fertig gemischtem Audiomaterial umfasst – das wird meistens gemeint, wenn von Mastering die Rede ist. Daneben schließt Mastering aber auch die Anordnung von Titeln für das Zielmedium, samt Überblendungen und – falls erforderlich – Formatkonvertierungen ein. Es ist also der letzte Schritt, bevor das Audiomaterial sein Zielmedium (ob nun eine Datei, eine CD, Vinyl oder anderes) erreicht. In jüngerer Zeit wird Mastering vermehrt die Bedeutung des Lautmachens zugeschrieben. Was zwar auch zum Prozess gehört, letztlich aber nur ein Teil ist.

Für gewöhnlich wird dieser Job von einem Tontechniker erledigt, der mit einer ganzen Reihe von speziellen digitalen und/oder analogen Werkzeugen, einer hervorragenden Abhörsituation, vor allen Dingen aber mit einem sehr guten und geschulten Ohr an die Sache herantritt. Landr versprechen, dass ihr script-gesteuerte Algorithmus dieselbe diffizile Leistung erbringen kann. Meine Tests zeigten, dass Landr diesem Ziel in einigen Bereichen ziemlich nahe kommen. Hier mal der visuelle Vergleich eines Landr-Mastering mit einem von mir handgefertigten Master. Deutlich zu erkennen: die Unterschiede sind marginal.

Master Compare_780

Diesen Dienst bieten Landr natürlich nicht kostenlos an, sondern gewinnen ihre Kunden mit einer ausgeklügelten Mischung aus Subskriptions- und On-Demand-Bezahlung: Einmal vom kostenlosen Einstiegs-Tarif angefixt, der einem zwei kostenlose MP3-Masterings (192 kB) bietet, landet man schnell beim Basic- (ca. 3,50€/Monat – unbegrenzte MP3s mit 192 kB) oder Advanced-Account (ca. 8€/Monat – unbegrenzte MP3s mit 320 kB). Für professionelle Anwender kommt am Ende eigentlich nur der Pro-Account mit seiner unbegrenzten Anzahl von unkomprimierten Wave-Dateien in Frage. Der allerdings schlägt dann schon mit stattlichen 34€ pro Monat zu Buche (es gibt Rabatte auf Jahresabos). Netterweise ist das neue Feature der Optimierung kompletter Mixe (derzeit noch) kostenlos.

Desktop-Frontend

Musste man sich zum Mastern von Tracks bislang über das Browserfenster hangeln, bietet der neue Desktop-Klient deutlich mehr Komfort: Es gibt zwei Tabs von denen der eine für Track-, der andere für Mix-Masterings gedacht ist. Im oberen Bereich lädt man das Audiomaterial hoch, darunter zeigt eine Liste die fertigen, downloadbaren Ergebnisse.

Landr_Desktop

Wer allerdings gehofft hat, dass der Algorithmus von Landr nun auch auf dem eigenen Rechner werkelt, wird enttäuscht, denn nach wie vor müssen Stücke die komplette Schleife durchs Internet machen – sprich: hochgeladen, gerendert und dann wieder runtergeladen werden. Das dauert im Schnitt jeweils die vierfache Zeit des zu bearbeitenden Stückes. Nach dem Hochladen muss der Anwender lediglich noch die Wahl zwischen den drei Lautheitsstufen Low, Medium und High treffen und der Algorithmus beginnt seine Arbeit. Die Ergebnisse sind in der Regel wirklich erstaunlich gut und können problemlos gegen „hangemachte“ Masterings bestehen. Hier mal ein

Klangbeispiele


Stream: Landr-Master (Einstellung: High)


Stream: Händisches Mastering mit Landr

Was es bringt

Soweit zum Mastering von Einzeltracks – wenden wir uns nun der Mix-Optimierung zu. Um den Algorithmus herauszufordern, habe ich eine alte Disco-Nummer (Tullio De Piscopo – Stop Bajon), die entsprechend der damaligen Zeit sehr luftig und leise gemischt ist, mit einer modernen, kräftig zusammen gepressten House-Nummer ineinander gemixt (Anna Tarraste – Raindrops). Den gesamten Mix habe ich mit viel Luft nach oben ausgesteuert. Tatsächlich musste ich dazu die integrierte Lautstärken-Korrektur meiner DJ-Software deaktivieren, die sich sonst automatisch um das Angleichen solche Lautstärke-Differenzen kümmert. Im Bild entsprechend gut zu erkennen: Der leisere, dynamische Disco-Track (grün), der Übergang mit entsprechender Lautstärke-Addition (gelb) und am Ende die wesentlich kräftigere House-Nummer (rot).

Mix-original_780

Testweise habe ich den Mix in meiner Audiosoftware parallel einfach nur normalisiert, also der Software gesagt, dass sie nach der lautesten Stelle suchen und den Pegel der gesamten Datei entsprechend anheben soll. Ein direkter optischer und akustischer Vergleich mit dem Resultat von Landr zeigt: Der Webdienst macht offensichtlich auch nichts anderes, was gut im folgenden Bild zu erkennen ist (oben die von Landr bearbeitete Version, darunter die Peak normalisierte):

Mix-compare_780

Fazit

Der Algorithmus von Landr ist eine wirklich gute Alternative für das schnelle und unkomplizierte Mastern von Tracks. Mit dem neuen Desktop-Frontend entfällt dann auch der etwas lästige Weg über das Browserfenster und die praktische Mastering-Historie dürfte gerade für professionelle Anwender eine echte Hilfe sein. Weitgehend verzichtbar ist dagegen die Mix-Optimierung, da es sich hierbei lediglich um eine Normalisierung handelt. Einer Funktion also, die jeder Freeware-Audioeditor beherrscht.